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Strenge Vorschriften befeuern den Absatz

E-Autos in China: Mehr Zwang als Liebe

China ist schon der weltweit größte Markt für E-Autos. Großstadt-Chinesen haben keine Wahl, die Vorschriften lassen ihnen keine Alternative.

26.04.2016
  • DPA

Peking. Hätte Ju Zhanpeng die Wahl, würde er einen VW Tiguan fahren, kein chinesisches Elektroauto. Der Wagen der Wolfsburger ist nicht so teuer wie ein BMW oder Mercedes. "Aber ein Deutscher", das ist dem Pekinger wichtig. Aus Jus Traum wurde nichts. Weil knapp sechs Millionen Autos die Straßen in Peking schon jetzt verstopfen und die Luft verpesten, werden Nummernschilder für Benziner in großen Städten nur noch verlost. Die Chance, eine dieser Lizenzen zu ergattern, liegt bei weniger als fünf Prozent. Wer ein E-Auto kauft, ist von der Regel ausgenommen.

Drei Jahre lang versuchte Ju sein Lotterieglück. Dann gab er auf und entschied sich für einen Stromer des heimischen Anbieters BAIC mit 160 Kilometer Reichweite. "Er ist okay", sagt Ju emotionslos.

Wie dem 35-Jährigen geht es vielen Großstadt-Chinesen. Ihnen bleibt nur der E-Auto-Kauf. Oft nicht der Umwelt zuliebe, sondern weil sie sonst Bus oder U-Bahn benutzen müssten. Ein Horror für Chinas Mittelschicht, wo Autos noch als Statussymbol gelten.

"Die Beschränkung der Nummernschilder ist der wichtigste Grund, warum sich der Elektro-Markt so rasant entwickelt", sagt Cui Dongshu von der Vereinigung der chinesischen Personenwagenhersteller. Obwohl Chinesen also eher eine Zwangsehe mit ihren E-Autos führen, will die Regierung 5 Mio. E-Autos bis 2020 auf der Straße haben. 2015 vervierfachte sich die Zahl verkaufter Elektro- und Plug-in-Hybrid-Pkw auf 180 000. China ist damit noch vor den USA der größte Stromer-Markt.

Auf der gestern gestarteten Pekinger Automesse werben die Hersteller offensiv mit E-Konzepten. Sie wissen: Die Elektro-Revolution ist politisch gewollt, es warten fette Geschäfte. Deutsche Hersteller fürchten, dass sie abgehängt werden. "Aus meiner Sicht ist das eine Gefahr für Europa", sagt VW-Markenchef Herbert Diess. Ohne starken Heimatmarkt könnten sich die Hersteller in Deutschland und Europa bei Kosten und Technik nicht durchsetzen. Während Deutschland noch über Kaufanreize redet, subventioniert China den E-Autokauf mit umgerechnet bis zu 12 300 EUR.

Auch die Steuern fallen weg. Allerdings: In Städten wie Shenzhen oder Hangzhou, wo es Geld vom Staat gibt, aber keine Nummernschild-Beschränkungen, sind E-Autos Ladenhüter.

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26.04.2016, 06:00 Uhr

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