Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
EZB zeigt Interesse an Unternehmensanleihen
Welche Unternehmensanleihen die EZB genau im Auge hat, ist offen. Dax-Konzerne wie BASF sind aber womöglich in der engeren Auswahl. Foto: dpa
Nicht alle Ökonomen finden das sinnvoll - Sorge um Banken und Versicherungen wächst

EZB zeigt Interesse an Unternehmensanleihen

Die Europäische Zentralbank denkt ständig darüber nach, wie sie die Wirtschaft ankurbeln könnte. Nun will sie dafür auch Unternehmensanleihen kaufen. Diese Strategie hat Vorteile, aber auch Nachteile.

01.04.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Auf den ersten Blick erscheint die Idee einleuchtend. Wenn Banken den Unternehmen keine Kredite gewähren, dann gibt man den Unternehmen doch direkt das Geld, in dem man ihre Anleihen kauft. Dann investieren sie, kurbeln das Wachstum an und schaffen Arbeitsplätze, denkt sich Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Deshalb wollen die Notenbanker ab Ende Juni nicht nur Anleihen der Eurostaaten, sondern auch Euro-Unternehmensanleihen kaufen. Simone Menne kann da nur lächeln. "Sollte die EZB unsere Anleihen kaufen, werden wir deshalb unsere Investitionspolitik nicht ändern." Sie muss es wissen. Schließlich ist sie im Vorstand der Lufthansa für Finanzen zuständig.

Welche Unternehmensanleihen die EZB genau im Auge hat, ist offen. Fest steht nur: Es sollen Papiere von Unternehmen mit Sitz in Euroland sein, sie sollen Investment Grade besitzen, also eine Bewertung durch die Rating-Agenturen von mindestens BBB, was für solide steht. Und die Notenbanker wollen nur kaufen, wenn das Emissions-Volumen einer Anleihe bei mindestens 0,5 Mrd. EUR liegt. Anleihen von Banken und Finanzunternehmen hat sie nicht im Auge. Damit dürften mit Blick auf Deutschland Anleihen von Dax-Konzernen wie Daimler, SAP oder BASF im Eurotower auf Interesse stoßen, aber auch von nicht gelisteten Unternehmen wie der Deutschen Bahn. Dwight Bolden vom Bankhaus Metzler schätzt das Volumen des Marktes, aus dem die EZB schöpfen könnte, ähnlich wie die Commerzbank auf etwa 430 Mrd. EUR.

Die Skepsis von Volkswirten, EZB-Beobachtern, Bankern, Börsianern und Unternehmens-Vorständen, siehe Simone Menne von Lufthansa, ist beträchtlich. Der Schritt zeige nur die Nöte der Notenbanker, die ihr Programm allein mit Käufen von Euro-Staatsanleihen offenbar nicht durchziehen könnten, sagt Börsenhändler Oliver Roth von OddoSeydler. Das Angebot dort wird immer enger. Bis März 2017 will die EZB Anleihen für insgesamt gut 1,7 Billionen EUR kaufen, monatlich für 80 Mrd. EUR. Bislang hat sie Staatsanleihen für gut 650 Mrd. EUR in die Bücher genommen.

Allenfalls für 5 Mrd. EUR pro Monat werde sie Unternehmensanleihen kaufen können, vermutet Christian Schubert von der Commerzbank. "Mehr gibt der Markt gar nicht her. Eigentlich ist er jetzt schon ausgetrocknet." Ähnlich sehen es Bolden und Roth. Der Markt werde kaputt gemacht. "Jetzt kommt auch noch die EZB und kauft die Bonds auf", klagt auch Stefan Winter vom Verband der Auslandsbanken. Die Lage bei Unternehmens-Schuldtiteln sei jetzt schon relativ "hoffnungslos". Von Emissionen mit einem Volumen von 500 Mio. EUR sei es unmöglich nur für 10 Mio. EUR zu kaufen.

Dies bringt Lebensversicherer und Pensionskassen in noch größere Schwierigkeiten, warnt Roth. Für sie sind höher verzinste Unternehmensanleihen eine wichtige Alternative zu Staatsanleihen, die faktisch keinen Zins mehr abwerfen. "Wenn die EZB kauft, dann gehen auch die Renditen bei Unternehmensanleihen runter. Damit versiegt die letzte sichere Einnahmequelle für Versicherungen und Pensionskassen." Roth fürchtet bald erste Pleiten bei Versicherungen. Auch Privatanleger dürften künftig kaum noch an Unternehmensanleihen kommen, weil ihnen die EZB als höchst potenter Käufer interessante Papiere wegschnappt.

Metzler-Ökonom Bolden ist zudem in Sorge, dass Banken und Versicherungen auf der Suche nach Rendite höhere Risiken eingehen, in dem sie Anleihen mit höherem Zins kaufen. Kommen die Unternehmen in Schwierigkeiten oder gehen sie gar Pleite, dann fallen die Anleihen aus und Versicherer und Banken haben ein weiteres Problem.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

01.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball