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Formel 1

Ecclestone und das lange herbeigesehnte Bye-Bye

Nach 40-jähriger Alleinherrschaft des geschäftstüchtigen Briten übernimmt Liberty Media die Führung im milliardenschweren Rennzirkus.

25.01.2017
  • DPA

Viele sprechen von einer Entmachtung von Bernie Ecclestone in der Formel 1. Wohin steuert die neue Führungsspitze den milliardenschweren Rennzirkus? Die Formel 1 steht nach dem initiierten Abschied von Ecclestone vor einem Kurswechsel. Noch ist wenig zu den konkreten Plänen des neuen Eigentümers Liberty Media bekannt.

Doch mit der Benennung der künftigen Führungsspitze dürfte der Wandel der Königsklasse schnell Fahrt aufnehmen.

Was verändert sich personell?

Neuer Geschäftsführer ist der US-Amerikaner Chase Carey, ehemaliger Präsident von 21st Century Fox. Er löst Bernie Ecclestone ab, der nach rund 40 Jahren als Chefvermarkter geht. Allein regieren wie bislang Ecclestone will Carey offenbar nicht. Er setzt den ehemaligen Teamchef und Titelmacher Ross Brawn als Direktor für Sport und Technik ein, der langjährige ESPN-Funktionär Sean Bratches kümmert sich künftig um die Vermarktung.

Warum wählt der neue Besitzer diese Führungsstruktur?

Ecclestone hielt alle Fäden in der Hand, schien lange unersetzlich. Er verhandelte mit Teams, Streckenbetreibern, TV-Sendern und Sponsoren, er bestimmte die Preise und die Bedingungen. Das Modell mit einem 86-Jährigen als Alleinherrscher in einem Milliardengeschäft wirkte längst nicht mehr zeitgemäß. Nun kümmert sich Brawn im Schulterschluss mit dem Weltverband um die Show auf der Strecke. Dass er zusammen mit dem jetzigen Fia-Chef Jean Todt und Michael Schumacher die ruhmreiche Ferrari-Ära mitbegründete, stärkt seine Position.

Bratches soll unterdessen vor allem auch dort wirken, wo die Formel 1 den größten Nachholbedarf hat: Im Bereich digitaler Medien, die Ecclestone nie verstand. Carey ist als oberster Entscheider der Mann für die großen Linien.

Welche Ziele verfolgen Carey und Liberty Media?

Am Ende wollen auch die neuen Eigentümer mit der Formel 1 viel Geld verdienen. In einer Prognose mit geringem Risiko rechnet Liberty mit einem Gewinn bis Ende 2026 von rund 9,3 Milliarden US-Dollar. Der Weg wird aber ein anderer sein als bei Ecclestone. Der Brite dachte zuletzt nur noch an kurzfristige Gewinn-Maximierung, schloss viele fragwürdige Deals, wenn sie nur genug Geld brachten. Wer nicht mehr genug zahlen wollte, dem kehrte Ecclestone den Rücken.

Deshalb gibt es in diesem Jahr erneut keinen Grand Prix in Deutschland. Liberty verfolgt eine andere Geschäftspolitik, will die Strahlkraft der Marke erhöhen und sie nachhaltig stärken.

Wie genau soll das funktionieren?

Der Kernmarkt Europa mit seinen Traditionsrennen soll wieder gestärkt werden. Die Gebühren für Streckenbetreiber dürften vermutlich sinken. Aber auch in den USA und Asien will Liberty die Präsenz der Formel 1 erhöhen. Ziel seien „20 Super Bowls“, also Rennen als Mega-Events mit enormem PR-Aufwand vor stets ausverkauften Rängen. Die Erlöse aus den TV-Rechten sollen steigen. Die Rennställe sollen Anteile an der Formel 1 erwerben – unter Ecclestone war dies absolut undenkbar. Neue Fans, vor allem vor dem Hintergrund der in manchen Regionen sinkenden TV-Zahlen, will Liberty Media durch digitale Plattformen erreichen, „die bisher nicht aggressiv genutzt wurden“.

Und was macht Ecclestone nun?

Er hat nun definitiv mehr Zeit. „Meine Tage im Büro werden jetzt etwas ruhiger“, sagte er ohne Wehmut. Verheiratet in dritter Ehe mit einer Brasilianerin dürfte das nach vier Jahrzehnten an der Spitze der Formel 1 für den umtriebigem Geschäftsmann eine äußerst ungewohnte Erfahrung werden. dpa

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25.01.2017, 06:00 Uhr

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