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Die Evangelischen siegten

Eckenweiler gewinnt das Stadtspiel

Mit einem lebendigen und unterhaltsamen Fest auf dem Marktplatz feierten die Kernstadt Rottenburg und ihre 17 Stadtteile am Mittwoch das 40-jährige gemeinsame Bestehen als Große Kreisstadt.

04.10.2012
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Die Obernauer waren die ersten, die das Stadtzentrum erreichten; deshalb flatterte ihre Fahne bald ganz nah beim Dom in der langen Reihe der Flecken-Flaggen. Benetzt von einigen Regentropfen folgten Ergenzingen und Seebronn als nächste. Birgit Reinke, frühere TAGBLATT-Mitarbeiterin und seit kurzem fürs Bürgerschaftliche Engagement und die Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadtverwaltung zuständig, stellte jeden Stadtteil vor. Reinke war bestens vorbereitet, moderierte witzig, frech und schlagfertig.

Baisingen kam mit 50 Leuten per Fahrrad und reihte sich still ein. Ganz anders Wendelsheim: Der Musikverein, übernächstes Wochenende Gastgeber der Saukirbe, ließ es zwischen Dom und Haus Jeckel tönen, und dann böllerten die Sportschützen, was die Munition hergab. „Da kriegst Du ja einen Hörsturz“, kommentierte Marlies Wagner, wie immer bei solchen Gelegenheiten mit ihrer Kamera im Getümmel.

„Vom großen Wendelsheim zum kleinen Eckenweiler“, rief Birgit Reinke und nannte das Dorf einen „Ausreißer“, weil als einziger Stadtteil evangelisch. „A bissl oiga“ sollen sie auch sein. Um 11.30 Uhr lugte die Sonne hier und da durchs Grau. Gunther Diehl, Schulleiter im Ruhestand und für den Förderverein Hohenberg-Halle aktiv, tat, was Profi-Wirte oft vergessen: Er wischte mit zwei Schwammtüchern die Tische trocken.

Die Gruppe aus Schwalldorf war eineinhalb Stunden wandernd unterwegs nach Rottenburg, wie Ortsvorsteher Klaus Krajewski berichtete. Über Bad Niedernau und die Rottenburger Altstadtkapelle. Um 12 Uhr klumpten sich die Menschen vor den Essensständen, und Reinke kündigte den nächsten Teilort an: „Dorf mit Weitblick, immer auf der Höhe – stimmt das?“ Ortsvorsteher Kurt Hallmaier stritt das nicht ab und wusste sogar die fehlende siebte Biene auf der Ortsfahne irgendwie zu erklären.

Jetzt fehlte nur noch Dettingen. Alles Ausrufen half nichts: Waren sich alle anderen Stadtteil schier in die Hacken getreten, war nun Pause. „Wo bleibt Bethlehem?“ Das ist Dettingen Neckname. „Die machen‘s spannend“, meinte Reinke. „Sie waren damals die Letzten, sie sind heute die Letzten. Erster Bürgermeister Volker Derbogen suchte per Handy. Ein Ruck ging durch seinen Körper, er stupfte den OB und rief: „Jetzt sind sie da, gerad‘ gekommen.“ Es war süße Rache der Dettinger für die Zwangseingemeindung, wie Ortsvorsteher Hubert Walz zugab. Christlich angehaucht, wie die Dettinger seien, hätten sie an zwei Feldkreuzen innegehalten und Lobgesänge ausgebracht auf die Große Kreisstadt.

Zeit fürs Stadtspiel. Der OB und die 17 Ortsvorsteher/innen mussten ins Quiz und auch Geschicklichkeitsspiele machen. Etwa beim Torwandschießen. „Für die, die‘s nicht so gut sehen“, löckte Reinke vom Podest herunter: „Hemmendorf hat zwei mal geschossen und keinmal getroffen.“ So lässt sich ein Winfried Riegger nicht zwirbeln. Mit 380 Volt hämmerte er den Ball durchs Loch. Es blieb der einzige Fußball-Treffer des Tages. Reinke tat Buße: „Die sportliche Runde geht ganz klar nach Hemmendorf.“

Das Spiel ging ins Finale. Wendelsheim und Eckenweiler mussten den Sieg ausfechten. Wieviel wiegen die drei Bürgermeister zusammen? Carmen Hess, Hemmedorf, tippte auf 255 Kilo. Eberhard Köhler, stellvertretender Ortsvorsteher Wendelsheims, nahm 250.

Stephan Neher wog gestern 91 Kilo. Ein Raunen zog durchs Volk. „Das sieht man nicht“, meinte eine Frau. Zulässiges Gesamtgewicht: 257,6 Kilo. Carmen Hess sprang in die Höhe. Die 400 Euro Siegprämie stützen den Bau der Eckenweiler Jugendblockhütte. Köhlers Sohn Niklas, 9, haderte ein wenig: „Ohne Kleider hätten wir gewonnen.“ Birgit Reinke klärte ihn auf: „Das Nackt-Ergebnis können wir hier nicht ermitteln.“ Es muss ja auch noch etwas für die 50-Jahr-Feier bleiben.

Die Sonne brach sich Bahn, flutete den Marktplatz, und jetzt hatte plötzlich die Dettinger Fahne den besten Platz. Die Menschen schwätzten noch und schwätzten. Im Hintergrund musizierte die Bigband Originals back der Kreuzerfeld-Realschule.

Eckenweiler gewinnt das Stadtspiel
Als (beabsichtigt) Letzter zog Dettingens Ortsvorsteher Hubert Walz die Ortsfahne hoch. Eckenweiler siegte beim Stadtquiz. Ortsvorsteherin Carmen Hess umarmt Ersten Bürgermeister Volker Derbogen. Links applaudieren Wendelsheims stellvertretender Ortsvorsteher Eberhard Köhler und OB Stephan Neher (halb verdeckt). Weiter rechts Baubürgermeister Thomas Weigel und Moderatorin Birgit Reinke. Bilder: Fleischer

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04.10.2012, 12:00 Uhr

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