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Die Armut lauert an jeder Ecke

Eckhard Deflize und Günter Bossert waren in Uganda

Fast drei Wochen ist eine Gruppe der KAB der Diözese Rottenburg-Stuttgart durch Uganda gereist. Partnergemeinden wurden besucht, Projekte besprochen und Kontakte vertieft. Mit dabei waren zwei Nordstetter.

01.09.2010
  • Claudia Salden

Narozari/Nordstetten. „Man kennt die Bilder aus den Nachrichten. Aber wenn man das hautnah miterlebt, gewinnt man einen eigenen Eindruck“, berichtet Eckhard Deflize aus Nordstetten von seinen Erfahrungen in Uganda. „Die Lebensbedingungen sind katastrophaler, als ich mir das vorgestellt hatte. Viele Menschen haben kein Wasser und keinen Strom“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Nordstetten. Er und Günter Bossert gehörten zu der 15-köpfigen KAB-Delegation der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die in Kleingruppen fast drei Wochen durch Uganda gereist ist und die Partnergemeinden der KAB-Gruppen besucht hat.

„Der Empfang war immer sehr freundlich“, erzählt Eckhard Deflize. In jeder Gemeinde galten die Besucher aus Deutschland als Ehrengäste und wurden mit Gesangs- und Tanzaufführungen der Kinder unterhalten. „Das waren emotionale Begegnungen“, sagt Deflize. „Das ging tief ins Herz rein.“ Gastgeschenke – Deflize hatte unter anderem Trikots vom VfB Stuttgart, LED-Taschenlampen und Hemden für die Priester dabei – gab es nicht nur von den KABlern an die einzelnen Gemeinden, sondern auch von der einheimischen Bevölkerung in Form von Körben mit Bananen, Ananas und Papayas. „In Uganda bringt man einen vollen Korb und nimmt einen vollen Korb wieder mit“, schmunzelt Deflize. In Sachen Gastfreundschaft könnten die Deutschen von den Menschen in Uganda lernen.

Jede der ugandischen KAB-Gruppen, die die Delegation der Diözese Rottenburg-Stuttgart besuchte, hat einen Bericht abgeliefert und die Gäste über die anstehenden Herausforderungen und Probleme vor Ort informiert. „Die Verständigung lief auf Englisch und zwischen den Ugandern auf Suaheli“, erzählt Eckhard Deflize. Allerdings waren mitunter Übersetzungen nötig, denn die verschiedenen Königreiche in Uganda haben neben ihrem eigenen König auch eine eigene Kultur und eine eigene Sprache.

In Narozari, der Partnergemeinde der KAB Nordstetten, leben – ähnlich wie in Horb – 25 000 Menschen. Allerdings sind die Teilorte bis zu 20 Kilometer vom Zentrum entfernt und nur durch mehrstündige Autofahrten durch den Busch erreichbar. „Ich hätte nie gedacht, dass man auf diesen Feldwegen Auto fahren kann“, sagt Eckhard Deflize. Während einer Tour hatte die Gruppe vier Pannen. „Am schlimmsten sind die staubigen Straßen“, meint der Nordstetter. „Viele Kinder gehen mit laufenden Nasen und entzündeten Augen über diese Dreckswege.“

Narozari liegt im Süden Ugandas in der Nähe vom Victoria-See in einer armen, ländlichen Gegend. Die Menschen leben in Lehmhütten und ernähren sich hauptsächlich von Matoke, einem festen Püree aus Kochbananen. Viele sind unterernährt. 2003 wurde die 1996 gegründete Gruppe der KAB in Narozari wiederbelebt, heute organisieren rund 50 Mitglieder mehrere Projekte. Durch Hilfe zur Selbsthilfe soll die Armut in der Bevölkerung gelindert werden. „Es ist eine sehr gute und aktive Gruppe“, freut sich Eckhard Deflize. So hat die Gemeinde Schweine, Ziegen und Hühner gezüchtet und den Nachwuchs an Familien weitergegeben, die die Zucht fortsetzen, um sich damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Außerdem bringt die KAB den Einwohnern bei, Obstplantagen zu bewirtschaften. „Die Menschen sollen in die Lage kommen, sich ihr Geld selbst zu erwirtschaften“, erklärt Deflize.

Ein weiteres Anliegen der KAB ist die Ausbildung. Manche Kinder gehen gar nicht zur Schule, weil sie als Arbeiter gebraucht werden. Andere müssen vor dem Unterricht große gelbe Wasserkanister zur Wasserstelle und zurück nach Hause schleppen. „Manche Eltern muss man davon überzeugen, ihr Kind in die Schule zu schicken“, sagt Eckhard Deflize. Der Zustand vieler Schulen sei katastrophal: „Das sind undichte Backsteinbauten mit kaputten Fenstern und verdreckten Böden.“ Während sich früher die Eltern um die Schulen kümmern mussten, hat der Staat in den 90er-Jahren die Verantwortung übernommen. „Aber der macht nichts“, klagt Deflize.

In der größten Grundschule in Narozari, die auch eine Art Internat ist, leben Kinder in überfüllten Schlafsälen. Eine notdürftig erbaute Baracke dient als Küche. Die KAB unterstützt die Schulen mit Schulmaterialien und dem Bau von Gebäuden. Außerdem stellt sie Regenwassertonnen auf, um Trinkwasser zu sammeln. An der fortführenden Schule in Narozari können sich Jugendliche zum Elektriker, Klempner, Land- und Forstwirtschaftler, Schneider, Schreiner oder Autoschlosser ausbilden lassen. „Mit einer Ausbildung hat man Chancen auf einen Job im städtischen Raum“, sagt Deflize.

Seine Gruppe hat auch die Plantage mit inzwischen mehrere Meter hohen Eukalyptusbäumen in Narozari und die Brunnen in den Filialgemeinden Buyaga und Mbira besucht, die mit Spendengeldern aus Nordstetten errichtet wurden. „In Buyaga hat sich der Dorfälteste bei uns bedankt und den Brunnen als Gottes Segen und großes Glück bezeichnet“, erzählt Eckhard Deflize. Aus Nordstetten sind bisher 4500 Euro nach Uganda geflossen.

Die KAB-Gruppe war auch in anderen Orten unterwegs. Die Diözese im südlichen Masaka wurde 1995 gegründet und ist am weitesten entwickelt: „In 49 Gemeinden gibt es 48 KAB-Gruppen. Die Diözese kann man bald sich selbst überlassen“, freut sich Eckhard Deflize, der während seines Besuchs die 15-Jahr-Feier miterlebt hat. In der Nähe von Masaka hat die KAB-Delegation zwei Aids-Projekte besucht. „Es ist wichtig, die Menschen für die Krankheit zu sensibilisieren und über Prävention und Medikamentierung aufzuklären“, sagt Deflize. Rund um Masaka gibt es mehrere Aids-Zentren, deren Untersuchungsdaten per Satellit zur Auswertung an die Zentrale übermittelt werden. „In dieser Beziehung ist Uganda ziemlich fortschrittlich“, meint Deflize.

In den kommenden Jahren sollen in Fort Portal im Westen des Landes und in Hoima im Nordwesten weitere KAB-Gruppen entstehen. Dafür haben die deutschen Gäste mit mehreren Bischöfen gesprochen. „Wir sind immer auf offene Ohren gestoßen“, freut sich Deflize. Anders als in Deutschland herrscht in Uganda kein Priestermangel – meistens gibt es sogar drei Pfarrer: einen für die Gemeinde, einen für Jugend und Schule und einen Präses, der die KAB-Projekte begleitet. Dabei bleiben die Geistlichen nicht von Armut verschont: „Ihr Gehalt von 40 Euro im Monat wird nur unregelmäßig gezahlt“, erzählt Eckhard Deflize. Viele seien auf Lebensmittelspenden der Gemeinde angewiesen.

In Narozari sind 60 bis 70 Prozent der Menschen katholisch, der Gottesdienst ist immer gut besucht. Weil die Kirche renoviert werden soll, bringen die Gemeindemitglieder Spenden mit. Dabei wurde die KAB-Delegation Zeuge einer ungewöhnlichen Aktion, berichtet Deflize: „Wer kein Geld hat, bringt Naturalien in den Gottesdienst. Die werden zugunsten der Kirche meistbietend versteigert.“

Eckhard Deflize und Günter Bossert waren in Uganda

Eckhard Deflize und Günter Bossert waren in Uganda

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01.09.2010, 12:00 Uhr

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