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Im Würgegriff

Ecuadorianischer Botschafter Jorge Jurado: Macht und Politik der USA

Mächtige Konzerne und eine Politik der Unterdrückung: Der Botschafter Jorge Jurado wählte in Tübingen deutliche Worte, um das Verhältnis der USA zu Lateinamerika zu beschreiben.

18.11.2014
  • Madeleine Wegner

Tübingen. Verspätet kam der ecuadorianische Botschafter Jorge Jurado am Montagabend in den gut besuchten Kupferbau-Hörsaal. Doch das hatte einen guten Grund, wie Rainer Rothfuß vom geografischen Institut erklärte: Im Gespräch mit dem Prorektor für Internationales an der Uni Tübingen, Heinz-Dieter Assmann, habe man Perspektiven für Kooperationen mit ecuadorianischen Universitäten ausgeleuchtet.

Bereits mittags hatte sich Jorge Jurado, der sein Land seit 2011 als Botschafter in Berlin vertritt, bei einem Empfang zu seinen Ehren in das Goldene Buch der Stadt Tübingen eingetragen. Am Abend hielt er in der Studium-generale-Reihe einen Vortrag über die Unterdrückung durch die westlichen Staaten – insbesondere durch die USA – und den Kampf um Souveränität in Lateinamerika.

In Ecuador hat er die Regierungen beraten, war unter anderem Wasserwirtschaftsminister und Staatssekretär für Bergbau. Er studierte von 1971 bis 1986 an der TU Berlin unter anderem Energie- und Verfahrenstechnik. Seine Vorlesung in Tübingen hielt er fließend auf Deutsch.

Konzerne hätten heute mehr Macht denn je. Und in Zukunft würden sie durch die Freihandelsabkommen eine nahezu totale Macht innehaben, weil sie die Souveränität der Staaten übergehen können. Nach Ansicht Jurados wird die Spaltung der Kulturräume nicht nur kulturell bedingt sein, wie es Samuel Huntington in seiner populären Theorie vom „clash of civilizations“ erklärt, sondern in erster Linie wirtschaftlich: „Sie wird aus den Ungereimtheiten des vermeintlich freien Marktes entspringen, der sich ungestraft über die ursprünglichen Kulturen hinwegsetzt“, sagte Jurado.

Der „Okzident“, so der ecuadorianische Botschafter weiter, dränge mit seiner wirtschaftlichen Macht, seiner neoliberalen Politik und seinen „Modellen einer angeblichen repräsentativen Demokratie“ dauerhaft in den Rest der Welt ein und richte dabei Verwüstungen mit unkalkulierbaren Folgen an. Wenn dies nicht ausreiche, wende der Westen seine globalen Kriegsstrategien sowie Überwachungs- und Spionagestrategien an – nur um die „pathologische Hegemonie“ seiner Interessen aufrecht zu erhalten. Diese Interessen seien weniger die der westlichen Bevölkerung, sondern vor allem die des vorherrschenden kapitalistischen Systems, des Finanzsystems und transnationaler Konzerne.

Jurado analysierte in seinem Vortrag die Außenpolitik der USA gegenüber Lateinamerika, insbesondere gegenüber Ecuador in den vergangenen 50 Jahren und brachte dafür zahlreiche Beispiele: Militär- und Zivildiktatur, Spionage durch die CIA seit den 1960er Jahren, Unterordnung unter den Internationalen Währungsfonds, neoliberale Politik.

Jurado streute Karikaturen in seinen Vortrag ein, die beispielsweise zeigten, wie die USA Lateinamerika aussaugen. In der anschließenden Diskussion warf eine Studentin dem Botschafter vor, ein einseitiges Bild und damit ein Feindbild von den USA zu zeichnen. „Absolut richtig“, antwortete Jurado. Er sei nicht gekommen, um eine vermeintlich wissenschaftliche Objektivität zu präsentieren. Der ecuadorianische Botschafter betonte jedoch: „Nichts an meinem Vortrag ist gelogen, alle Fakten sind wissenschaftlich nachprüfbar.“ Rainer Rothfuß warnte die Studenten: „Bitte erliegen Sie nicht der Vorstellung, es gebe die eine objektive wissenschaftliche Ansicht.“ Die Zuhörer dürften keine fertig vorgekauten Rezepte erwarten, sondern sollten kritisch sich selbst eine Meinung bilden.

Ecuadorianischer Botschafter Jorge Jurado: Macht und Politik der USA
Der Botschafter Ecuadors in Deutschland, Jorge Jurado, trug sich am Montag in das Goldene Buch der Stadt Tübingen ein, flankiert von der Ersten Bürgermeisterin Christine Arbogast und von Honorarkonsul Siegfried Rapp.Bild: Brieschke

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18.11.2014, 12:00 Uhr

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