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Effi Briest

Fontane als kulissenselige Preußen-Schmonzette mit Softporno-Elementen.

Fontane als kulissenselige Preußen-Schmonzette mit Softporno-Elementen.

Effi Briest

© null 02:24 min

Deutschland

Regie: Hermine Huntgeburth
Mit: Julia Jentsch, Sebastian Koch, Barbara Auer, Mišel Maticevic

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

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Film bewerten

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23.11.2015
  • Dorothee Hermann

Dieser Film missversteht Literatur als Kostümfest. Man spielt Preußen, und bewegt sich im pseudo-historischen Glanz doch stets etwas frustriert, mit heruntergezogenen Mundwinkeln, als traute man der eigenen Rolle selbst nicht ganz. Im sterilen Realismus eines zu Tode renovierten Freilichtmuseums wirkt keine einzige Einstellung authentisch.

Effis Vater (Thomas Thieme) wäre glaubhafter in einer Berliner Eckkneipe von einst. Die Mutter (Juliane Köhler) sorgt für den bekannten Hauch Zwangsheirat unter Kronleuchtern. Statt Fontanes eleganter Prosa hört man Sätze wie aus einer Vorabend-Soap: „Ist dir alles nicht romantisch genug?“ So geht Effis Mutter widerwillig auf die Befürchtungen der Tochter ein, um sie zugleich abzuwehren.
Der erste Geschlechtsverkehr zwischen der 17-jährigen Effi (Julia Jentsch) und dem 20 Jahre älteren Baron von Innstetten (Sebastian Koch) bedient das chauvinistische Uralt-Klischee von der Frau als Beute, dem Mann als Tier. Effi schreit vor Schmerz, und der Zuschauer wird zum Voyeur einer Vergewaltigung degradiert. Nur die Geburt von Effis Tochter ist hörbar noch schmerzhafter.

Doch Effis charakteristischste Pose ist es, liegend oder stumm zurückgelehnt in einem Sessel heftig zu atmen. Statt eine emotionale Bewegung zu erzeugen, wird Regisseurin Hermine Huntgeburth („Die weiße Massai“) noch häufiger nach diesem dramaturgischen Signal greifen – nach dem Motto „Achtung! Leidenschaft!“ Gleich doppelt erklingt es bei Effis Eskapade mit dem fesch sein wollenden Major von Crampas (Misel Maticevic), die als Softporno in einer baufälligen Strandhütte inszeniert ist. „Crampas, nochmal!“, sagt Effi da wie ein Kleinkind, das eine zweite Portion seines Lieblingsdesserts möchte.

Die Position, die die gefeierte Julia Jentsch („Sophie Scholl“) in diesem Streifen innehat, gleicht ein wenig der Position eines Kindes, das ein paar Fernsehschauspieler in eine besonders prächtig aufgeputzte Soap-Ecke abgeschleppt haben. Das vorgeblich emanzipatorisch abgeänderte Ende, das Effi allein nach Berlin ziehen lässt, bleibt so entschieden unglaubwürdig.

Spielplan

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 21.07.2009, 12:00 Uhr

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03.03.2009

12:00 Uhr

Heinrich Klaubenhuber schrieb:

Als Deutschlehrer war ich mit einem Teil meiner LK-Schüler in dem Film. Die Adaption hat uns überwiegend sehr zugesagt. Die Kritik im Tagbla ist uns unverständlich.



03.03.2009

12:00 Uhr

Abdul schrieb:

Tolle Schauspieler, spannend und ergreifend!



25.02.2009

12:00 Uhr

Christopher Bartels schrieb:

Eine pseudofeministische Vergewaltigung von Fontanes zeitloser Romanvorlage



24.02.2009

12:00 Uhr

Thomas Bock schrieb:

steril, langweilig und kein Augenblick Fontane.



24.02.2009

12:00 Uhr

R. Sabine schrieb:

gefühle mit angezogener handbremse - das war mein einrduck während des nachspanns. zu fontanes zeit gängig, das wollte er ja durch seine bücher geißeln. für unseren 'geschmack', geprägt durch freud und miller ist das kaum erträglich. wollte uns das hundgeburth vor augen halten: seht, wie sich unser gefühlsvokabular vervielfältigt hat! ich weiß es nicht. mir bleibt jedenfalls der schale geschmack des unglaubwürdigen, stereotypen im cineastischen gaumen zurück - und das gefühl der dankbarkeit, dass frauen des beginnenden 21. jahrhunderts den mann ihres herzens wählen dürfen, ihre kinder selber aufziehen dürfen, sich ohne gefahr der gesellschaftlichen diskreditierung trennen und neu verlieben dürfen. auch ein verdienst dieses wachsamen apothekers aus der mark brandenburg.



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