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Teetasse und Spinne

Ehemaliges Kino Löwen als Altstadt-Bühne eröffnet

Der feinsinnige Barde Christof Stählin bewegt sich derzeit „In den Schluchten des Alltags“ – wohl auch ein Hinweis auf den Ton des künftigen Bühnenprogramms im früheren Kino Löwen. Zur Eröffnung am Samstagabend kamen 140 Besucher/innen.

04.10.2010
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Eine hochgewachsene Erscheinung im grünen Bademantel zeigt sich ein wenig unvermittelt auf der schwarzen Bühne. „Es geht los. Alles immer jetzt gleich sofort“, beteuert der Wortkünstler und Liedermacher Christof Stählin, vormals Tübingen, nun in Hechingen zuhause. Dass der Herr im Hausmantel so plötzlich vor den Löwenbesuchern steht, liegt an der kleinen Treppe im Hintergrund. Sie ermöglicht es den Künstlern, von der Garderobe über eine Galerie unbemerkt auf die Bühne zu gelangen – statt sich wie bisher einen Weg durchs Publikum bahnen zu müssen.

Ehemaliges Kino Löwen als Altstadt-Bühne eröffnet
Mal ohne Teetässchen in der Hand: Christof Stählin in der einführenden Hausmantel-Phase am Samstagabend auf der Löwen-Bühne.Bild:Faden

Der Bademantel suggeriert Privatheit, das feine Teetässchen, an dem der Künstler mitunter nippt, erst recht. Aber er ist ganz der formvollendete Gastgeber, der nonchalant das Beste aus der Situation macht, in der die Zuhörer ihn überrascht zu haben scheinen.

Nach der Pause stellen sich diese kleinen Fragen der Etikette ohnehin nicht mehr. Ein Raunen aus dem Publikum quittiert Stählins Wiedererscheinen im grauen Nadelstreifenanzug, mit rötlicher Krawatte und schmalen Schnürstiefeln, ein elegantes Alter Ego.

Der Künstler lässt sich Zeit und nimmt vieles wörtlich. Und, statt etwas zu verpassen ob dieser scheinbaren Umständlichkeit, eröffnen sich den Zuhörern überraschende Wendungen, absurde Ausschmückungen.

Seine Gitarre setzt der Liedermacher nur sehr sparsam ein, als brauche jeder Song – wie jedes Wort – einen ausreichend bemessenen Resonanzraum. So wie dieser älter werdende Alleinlebende, soigniert und spitzbübisch zugleich, der das karge (aber ausgesuchte) Inventar seiner eben bezogenen Dachwohnung präsentiert und seine unerschöpflichen Reflexionen zu den Skurrilitäten des Alltags. „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, aber sie leistet keine Gesellschaft.“

Wunderbar klamaukfern holt der 68-jährige Künstler seine Pointen aus der Sprache, den Wörtern. Keine kleine Schönheit entgeht ihm: Wie sich „in der Dämmerung die Lichter vermischen“, und „die Morgenarbeit einer Spinne“ zu beobachten, wird er sich nie entgehen lassen.

50er-Jahre-Juwel zur Kleinkunst-Bühne umgewidmet

Das ehemalige Kino Löwen in der Tübinger Kornhausstraße ist seit Samstagabend wieder in Betrieb – als Kleinkunstbühne. Ein besonderer Hingucker sind die original 50er-Jahre-Lampen mit ihrem matten Goldschimmer auf der braunen Wandbespannung – heiße Kandidaten fürs kulturhistorische Design-Archiv. Die Tübinger Kulturamtsleiterin Daniela Rathe freute sich über „den wunderschönen Raum“, der nicht nur Tübinger Künstler(inne)n eine Bühne bieten soll. Das zunächst auf zwei Jahre angelegte Programm verantworten die Zimmertheaterintendanten Axel Krauße und Christian Schäfer sowie die Kabarettkünstlerin Petra Afonin.

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04.10.2010, 12:00 Uhr

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