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Leiser Tonträger

Ehrenpreis der Schallplattenkritik für Stählin

Riese der Kleinkunst, heimlicher Doyen der Waldeck-Liedermacher wird er genannt. Christof Stählin bekam am Sonntag in Hechingen den Ehrenpreis der deutschen Schallplattenkritik.

05.10.2010

Hechingen. Ist er Bänkelsänger, Liedermacher, Liedautor, Kabarettist? Am Abend des sonntägigen Nationalfeiertags präsentierte der Bundesverdienstkreuzträger eine staatstragende Mischung aus Liedern, kleinen vertrackten Geschichten und Gedichten und eingestreuten Sentenzen. Das Programm hat einen schwarzweißroten Faden, trägt den Titel „Deutschland. Wir bitten um Ihr Verständnis!“

Was versteht Stählin unter Deutschland? Man hört feine Sätze. So einen: Ein Deutschlehrer ist immer im Dienst. Oder diesen: Sagt ein Dominostein zum andern: Wo waren wir stehengeblieben? Ein altes deutsches Lied ist dabei, das der „wahren Freundschaft“, die nicht wanken soll. Oder „Ade, du mein lieb Heimatland“, an die Neuzeit angepasst.

Oder, im typischen Stählin-Sound, ein Lied über das, was uns von Preußen geblieben ist, und eins an die Deutschen, die Deutschland in hundert Jahren bevölkern werden, mit der Frage, ob denn 2110 die weißen Schwäne noch den Neckar beschwimmen, am Hölderlinturm vorbei. Ein Stehpult, ein Stuhl, sein Saiteninstrument, eine Gitarre arabischen Ursprungs, ein Rosengebinde reichen für das Bühnenbild, aus dem heraus dieser deutsche Barde rezitiert und räsonniert.

„Leise gezupft, unaufdringlich und dennoch schlagkräftig“ sei das Stählinsche Liederwerk, würdigt ihn die „deutsche Schallplattenkritik“. Die Kritiker haben sich, vor vielen Jahren schon, als Verein zusammengeschlossen (derzeit sind es 140) und bepreisen einmal im Jahr „höchstwertige Produkte“ im Tonträgerbereich. Aus der Hand des Journalisten Nikolaus Gatter, der dieser kritischen Vereinigung angehört, bekam Stählin diesen Ehrenpreis.

Früher hat man die Verleihungen in Berlin zelebriert, mittlerweile finden sie bei Konzerte der Künstler statt. Stählin kennt die Preislandschaft, weiß, wie der Betrieb funktioniert. Auslobende Städte oder Institutionen sagen: „Wenn wir 30 000 Euro springen lassen, wollen wir auch einen Promi!“ Mittlerweile gebe es Agenturen, die Prominente an Preisverleiher vermitteln. Da hat es ein Mann wie Stählin schwer, der die großen Bühnen scheut. Umso mehr freue ihn, dass dieser Preis seiner Kunst gelte, der er Rückenwind verleihe, als rein ideelle Auszeichnung, die von keinerlei materieller Zuwendung getrübt sei.

jon

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05.10.2010, 12:00 Uhr

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