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Kommentar

Eigentum verpflichtet auch Hauseigentümer

Seit ein paar Tagen ist klar: Mehr als 27 000 Studierende haben sich fürs Wintersemester in Tübingen eingeschrieben – mehr als jemals zuvor. Damit steigt der Druck auf dem ohnehin schon teuren Tübinger Wohnungsmarkt. „Die meisten Studenten werden im Verlauf des Semesters etwas finden“, glaubt Gerhard Breuninger. Zugleich warnt der Chef der städtischen Wohnungsgesellschaft GWG vor einem „gewissen Verdrängungswettbewerb“: Studentische Wohngemeinschaften könnten häufig höhere Mieten zahlen als Familien mit zwei oder mehr Kindern.

13.10.2012
  • Volker Rekittke

Das beobachtet Thomas Keck vom Mieterbund Tübingen-Reutlingen schon länger. In Zeiten hoher Studierendenzahlen sei die Wohnungssuche schon für Student(inn)en nicht einfach. Jedoch: „Normal verdienende Familien mit mehreren Kindern und nur einem Ernährer finden in einer Stadt wie Tübingen so gut wie keinen adäquaten Mietwohnraum mehr.“

Dabei ist Tübingen auch ohne die zusätzlichen Student(inn)en, die der doppelte Abi-Jahrgang beschert, ein begehrtes Pflaster für Jung und Alt, für Singles und Familien. Der Trend von der grünen Peripherie zurück in die attraktiven Zentren hält unvermindert an.

Und in so einer Situation, kaum zu glauben, stehen in Tübingen manche Wohnungen und Häuser leer. Dafür mag es in jedem einzelnen Fall Gründe geben – etwa, weil demnächst neu gebaut wird. Manchen Eignern fehlt das Geld zur Sanierung, andere sind nicht auf die Mieten angewiesen oder haben schlicht keine Lust auf Untermieter.

Gar nicht so selten wohnt ein Paar allein im großen Haus, aus dem die Kinder längst ausgezogen sind. „An dem Thema sind wir dran“, sagt Baubürgermeister Cord Soehlke – und nennt das Beispiel der nordrhein-westfälischen Stadt Hagen. Dort existiert schon länger eine Wohnungstauschbörse. Zieht beispielsweise ein älterer Mieter, dessen Kinder aus dem Haus sind, in die kleinere Wohnung eines jungen Ehepaars, das Nachwuchs bekommen hat, so zahlen Kommune oder Wohnungsgenossenschaft gestaffelte Umzugsprämien.

Und noch etwas verspricht Soehlke: Man ermittle leerstehende Häuser oder Wohnungen in Tübingen – und werde auf die Eigentümer zugehen: „Wir fragen, was denn die Hindernisse für eine Vermietung sind – und ob wir helfen können.“ Einen ähnlichen Ansatz verfolgte auch OB Boris Palmer, als er bereits vor zwei Jahren bei der Eigentümerin eines Hauses in der Gartenstraße anrief – und sich nach eigener Aussage von ihr wüst beschimpfen lassen musste (siehe „Nicht zu vermieten“).

„Letztlich kann man die Leute nicht zwingen zu vermieten“, seufzt Mieterbund-Geschäftsführer Keck. Aber man kann Hilfe anbieten oder auch appellieren (an den Geldbeutel, ans Gewissen) – und dabei die folgenden Sätze in Erinnerung rufen: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Wo das steht? Im Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2.

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13.10.2012, 12:00 Uhr

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