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Ein 26-Jähriger bringt den Terror zurück nach Frankreich
In diesem Supermarkt nahm ein Marokkaner Geiseln.
Attentat

Ein 26-Jähriger bringt den Terror zurück nach Frankreich

Dreifacher Mord, eine Geiselnahme und ein Angriff auf vier Gendarmen enden mit dem Tod des Täters. Er verschanzt sich in einem Supermarkt. Polizisten stürmen das Geschäft.

24.03.2018
  • PETER HEUSCH

Paris. „Als die Schüsse durch den Supermarkt hallten, bin ich sofort zum Notausgang gelaufen und habe mich ins Freie geflüchtet“, erzählt Medi F.: „Nein, ich hab den Typ nicht sehen können.“ Medi F. ist ein Angestellter des Großkaufmarkts „Super U“ am Rande der südfranzösischen Trèbes, der zum Schauplatz einer blutigen Geiselnahme wurde.

Kurz nach 11 Uhr hatte der Täter unter dem Ruf „Allahu Akbar“ den Supermarkt betreten und dabei wild um sich geschossen. Zwei Menschen sterben auf der Stelle. Danach treibt der mutmaßliche Islamist mehrere der Anwesenden mit vorgehaltener Waffe in eine Ecke und erklärt: „Ich bin ein Soldat des Islamischen Staats.“ Andere Besucher können fliehen. Kurz darauf trifft eine Eliteeinheit der Gendarmerie aus Toulouse ein. Dank der geflüchteten Augenzeugen weiß die Einsatzleitung bereits, dass der Geiselnehmer außer mit einer Schusswaffe auch mit Messern bewaffnet ist und offenbar über mehrere Handgranaten verfügt.

Die Behörden ahnen schnell, dass es sich beim Täter um denselben Mann handelt, der gegen 10:35 Uhr in der Kleinstadt Carcassonne fünf Schüsse auf eine Gruppe von vier joggenden Gendarmen abgegeben hatte, bevor er sie zu überfahren versuchte. Einer der Gendarmen wird schwer verletzt. Der Schütze flüchtet in einem kurz zuvor geraubten Personenwagen, dessen Fahrer er schwer verletzt und dessen Beifahrer erschossen hatte.

Die Pariser Staatsanwaltschaft zieht den Fall an sich und eröffnet eine Untersuchung wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung. Inzwischen wissen die Gendarmen auch, mit wem sie es zu tun haben: Redouane Lakdim, ein 26-jähriger Franzose marokkanischer Abstammung, der zwar wegen Diebstahl und Drogenhandel vorbestraft ist, aber nicht der Radikalisierung verdächtigt wurde.

Nach unbestätigten Informationen soll Lakdim gefordert haben, dass der in einem Gefängnis einsitzende Islamist Salah Abdeslam freigelassen werden soll. Abdeslam ist der einzige überlebende Täter der Anschläge von Paris am 13. November 2015. Jedenfalls lässt er sich überreden, seine Geiseln im Austausch gegen einen Polizeioffizier freizulassen.

Ergeben will sich Lakdim jedoch nicht – trotz der Bitten seiner von den Behörden herbeigeholten Mutter und seiner beiden Schwestern. Stattdessen wird er zunehmend nervös und aggressiv gegenüber seiner letzten Geisel, was die Gendarmen vor dem Supermarkt dank des eingeschalteten Handys ihres festgehaltenen Kollegen mitbekommen. Auch deswegen erfolgt schließlich der Befehl zum Zugriff, bei dem Lakdim getötet und der schwer verletzte Gendarmerie-Oberst befreit werden kann. Peter Heusch

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24.03.2018, 06:00 Uhr

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