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Arbeiter in Echnatons Stadt

Ein Amarna-Ziegel erzählt von einer religiösen Revolution vor über 3000 Jahren

In unserer Reihe „Schatz des Monats“ präsentieren die Kustod(inn)en des Museums Schloss Hohentübingen die besten Stücke der Dauerausstellung Alte Kulturen. In diesem Monat ist es ein Lehmziegel aus dem alten Ägypten.

14.06.2014

Tübingen. Nofretete ist eine ägyptische Königin, von der viele schon einmal gehört oder deren Büste sie sogar schon in Berlin im Museum gesehen haben. Ihr Gemahl war Pharao Echnaton, der seinerseits in der ägyptischen Geschichte große Bedeutung erlangte, weil er den Vielgottglauben seiner Vorfahren zugunsten des Eingottglaubens an die göttliche Sonnenscheibe Aton aufgeben wollte.

Seine religiöse Revolution konnte sich aber auf Dauer nicht durchsetzen, und bereits seine direkten Nachfolger (hierzu gehört auch Tutanchamun) kehrten zu den alten Göttern zurück. Echnatons Andenken wurde verfolgt und verketzert.

Diese Ära im 14. Jahrhundert vor Christus ist nicht nur für ihre geänderten religiösen Vorstellungen bekannt, sondern auch für einen besonderen Kunststil. Dieser war viel naturalistischer und freier als der Kanon der vorangehenden Jahrhunderte ägyptischer Kunst, wie er beispielsweise in der Opferkammer zu sehen ist.

Die Religion wie auch die Darstellungsart dieser Zeit werden in der Forschung mit dem Begriff „Amarna“ versehen – benannt nach der von Echnaton gegründeten Hauptstadt in Mittelägypten, die modern Tell el-Amarna heißt. Sie wurde in einer sehr wüsten und öden Gegend errichtet und nach dem Tode Echnatons bald wieder aufgegeben.

Auch unser Schatz des Monats stammt aus der Amarna-Zeit und vermutlich auch aus dem Gebiet der Residenz selbst. Auf ihm ist allerdings kein berühmtes Mitglied des Königshauses dargestellt, sondern ein einfacher Arbeiter. Sein Haar trägt er länger und struppiger, als man es aus ägyptischen Darstellungen gewohnt ist.

Bekleidet ist er mit einem sogenannten Soldatenschurz, der deutlicher auf dem benachbarten Relief- Fragment Nr. 13 zu sehen ist. Mit Hilfe eines Nackenjochs befördert der Arbeiter Ziegelsteine, die am unteren rechten Bildrand noch erkennbar sind. Vor ihm sind Äste eines Baumes und über ihm die Darstellung eines Wasserlaufs zu sehen.

Luftgetrocknete Lehmziegel waren im alten Ägypten das übliche Baumaterial. Steinbau war dagegen fast nur den Tempeln vorbehalten. Selbst Paläste wurden gewöhnlich aus den vergänglicheren Nilschlammziegeln errichtet, weshalb wir heute nur wenig über die Behausungen der Herrscher wissen.

Die Art der Darstellung macht wahrscheinlich, dass das Objekt ursprünglich Teil der Sockelszene von Wandreliefs gewesen ist, wie man sie in Tell el-Amarna gefunden hat, siehe die Rekonstruktion gegenüber.

Donata Schäfer

Ein Amarna-Ziegel erzählt von einer religiösen Revolution vor über 3000 Jahren

Ein Amarna-Ziegel erzählt von einer religiösen Revolution vor über 3000 Jahren

Das Museum der Universität Tübingen MUT vereint die größte Zahl an Universitätssammlungen im deutschsprachigen Raum. Nach einer Modernisierung präsentiert das MUT die Alten Kulturen auf Schloss Hohentübingen nun auch in neuem Licht. Hier werden derzeit etwa 4000 Objekte von der Urgeschichte bis zur Klassischen Antike ausgestellt.
In der Reihe „Schatz des Monats“ zeigen die Kustodinnen und Kustoden des Schlosses die Highlights der Dauerausstellung.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17, Donnerstag 10 bis 19 Uhr. Führungen sind vereinbar unter 07071/29-77384 oder unter www.unimuseum.de.

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14.06.2014, 12:00 Uhr

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