Wird Horb zur Öko-City?

Ein Arbeitskreis entwickelt die Leitbild-Idee von Stadtrat Holger Zimmermann weiter

Horb zur „Öko-City“ zu machen, bedeutet nicht, die Stadt oder den Einzelhandel neu zu erfinden, sondern an Vorhandenes anzuknüpfen. Das hat Fernsehtechniker Stefan Auditor festgestellt. Er gehört zu einem offenen Arbeitskreis, der die Leitbild-Diskussion führt, die FD/FW-Stadtrat Holger Zimmermann im Januar angeregt hat.

15.07.2010

Von Andreas Ellinger

Horb. „Ökologie und Fernsehtechnik ? das hört sich gegensätzlich an?, sagt Stefan Auditor. Dieser erste Eindruck täusche aber. Zwar seien Fernseher kein klassisches Öko-Produkt, aber es gebe beispielsweise Geräte mit Blei- und Quecksilber-Bestandteilen… ? und welche ohne. In dieser Frage berate er Kunden genauso wie zum Thema Elektrosmog. Und Stefan Auditor, der als Fernsehtechniker nicht nur Geräte verkaufen, sondern auch reparieren kann, sieht sich ohnehin Dienste der Nachhaltigkeit. Seine Empfehlung: Qualität kaufen und reparieren lassen statt billig kaufen und wegwerfen.

Was er sowieso anbiete, passe zum Leitbild einer „Öko-City?, hat Stefan Auditor festgestellt. Und bei einer ganzen Reihe von Handwerkern verhalte es sich ähnlich ? etwa bei Elektrikern oder Sanitärbetrieben, die Solaranlagen montieren.

Dem offenen Öko-City-Arbeitskreis gehören natürlich auch Vertreter der traditionellen Öko-Branche an, etwa die Betreiber des „Bio-Punkts?, und Ideengeber Holger Zimmermann, der mit seiner Firma „Projektmensch? Firmen berät, sowie Team- und Management-Trainer Axel Germek.

Umweltfreundlicher

Einzelhandel

Germek ist kürzlich auf eine Information der KfW-Mittelstandsbank aufmerksam geworden, die in ihrem „ERP-Umwelt- und Energieeffizienz-Programm? ein neuer Förderschwerpunkt eingerichtet hat: „Umweltfreundlicher Einzelhandel?. In dem KfW-Schreiben heißt es: „Gefördert werden die Errichtung und der Ausbau von Verkaufsräumen und -gebäuden im Einzelhandel. Mit dem Bau neuer Geschäftsgebäude, der Neuplanung und Neugestaltung von Verkaufsräumen oder dem Austausch veralteteter Heizungs- oder Kühlanlagen lassen sich deutliche Umwelteffekte realisieren. Die Antragsteller erhalten im Rahmen des Förderschwerpunktes eine zusätzliche Zinsverbilligung aus dem ERP-Sondervermögen von bis zu einem Prozent per anno. Der Förderschwerpunkt ist zunächst bis zum 31. Dezember 2011 befristet.?

Holger Zimmermann hatte die „Öko-City? ursprünglich nur als Beispiel aufgeführt, „um zu verdeutlichen, wie die Maßnahmen einer ganzen Stadt einem Leitthema, einer Leitidee folgen können.? Nachdem das Beispiel jedoch auf großes Interesse gestoßen sei und sich ein Arbeitskreis gebildet habe, könne daraus ein Alleinstellungsmerkmal für Händler, Unternehmen, Vereine und alle anderen Akteure in Horb entwickelt werden.

Zimmermann nennt in seinem „Projektmensch-Blog? im Internet sogar schon einen Slogan: „Horb am Neckar ? pfiffig grün. Natürlich.? Er betont aber: „Allein die Gestaltung eines Werbeflyers mit dem entsprechenden Slogan nützt gar nichts. Im Gegenteil: Wer zu viel verspricht enttäuscht. Deshalb kann es für die Entwicklung einer Öko-City nur eine Strategie geben: Erst muss man es sein, dann darf man sagen, dass man es ist.?

High-Tech kann

„öko? sein

Holger Zimmermann schreibt: „Es geht nicht um das verstaubte ,Öko?, es geht um das moderne ,Öko?, das viel mit High-Tech, intelligenten Systemen und Wissen zu tun hat. Die pfiffige, clevere Umsetzung zum Wohle des Ökosystems ist der Anspruch.?

Der FD/FW-Stadtrat und Projekt-Manager wird immer wieder gefragt, wer das Projekt koordiniere. „Niemand?, lautet seine Antwort. „Denn eine zentrale Schaltstelle wäre die falsche Projektstrategie. Jeder Akteur, ob Händler, Gewerbe oder Verwaltung, kann sich selbst überlegen, wie er einen Beitrag zur Öko-City leisten kann und will. Wichtig ist, dass jede Aktion auch demjenigen einen Vorteil bringt, der sie umsetzt. Etwa der Händler, der den ökologisch sinnvollsten Fernseher ins Sortiment aufnimmt, muss daraus einen unternehmerischen Nutzen ziehen.? Denn: „Wer selbst einen Nutzen hat, bleibt der Sache treu. Diese langfristige Treue wird ein wesentlicher Schlüssel zur Umsetzung der Öko-City sein.? Dabei gehe es nicht darum, das bestehende Angebot zu ersetzen, sondern darum, zusätzliche Angebote zu schaffen, „die für eine bestimmte Zielgruppe attraktiv sind?. Im Idealfall sei diese Zielgruppe bereit, für diesen Mehrwert einen höheren Preis zu zahlen. „Der ökologisch sinnvollste Fernseher darf nicht mit dem Preis der bekannten Media-Discounter konkurrieren. Das hilft dem Händler aus der Preisfalle heraus, was wiederum dazu führt, dass mehr Händler überleben. Mehr Händler sorgen für eine attraktivere Einkaufslandschaft, was wiederum mehr Menschen anzieht. Mehr Menschen sorgen für mehr Umsatz. So kann eine Leitidee eine positive Spirale in Gang setzen.?

Info: Wer mitmachen will, kann sich per E-Mail bei Holger Zimmermann melden: mitmachen@oekocity.eu

Interessierte können auch am Donnerstag, 29. Juli, um 19.30 Uhr zur nächsten Sitzung des Arbeitskreises „Öko-City? ins Kloster kommen, an der sich auch der HGV beteiligen wird. Weitere Überlegungen zur Öko-City Horb finden sich im Internet: http://blog.projektmensch.com

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Erstellt:
15. Juli 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Juli 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2010, 12:00 Uhr

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