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Ein Aufsteiger in der Favoritenrolle
Strahlender Sieger des ersten Wahlgangs: Emmanuel Macron. Foto: Getty Images
Frankreich

Ein Aufsteiger in der Favoritenrolle

Der parteilose Proeuropäer Emmanuel Macron könnte neuer Präsident werden. Aber wie und mit wem soll er sein Regierungsprogramm umsetzen?

25.04.2017
  • PETER HEUSCH

Paris. Im Stichwahlduell um die französische Präsidentschaft treffen am 7. Mai zwei Kontrahenten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Von allen ursprünglich angetretenen Bewerbern ist der parteilose Linksliberale Emmanuel Macron der überzeugteste Proeuropäer und die Rechtsextremistin Marine Le Pen die schärfste EU-Gegnerin. Aber Macron und Le Pen haben eines gemeinsam: Sie sind die Totengräber eines Parteiensystems, welches die V. französische Republik seit 1959 geprägt hat.

Zum ersten Mal hat weder ein Repräsentant der Sozialisten noch ein Vertreter der bürgerlichen Rechten den Einzug in die Stichwahl geschafft. Damit sind jene beiden Traditionsparteien aus dem Rennen, die seit beinahe 60 Jahren alle Staatsoberhäupter des Landes gestellt haben. Ein radikaler Bruch, der belegt, wie gestrichen die Franzosen die Nase voll haben von ihrer alten Politikerklasse, die seit einer gefühlten Ewigkeit nicht in der Lage ist, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme der in einer Dauerkrise dahindämmerden Grande Nation in den Griff zu bekommen.

Das klassische Konfrontationsschema Rechts gegen Links ist seit Sonntag Vergangenheit. Stattdessen geht es für die Wähler nun darum, zwischen dem von Le Pen propagierten Rückzug in ein nationales Wehrdorf oder Macrons progressive Öffnungspolitik zu entscheiden. Wobei es kaum Zweifel daran geben kann, wer das Rennen machen wird.

Macron weisen alle Umfragen die Rolle des haushohen Favoriten zu. Er schnitt in der ersten Wahlrunde mit einem Vorsprung von 800 000 Stimmen zwar nur knapp besser ab als die Rechtsextremistin. Doch noch am Sonntagabend formierte sich ein breiter Rückhalt für den linksliberalen Aufsteiger.

Als erster warf sich der am Sonntag auf dem dritten Platz gelandete Konservative François Fillon für Macron in die Bresche. Noch vor der Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses der ersten Wahlrunde rief er seine Anhänger dazu auf, am 7. Mai gegen Marine Le Pen zu stimmen, deren rechtsextremer Front National (FN) für „Gewalt und Intoleranz“ bekannt sei und Frankreich nur „Unglück und Spaltung“ bescheren könne.

Auch der weit abgeschlagene Sozialist Benoît Hamon rief wenig später dazu auf, das „Desaster“ Le Pen zu verhindern und für Macron zu stimmen, auch wenn „er nicht der Linken“ angehöre. Allein der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon, der den viertbesten Prozentsatz einfuhr, wollte keine Empfehlung abgeben, bevor er seine Wählerbasis konsultiert hat. Bei deren tiefer Abneigung gegen die populistische Konkurrenz vom rechten Rand steht freilich von vornherein fest, wie die Rücksprache ausfallen wird.

Die „republikanische Front“, die sich da gerade gegen Le Pen bildet, beraubt das Votum am 7. Mai jeder Spannung. Anders sieht es bei der Frage aus, wie es angesichts der völlig umgepflügten Parteienlandschaft danach weitergehen soll. Macron bleiben zwei Wochen, um die Franzosen davon zu überzeugen, in erster Linie für ihn und nicht allein gegen Le Pen zu stimmen. Denn nur wenn er es schafft, als bester statt als zweitschlechtester Kandidat in den Élysée-Palast gewählt zu werden, hat der 39-jährige Quereinsteiger in die Politik eine Chance, bei der im Juni anstehenden Wahl zur Nationalversammlung auch eine parlamentarische Regierungsmehrheit für seine Politik zu erobern.

In jedem Fall dürfte die Parlamentswahl zu einem heißen Ritt für einen Präsidenten Emmanuel Macron werden, dessen erst vor einem Jahr gegründete Graswurzel-Bewegung „En Marche!“ eben keine politische Partei im engeren Sinne ist. Genügend Mitglieder, um in allen 577 Wahlbezirken eigene Kandidaten aufzustellen, hat sie zwar allemal. Doch Macron hat versprochen, zur Hälfte „unverbrauchte Gesichter“, sprich politische Neulinge ins Rennen zu schicken. Die Aussichten, dass „En Marche!“ mit diesen Amateuren auf mehr als die Hälfte der Sitze in der neuen Nationalversammlung kommen kann, nehmen sich auf dem Papier ziemlich schlecht aus.

Auch aus diesem Grund hat Macron schon früh angekündigt, mit allen „Progressisten“ der konservativen und der sozialistischen Partei sowie mit den Zentristen zusammenarbeiten zu wollen. Dabei schwebt ihm eine Regierungskoalition vor, wie sie in Deutschland üblich ist. Bloß hat es in der V. Republik noch nie eine solche Koalition gegeben.

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25.04.2017, 06:00 Uhr

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