Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
„Gefällt mir“ – ohne Facebook

Ein Besuch beim Zeltlager-Klassiker in Schellbronn

Derzeit veranstaltet die Sportkreisjugend (SKJ) Tübingen wieder ihr Ferienlager in Schellbronn. 120 Kinder genießen ein vielfältiges Angebot zwischen Freiluft-Kino und Wandertag – und verzichten zwei Wochen lang auf Facebook oder Handy. Einigen fällt das gar nicht so leicht. Ein Besuch im Ferienlager.

01.08.2012
  • Ibrahim Naber

Schellbronn. Als das Ferienlager 1973 erstmals in Schellbronn stattfand, war Herbert Schubert ein Teil davon. Nun, 39 Jahre später, ist Schubert immer noch dabei. Kein einziges Mal hat er gefehlt. Er war dabei, als schwere Unwetter das Camp kurzzeitig fluteten oder es so stark hagelte, dass man das Eis am Boden auch für die Fruchtcocktails am Abend hätte nehmen können.

„Schubi“ nennen sie ihn alle kurz: „So haben mich die Camper vor Jahren getauft. Unter meinem richtigen Namen kennt mich fast keiner mehr“, berichtet der 79-Jährige Poltringer mit einem Lachen und erwähnt, dass auch sein Sohn und seine Enkeltochter mittlerweile ins Camp kommen, die ich im Laufe des Tages noch kennenlernen werde.

Mein Besuch im Ferienlager beginnt mit einem kleinen Rundgang über das Gelände. Lagerleiterin Iris Künstle, die zum 24. Mal dabei ist, zeigt mir den großen Zeltplatz, mit der großen Feuerstelle in der Mitte, wo die Kinder eine Nacht lang Feuerwache halten dürfen. Die kleine Garage, die zu einem Bad umfunktioniert wurde. Und auch den kleinen Kiosk, der einmal am Tag aufmacht.

Auch dieses Mal ist das Lager mit zwölf Zelten à zehn Kindern zwischen acht und fünfzehn Jahren voll belegt. Hinzu kommen die insgesamt rund 30 Betreuer: „In diesem Jahr war der Andrang so groß, das wir sogar drei Kindern absagen mussten, da alle Plätze belegt waren. Das war schade“, erzählt Künstle, für die besonders eine Sache den Reiz des Camps ausmacht: „Freundschaften, die hier entstanden sind, gibt es immer noch. Manchmal sieht man sich im Jahr nur das eine Mal im Lager, das ist dann aber toll.“

Was hat sich in all den Jahren denn besonders verändert im Camp? „Als ich im Lager war, gab es viel weniger Programmangebote. Viele Kinder können sich nicht mehr selbst beschäftigen, wollen rund um die Uhr unterhalten werden“, sagt Künstle.

Es steht ein ganz normaler Lagertag auf dem Tagesprogramm – mit Lagermeisterschaften im Boccia, Brennball und Fußball. In gemischten Teams treten die Camper gegeneinander an. Als ich eine Weile beim Brennball zusehe, wo trotz Mittagssonne Hochbetrieb herrscht, unterhalten sich einige Jungs neben mir über ein Playstation-Spiel.

Ob sie Handy, Playstation und Co. vermissen, frage ich. Die Antworten sind unterschiedlich. Tom, 10, sagt: „Ich finde das cool hier, weil wir so viele Sachen machen. Zuhause würde man eh nur vor dem Computer rumhängen.“ Nicht alle sehen das so. Yannis, 13, meint: „Man ist ohne Handy und Facebook so abgeschnitten. Ich weiß gar nicht, was draußen gerade abgeht“. Als ich darauf hinweise, dass ich vor neun Jahren ebenfalls in einem Ferienlager war und damals weder Facebook noch Smartphones existierten, ernte ich verdutzte Blicke.

Nächste Station Basteln. Als ich das kleine Zelt betrete, denke ich kurz, dass es wohl genau so bei den berühmten Hempels unterm Sofa aussehen muss. Aber schnell wird mir klar: Ich bin an einem Ort der unbegrenzten Kreativität gelandet. Alles, was im Bastelzelt hergestellt wird, haben Jürgen Schmidt und Marion Rebmann im Lauf des Jahres in ihrer Freizeit zu Hause selber ausprobiert.

Letztes Jahr haben die Kinder an eigenen Klappstühlen und Schuhen gewerkelt, dieses Jahr stellen sie Marmelade oder Kräutersalz her. Schmidt unterstreicht: „Was wir hier machen, soll immer sinnvoll sein. Stupides Steine-Anmalen gibt es bei uns nicht. Wenn die Kinder ihre eigenen Dinge basteln, sind sie am Ende stolz wie Oskar.“

Wie zum Beispiel Nathalie, meine kleine Tischnachbarin, die mir mit leuchtenden Augen ihr fertiges Windrad präsentiert. Wir kommen ins Gespräch. Nathalie erzählt, dass ihr Vater, ein Betreuer, sowie ihr Opa auch im Lager wären. Ob ihr Opa zufällig „Schubi“ heißt frage ich. Sie nickt und lächelt. Lager-Opa „Schubi“ und „Lager-Küken“ Nathalie – da schließt sich der Kreis.

Bis zum 11. August geht das Camp noch. Freiluftkino, Freibadbesuche und ein Wandertag warten unter anderem noch auf die Camper. Auch das Sportabzeichen können die Kinder machen. Genügend Gründe also, um Facebook und Playstation für 14 Tage sorglos hinter sich lassen zu können. Das weiß auch Herbert „Schubi“ Schubert: „Die Kinder heute sind genauso, wie es die Kinder vor 40 Jahren auch waren. Das Beisammensein mit den anderen ist das Schönste am Lager überhaupt.“

Ein Besuch beim Zeltlager-Klassiker in Schellbronn
Lager-Küken Nathalie Schubert: In Schellbronn war ihr Opa Herbert „Schubi“ Schubert aus Poltringen schon vor fast 40 Jahren dabei. Bild: Naber

Um 7.20 Uhr geht ein Tag im Ferienlager in Schellbronn gewöhnlich los. Noch vor dem Frühstück proben das ganze Lager auf dem Sportplatz gemeinsam einen Tanz ein, der am Besuchertag den Eltern präsentiert wird. Danach wird gemeinsam im Sportheim des 1. FC Schellbronn gefrühstückt, ehe der Tag mit Lagermeisterschaften in verschiedenen Sportarten und Bastelangeboten weitergeht. Einmal am Tag können die Kinder zudem einen Teil ihres Taschengeldes bei einer Art „Lager-Bank“ abheben, um sich am Kiosk Süßigkeiten und Getränke zu kaufen. Nach dem Abendessen um 18 Uhr singen Kinder und Betreuer manchmal noch gemeinsam am Lagerfeuer oder gehen auf Nachtwanderung. Um 22 Uhr ist dann auch für die ältesten Camper wohlverdiente Nachtruhe.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

01.08.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball