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Aufstand für die Waldweide

Ein Buch über die Beteiligung am Armen Konrad in Waldenbuch und Glashütte

Alles redet zur 500-Jahr-Feier über den Tübinger Vertrag. Dabei gab es auch einen Waldenbucher. Den würdigt nun ein Buch.

25.08.2014
  • Mario Beisswenger

Glashütte. „Wir gingen bislang total unter“, sagt Debora Fabriz. Der Stadtarchivarin von Waldenbuch gefiel das nicht, dass die Bürgerrechts-Bewegung des Armen Konrads von den Remstälern reklamiert wurde und die herrschaftliche Lösung des Konflikts zwischen Fürst und einfachem Volk von den Tübingern.

Seit Oktober letzten Jahres ist Fabriz erst im Amt. Mit einer Schar von Freiwilligen hat sie zunächst eine Ausstellung entwickelt zum Waldenbucher Beitrag im Aufstand und ein darauf abgestimmtes Programm. Nun kommt unter ihrer Herausgeberschaft, Redaktion und auch inhaltlicher Mitarbeit das zugehörige Buch. Am Sonntag wurde es in der Ausstellung im Alten Schulhaus von Glashütte vorgestellt. Titel: „Der Arme Konrad 1514 in Waldenbuch und Glashütte“.

Glashütte, ein Teilort der Stadt Waldenbuch, ist der rechte Platz für die Buchpräsentation. Dort gibt es – zwar erst seit knapp 20 Jahren – einen Gedenkplatz für den Armen Konrad. „Der Platz hat mir lange nichts gesagt“, gesteht Klaus Deininger, der das Buch gestaltet hat. Die fünf Steine dort erinnern recht bescheiden an die in Stuttgart hingerichteten fünf Teilnehmer am Aufstand des Armen Konrads: Hans Schmeck aus Waldenbuch und die vier aus Glashütte: Peter Koch, Peter Wolff, Bernhard Wolff und Caspar Schmid.

Fabriz will mit ihrem Buch den Remstälern die historische Bürgerbewegung nicht streitig machen. Sie kommt ja selbst aus Beutelsbach. Erklärungsbedürftig findet sie es aber schon, warum sich Schönbuch-Bewohner dem Aufstand angeschlossen hatten.

Sie erklärt es in ihrem Beitrag im Buch mit der Ressourcenpolitik Herzog Ulrichs. Mit der ersten württembergischen Landesordnung wollte das Herrscherhaus auch die schwindenden Holzreserven sichern. Die bisher übliche Nutzung des Waldes, das Sammeln von Feuerholz, das Eintreiben von Vieh zur Waldweide mussten nun die Forstmeister erst genehmigen. Selbst auf der Allmend-Fläche redete dieser Landesbeamte hinein. Einschränkungen waren so detailliert, dass zum Beispiel Holz von Mehl- und Vogelbeere nur noch den Küfern zufallen sollte.

Diese Einschränkungen waren im Schönbuch deutlicher zu spüren als andernorts. „Hier fehlten die guten Böden“, sagt Fabriz. Bemerkenswerterweise dämmerte das auch der Regierung in Stuttgart. Immerhin die Waldenbucher, aber wahrscheinlich nicht die Bewohner von Glashütte, bekamen im Nachgang zum Armen Konrad einige Rechte verbrieft: Das war der Waldenbucher Vertrag vom 9. September 1514.

Das alte Recht, auf das sich so viele Forderungen der Bauern stützten, wurde den Waldenbuchern wenigstens zum Teil verbrieft. Dazu gehört zum Beispiel die Waldweide: „Item des trib und trats halb ist Ihnen zugelassen mit allem Ihren Vych im Schönbuch.“ Das sich das jetzt lesen lässt, ist auch ein Verdienst von Fabriz, die den Text im Faksimile und mit Transkription ins Buch mit aufnahm. „Leider hat es nicht für eine Kommentierung gereicht“, entschuldigt sie sich. Ihr erklärender Text erschließt die alte Urkunde aber ganz gut.

Ein Buch über die Beteiligung am Armen Konrad in Waldenbuch und Glashütte
Obwohl sie selbst in Beutelsbach aufwuchs, findet Debora Fabriz, die Stadtarchivarin von Waldenbuch, dass die Remstäler den Aufstand des Armen Konrads nicht ganz für sich vereinnahmen können. Auch im Schönbuch gab es Widerstand von Bauern – und 1514 sogar einen Vertrag.Bild: Beisswenger

Die Ausstellung im Schulhaus Glashütte, Hauptstraße 18, geht bis 21. September. Sie ist sonntags von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen. Dort ist auch das 93-Seiten-Buch für 8,50 Euro zu kaufen. Am Samstag, 13. September, startet um 14 Uhr im Schloss Waldenbuch (Jagdzimmer), Kirchgasse 3, eine Radexkursion zum Thema „Der Wald und die Schönbuchgerechtigkeiten“. Die Tour dauert vier Stunden und kostet samt Flammkuchen und Getränk zehn Euro.

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25.08.2014, 12:00 Uhr

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