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Mössingen spielt seine Geschichte

„Ein Dorf im Widerstand“: Lindenhof inszeniert Theaterstück zum Generalstreik

Es wird das größte Theaterstück, das Mössingen je gesehen hat: In der Bogenhalle der Pausa werden rund 60 Musiker und über 100 Schauspieler den Generalstreik auf die Bühne bringen. Am Dienstagabend wurde das Projekt des Lindenhof-Theaters erstmals vorgestellt.

08.11.2012
  • susanne wiedmann

Mössingen. Welches Theater könnte sich solche Szenen ausdenken? Wo sollte so viel Platz sein wie in der Mössinger Bogenhalle? 80 Meter lang ist sie. Und die Lindenhöfler werden den historischen Ort zum wiederholten Mal theatralisch erschließen. Wie vor zwei Jahren bei den „Schutzsuchenden“ wird es ein Bürgerprojekt sein. „Aber noch größer“, kündigte Lindenhof-Intendant Bernhard Hurm an. Mit bewegten Massen, die sich auflehnen, ihre Stimme erheben gegen Faschismus, gegen Rassenhass, gegen Krieg.

„Das Theater muss sich solche Stoffe nehmen, darf sich ihnen aber nicht unterwerfen“, erklärte Regisseur Philipp Becker am Dienstagabend in der Kulturscheune. Es gehe nicht um die historische Aufarbeitung des Generalstreiks. Stattdessen nimmt die Aufführung ihn zum Ausgangspunkt, um – auch aus heutiger Sicht – die Mechanismen von Widerstand und Protest zu thematisieren. Das Recht auf zivilen Ungehorsam und die Pflicht dazu. „Was geschieht, wenn die eigenen Vorstellungen von Ethik mit den bestehenden Machtverhältnissen kollidieren? Wenn politische Diskussionen entbrennen in Familien und zwischen Freunden? Wenn sie sich als Protest im öffentlichen Raum manifestieren? Wie funktioniert dann das Zusammenspiel des Einzelnen und der Masse?“ Fragen, mit denen sich das Bühnenstück „Ein Dorf im Widerstand“ auseinandersetzen wird.

Noch ist es nicht fertig. Derzeit weilt der Autor und Dramaturg Franz Xaver Ott in Belgien, um daran zu arbeiten. Er habe gründlich recherchiert, neue Quellen erschlossen, Interviews geführt, berichtete Becker. Zu Weihnachten wird die Spielvorlage abgeschlossen sein.

Johannes Hofmann komponiert zugleich die Musik für das große Orchester – bestehend aus Jugendsymphonieorchester der Jugendmusikschule Steinlach, Symphonischem Blasorchester und Kammerorchester unter der Leitung von Dietrich Schöller-Manno. Auf einer beweglichen Bühne wird das Orchester – als eine Metapher für die organisierte Masse – durch die Bogenhalle fahren und „knackige, symphonische, expressive Musik spielen“, erklärte Becker. Und fügte an: „Richtung Schostakowitsch“. Momentan arbeitet der Komponist Johannes Hofmann am Thalia Theater Hamburg, anschließend am Burgtheater Wien. Und zwischendurch in Mössingen.

In vier großen choreografischen Szenen soll das Phänomen der bewegten Masse erzählt werden. Deshalb wird die Choreografin Christine Chu mit dem nahezu kompletten Lindenhof-Ensemble, Gastschauspielern und einer riesigen Schar spielfreudiger Amateure arbeiten. „Es muss aber keiner auf Spitze tanzen“, betonte Becker. Dennoch wird von den Laienschauspielern mehr Körpereinsatz gefordert als bei den Schutzsuchenden. Für die Kinder und Jugendlichen von den Zirkussen Nehrondo und Zambaioni wird dies kein Problem sein. Die Lindenhöfler möchten sie in die Inszenierung einbinden. Genauso wie die Sportvereinigung Mössingen. Zudem werden wieder Schülerinnen und Schüler des Firstwald- und des Quenstedt-Gymnasiums mit auf der Bühne stehen. Mit ihnen hat der Regisseur bereits gearbeitet. „Es herrscht große Lust. Die Schutzsuchenden haben die Dämme eingerissen.“

Es wird keine klare Trennlinie geben zwischen Profis und Nichtprofis, kündigte Becker an. Und Intendant Hurm sagte: „Wir möchten, dass halb Mössingen auf der Bühne steht und halb Mössingen zuguckt.“ Es solle nicht nur eine professionelle Produktion werden, sondern ein einzigartiges Theatervorhaben. Noch dazu am historischen Ort – in der Pausa, wo die Gebrüder Löwenstein am 31. Januar 1933 ihren Mitarbeitern freigaben, um gegen den Nationalsozialismus zu demonstrieren. Nie und nirgendwo mehr wird dieses Stück je wieder aufgenommen. Die Mössinger spielen in Mössingen die Mössinger Geschichte.

„Ein Dorf im Widerstand“: Lindenhof inszeniert Theaterstück zum Generalstreik
Ein riesiger Erfolg: „Die Schutzsuchenden“ in der Bogenhalle der Pausa. Noch größer und aufwendiger soll die neue Inszenierung werden.Archivbild: Lindenhof

Nach den „tollen Erfahrungen“ mit den Schutzsuchenden und dem Kulturherbst möchte das Theater Lindenhof in Kooperation mit der Stadt den Generalstreik auf die Bühne bringen. Dazu werden spielfreudige Amateure gesucht, die tanzen, singen, musizieren oder turnen können. Aber alles sei keine Voraussetzung, um mitzuspielen. „Zeigen Sie, was Sie können!“, sagte Becker am Dienstag in der Kulturscheune vor rund 50 Besuchern. Im Januar ist der Probenstart. Am 11. Mai 2013 ist Premiere. 24 bis 26 Aufführungen sind geplant. „Das ist sehr viel und eine Herausforderung für das Theater.“ Interessierte wenden sich an das Melchinger Theater Lindenhof unter kultursommer-2013@theater-
lindenhof.de.

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08.11.2012, 12:00 Uhr

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