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Ein Fall für Spekulanten
Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, bei der Bilanz-Pressekonferenz im Januar. Ob ihm damals schon schwante, wie tief das Institut sinken wird? Foto: dpa
Deutsche Bank im Visier von Hedgefonds? – Keiner erwartet, dass sie kippt

Ein Fall für Spekulanten

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. US-Hedgefonds ziehen angeblich Geld ab. Konzernchef John Cryan sagt: Wir haben ein starkes Fundament.

01.10.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Wieder kommen die schlechten Nachrichten aus den USA. Hedgefonds haben dort angeblich Anlagegeld von der Deutschen Bank abgezogen – mit dramatischen Folgen für den Aktienkurs, der erstmals unter 10 EUR gefallen ist. Vorstandschef John Cryan sieht sich zu einem Brandbrief an die mehr als 100.000 Beschäftigten gezwungen. Tenor: Die Bank sei stabil, die Außenwahrnehmung sei verzerrt. Fragen und Antworten zur Lage der mit Abstand größten deutschen Bank:

Was bedeutet der angebliche Rückzug von einigen Hedgefonds? Sollten die Gerüchte stimmen, wäre es ein weiterer Schlag für das Vertrauen in Bank. Allerdings ist nicht klar, wie viele Fonds und welche Summen sie von der Deutschen Bank abgezogen haben. Es geht angeblich um die Abwicklung von Geschäften mit komplexen Finanzprodukten. Der Rückzug könnte weitere der 20 Mio. Kunden verleiten, aus Furcht vor einem Kippen der Bank ihre Geschäfte auf andere Institute zu verlagern.

Wie ist die Reaktion an der Börse? Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist gestern zunächst um fast 9 Prozent gefallen. Erstmals in ihrer Geschichte kostete die Aktie weniger als zehn Euro. Das Tief lag bei 9,89 Euro. Allerdings erholte sich das Papier danach wieder. Dies zeigt nach Ansicht von Börsianer, dass Spekulanten die Deutsche Bank attackieren. Der Kursverfall bleibt aber dramatisch. Gemessen am Börsenwert rangiert die Deutsche Bank nicht einmal mehr unter den 100 größten Institute. Die Nummer eins, JP Morgan Chase, bringt es auf 215 Mrd. EUR , die Deutsche Bank auf gerade mal 15 Mrd. EUR .

Wie schlimm steht es tatsächlich um die Bank? Fakt ist, dass der Deutschen Bank weitere hohe Strafen drohen. In den USA hat das Justizministerium gestern Abend die geforderte Strafzahlung von umgerechnet mehr als 12 Mrd. EUR für windige Hypothekengeschäfte auf 4,8 Mrd. EUR herabgesetzt. Die Bank hat 5,5 Mrd. EUR für weitere Strafen zurückgestellt. Ungeklärt sind die Folgen des Geldwäsche-Skandals mit Kunden der Bank in Russland. Dazu gesellen sich Vorwürfe im Blick auf Manipulationen am Devisenmarkt. Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von fast sieben fast 7 Mrd. EUR verbucht. Möglicherweise droht das Kapital knapp zu werden. Aber eine weitere Kapitalerhöhung wäre bei einem niedrigen Aktienkurses extrem schwierig.

Was sagen Konkurrenten? Credit Suisse und Goldman Sachs halten die Spekulationen und die Attacken auf die Bank für übertrieben. In gestern veröffentlichten Studien heißt es, die Bank verfüge über ausreichend und stabile Liquidität. Goldman Sachs beziffert sie auf 223 Mrd. EUR und nennt ein Kursziel von 14,20 EUR für die Aktie. Auch Credit Suisse rechnet wieder mit einem Aktienpreis von 13 EUR .

Was sagt das Institut, was sagt Vorstandschef John Cryan? Die Sorgen sind zweifellos groß. Darauf deutet hin, dass sich Cryan gestern zu einer Nachricht an die Mitarbeiter veranlasst sah. Tenor: Die Spekulationen über die Hedgefonds sorgten zu Unrecht für weitere Unruhe. Die Außenwahrnehmung der Bank sei verzerrt. „Vertrauen steht im Bankgeschäft am Anfang von allem. Am Markt sind gerade einige Kräfte unterwegs, die dieses Vertrauen in uns schwächen wollen.“

Hat die Deutsche Bank noch Reserven? Man verfüge über ein starkes Fundament. Alle Eigenkapitalforderungen würden erfüllt, sagt Cryan. Im eigentlichen Bankgeschäft sei man stark. Dies zeige der Vorsteuergewinn von rund 1 Mrd. EUR im ersten Halbjahr. Die flüssigen Reserven beziffert Cryan auf mehr als 215 Mrd. EUR . „Damit haben wir einen überaus komfortablen Puffer“.

Wie geht es weiter? Kein Experte erwartet wirklich, dass die Deutsche Bank kippt und eine Pleite droht. Nach Ansicht vom Sabine Lautenschläger, Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB), sind die europäischen Banken im Durchschnitt stabil. Das hat auch der jüngste Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA gezeigt.

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01.10.2016, 06:00 Uhr

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