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Im Turm, bei karger Kost

Ein Felldorfer und ein Lützenhardter waren die ersten Schurkenturm-Insassen

Anno 1822 wurden in den Schurkenturm vier Kriminalgefängnisse , unterm Dach, eine Gefängniswärterwohnung eingebaut. Am 8. Juli 1836 wurde das erste Mal darin eingesperrt: einer von Felldorf und einer von Lützenhardt. Nach einer Urkunde aus dem Landesarchiv in Innsbruck, Titel "Im Schurkenturm bei karger Kost“ hat die Stadt Horb im Jahre 1514 eine Rechtsordnung erlassen, Zitat: "Wenn einer oder mehrere fremde inländische Personen, die nicht Bürger oder angesessene Einwohner zu Horb sind, einen Frevel begehen, soll der oder dieselben Täter, dem Amtmann von Stundan genugsam Bürgschaft und Vertröstung tun.

31.08.1999

In den zehn Einzelartikeln der Urkunde geht es unter anderem um Geldstrafen bei Frevel, um nicht eingehaltene Gelübde, um Vortäuschung falscher Straftaten, um die Vereinheitlichung von Maßen und Gewichten, um den Schutz des wenig angesehenen Leichenbestatters und um die Gebührenpflichtigkeit einer Mühle für das Tuchmachergewerbe.

Dass in Horb damals bei einem Rechtsbruch mit schweren Strafen zu rechnen war, wird rasch deutlich. Wenn der Täter nämlich nicht Bürgschaft geben wollte, dann wurde er vom Amtmann in den Turm gesperrt und solange bei Wasser und Brot gehalten, bis er dem Geschädigten den Schaden ersetzt hatte.

Die Sammlung der Urfehden im Stuttgarter Staatsarchiv erzählt von menschlich Lastern und Verbrechen. So musste ein Erhard Schwarzkopf 1487 nach Verbüßung seiner Strafzeit im Horber Turm, in dem er wegen verschie-dener Vergehen im Horber Frauenhaus gekommen war, schwören, sich für die erlittene Strafe nicht rächen zu wollen.

Horb besaß also wie Rottenburg und viele andere Städtchen des Mittelalters ein Frauenhaus. Bei einer Schilderung des kulturellen Lebens ließe sich aus diesen Urfehden noch manche wichtige Nachricht entnehmen.

Als der Hespeler Paul im Jahr 1887 zu fünf Monaten Kerker verurteilt wurde, weil er dem Kalmbacher Josef ein Kälble geklaut und auch gleich geschlachtet hatte, soll er den Ausspruch getan haben: "Aber en den Schurketurm brenget mi koine drei Gäul nei!“ Der Hespeler Paul saß seine fünf Monate ab, und er führte sich in dem tristen Gefängnis so gut, dass er im letzten Monat dem Gefängnisaufseher das Brennholz für die eisernen Öfen die Treppen hinauftragen durfte. Danach hat sich der Hespeler Paul, wie der Chronist festgehalten hat, nichts mehr zu Schulden kommen lassen, weil er meinte, "do droba ischt de reinscht Höll“. Nie soll es einem Gefangenen gelungen sein, aus diesem Kerker zu entweichen. Kein Wunder bei solch 2,60 Meter dicken Wänden. An den Ecken besitzt der Schurkenturm mächtige Buckelquader. Heute ist der Fachwerkstock, auf dem früher der Wächter Posten bezog, nicht mehr vorhanden. Leider wurde die Bugruine selbst, ein Langhaus mit zwei Ecktürmen, 1836 auf Anordnung des Oberamtmanns Dilenius, gestorben am 15. Oktober 1840, geschleift. Ihm "verdankt“ man auch den Abbruch von fünf Stadttoren.

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31.08.1999, 12:00 Uhr

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