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Der Brand ging an die Seele

Ein Feuer zerstörte das Gartenglück am Weilersbach

„Des Feuer isch nauf wie a Raket“, beschreibt Helmut Frank das Ende der gut 30 Meter hohen und an die 50 Jahre alten Tanne, die bis vor kurzem auf seinem Gartengrundstück am Hagellocher Weg stand. Der Brand zerstörte auch die Geschirrhütte und die Pergola.

29.08.2012
  • sabine lohr

Tübingen. Es war schönes Wetter am 17. August. Den ganzen Freitagnachmittag verbrachten Helmut und Erika Frank in ihrem Garten. So wie fast jeden Tag im Sommer. Sie schafften ein wenig, schauten nach den Rosen und nach dem Gemüse. Sie grillten und saßen beieinander. Gegen 17.30 Uhr gingen sie nach Hause.

Der Gartennachbar der Franks war an diesem Nachmittag und Abend auch auf seinem Grundstück. Bis etwa 21 Uhr blieb er. Keine Stunde später sahen Gäste, die ein Weinfest in der Nähe besuchten, wie eine hohe Tanne lichterloh brannte. Die Bewohner der nahen Häuser entdeckten das Feuer in dem Garten der Franks ebenfalls – und irgendjemand rief die Feuerwehr. Helmut und Erika Frank derweil bekamen nicht mit, wie ihr kleines Paradies zerstört wurde.

Als sie am Samstag kamen, war von der Geschirrhütte nur noch ein verkohltes Gerippe übrig, die Pergola war im Feuer zusammengebrochen. Die Tanne war rabenschwarz. „Und es hat fürchterlich gestunken“, sagt Erika Frank.

Sicher ist: Das Feuer brach nicht von alleine aus, durch einen Spiegel etwa oder durch ein Stückchen glühende Kohle vom Grillfeuer. Eine Anwohnerin sagte bei der Polizei aus, sie habe kurz vor dem Eintreffen der Feuerwehr vier Leute vom Grundstück weglaufen sehen. Sie seien in einem silbernen Mittelklassewagen davongefahren.

Indizien fand auch Helmut Frank. Den Spaten, den er immer an die alte Tanne lehnte, fand er am Tag nach dem Brand auf dem Nachbargrundstück – direkt bei einer Kasse, in der Geld vom Kürbisverkauf war. „Die haben vielleicht versucht, die Kasse mit dem Spaten zu knacken“, mutmaßt er. Und Erika Frank wunderte sich über eine Tomate mitten auf dem Weg – fernab vom Tomatenstrauch. „Wie kommt die denn dahin?“

Für den 74-jährigen Helmut Frank glich der Brand zunächst einer Katastrophe. Er hatte durch das Grundstück, das sein Sohn für ihn seit zweieinhalb Jahren pachtet, ein Stück verloren gegangener Lebensfreude wiedergefunden. „Es war das Oma-Opa-Enkel-Paradies“, sagt er. Wann immer es ging, waren er und seine eine Jahr jüngere Frau zusammen mit den beiden Enkelkindern Clara und Nico dort draußen. Die Kinder spielten gern am Weilersbach, der am Rand des Grundstücks plätschert.

Ihre Spielsachen und Gummistiefel, das gespaltene Grillholz und die Gartenschuhe, das Werkzeug und auch die teure Schnittschutzausrüstung des Sohns – alles ist verbrannt. „Ich mach nichts mehr“, wollte Helmut Frank am Tag nach dem Feuer resigniert aufgeben. Die Familie sprach ihm Mut zu, „wir kriegen das wieder hin“.

Aufräumen durften sie dann aber das ganze Wochenende nicht: Die Polizei hatte ihren Besuch für Montag angekündigt. Bis dahin sollte alles so bleiben, wie es war. Der Brandschutz-Sachverständige stellte dann zwar fest, an welcher Ecke der Hütte das Feuer ausgebrochen war, weitere Hinweise auf den oder die Täter waren aber nicht zu finden.

Inzwischen haben Helmut und Erika Frank die kaputte Hütte vollends abgerissen, alles gefegt und gereinigt, die verkohlten Reste beseitigt und einen Profi zum Fällen der Tanne engagiert. „Das allein kostet mich schon 800 bis 1000 Euro“, sagt Helmut Frank. Dazu kommen dann noch die Ausgaben für eine neue Hütte und für eine neue Pergola. Frank ist inzwischen guter Dinge, dass alles wieder schön wird in seinem Garten. Er hat sich sogar schon neue Gartenschuhe gekauft.

Die Sonne spendet den beiden Trost

Sogar ein wenig Positives kann das Rentnerpaar dem jetzigen Zustand abgewinnen: „Wir haben viel mehr Sonne als vorher“, sagt Erika Frank. Die Tanne hatte einen guten Teil des Gartens beschattet, jetzt funkelt auch das Bächlein wieder im Licht. Und es hätte ja noch viel mehr abbrennen können, sagt das Gärtner-Paar. „Die Feuerwehr hat zuerst alles um das Feuer herum nass gespritzt, so hat sie viel gerettet.“

Was übrig blieb von der alten Hütte, hängt jetzt an einem Nagel an einer Bretterwand: Ein Flaschenöffner, der in der Hütte lag, und eine rostige „50“ aus Eisen. Vor dem Brand glänzte sie golden und zierte die Hüttentür. „Die hat uns unser Sohn letztes Jahr zur Goldenen Hochzeit geschenkt“, sagt Helmut Frank. Das Symbol soll auch die neue Hütte zieren und ist nun mehr als ein Zeichen inniger Verbundenheit: Sie ist zugleich Erinnerung ans alte Paradies.

Ein Feuer zerstörte das Gartenglück am Weilersbach
Die Platten, die bis vor kurzem den Boden einer Pergola im Garten von Helmut Frank bildeten, sind unversehrt. Doch die Pergola und die Hütte, die links daneben stand, sind abgebrannt. Von der Tanne blieb nur die Baumscheibe links hinten übrig. Und der Spaten, den Frank an den Baum gelehnt hatte und dann auf dem Nachbargrundstück wiederfand.Bild: Metz

Ein Feuer zerstörte das Gartenglück am Weilersbach
Die 50 glänzte einst golden – ein Glückwunsch zum Ehejubiläum. Er zierte die Hüttentür. Bild: Metz

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29.08.2012, 12:00 Uhr

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