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Reif für ein Industriemuseum

Ein Förderverein trägt Reutlinger Maschinen zusammen

Wenn es nach Hans Hubert Krämer geht, dann hat Reutlingen in zwei Jahren ein Industriemuseum. „Man muss nur wollen!“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins Industriemuseum Reutlingen – wohlwissend, dass der Verein seit fast 20 Jahren auf dieses Ziel hinarbeitet.

04.08.2012
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Im provisorischen Industriemagazin in einem Gebäude der früheren Fabrik Wandel in der Reutlinger Eberhardstraße werkeln betagte Arbeiter in blauer Arbeitskluft, es klopft und hämmert, Maschinen rattern. Die Männer haben früher selbst in Industriebetrieben gearbeitet, heute kümmern sie sich ehrenamtlich um den Bestand des Industrie-Magazins.

23 Mitarbeiter engagieren sich in den drei Arbeitskreisen, die vor fünf Jahren entstanden sind. Strickmaschinen, Metaller und Maschinenbau sowie Weber – das sind die drei Bereiche, mit denen die Industriegeschichte Reutlingens dokumentiert wird. „In den Arbeitskreisen sind frühere Fabrikarbeiter versammelt, die ihr Wissen einbringen“, sagt Krämer. So sei fast jede Strickmaschine der Firma Stoll heute noch betriebsbereit.

„Wir haben außergewöhnliche Exponate, um die uns manche Leiter großer Museen beneiden“, sagt Anke Bächtiger, die 2007 als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Heimatmuseums die Projektstelle für das Industriemuseum übernommen hat. Damals waren die Maschinen in der schwer beheizbaren, teilweise undichten Halle mehr schlecht als recht verwahrt worden.

Die Einstellung von Bächtiger, die eine 50 Prozentstelle für die Realisierung des Industriemuseum bekommen hatte, beendete den Dämmerzustand. 2008 genehmigte der Gemeinderat ein Konzept, das die Eröffnung des Museums bis zum Jahr 2011 möglich machen sollte.

Doch dann kamen die Pläne des Hamburger Investors ECE dazwischen, der auf dem Reutlinger Postareal ein Einkaufscenter bauen wollte. Wäre das verwirklicht worden, hätte auch das Industrie-Magazin abgebrochen werden müssen. „Das hat uns ein paar Jahre gekostet“, sagt Bächtiger. Im vergangenen Sommer dann ein neuer Vorstoß: Mit 50 000 Euro von der Stadt für die Gebäude-Erhaltung wurden das Dach abgedichtet und ein Stromanschluss gelegt. Für das laufende Jahr wurden zudem 200 000 Euro für Planungskosten in den Haushalt eingestellt.

Bis das Museum dereinst mal öffnet, behelfen sich der 1993 gegründete Förderverein und Anke Bächtiger mit Zwischenlösungen: Zum Tag der Offenen Tür Anfang Juli kamen über 300 Besucher, etwa 800 Interessierte haben sich angemeldet für die Führungen, die nach Anfrage angeboten werden. Schulklassen ab der 8. Klasse dürfen in Kleingruppen umsonst das Industrie-Magazin besichtigen.

Dem Verein schwebt ein Museum vor mit zwei Schauhallen und einer Eingangshalle sowie einem Medienzentrum, die im heutigen Depot des Industriemagazins entstehen sollen. „Die Verwaltung stellt sich allerdings etwas zögerlich an, was den Auftrag zur Planung betrifft“, kritisiert der Fördervereinsvorsitzende Krämer. Er geht davon aus, dass die Sanierung des Magazins zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro kostet.

„Wir hoffen, dass sich schnell etwas bewegt“, sagt er. Mit ihm wünschen sich das rund 70 Einzelpersonen sowie die Vertreter der etwa 15 Firmen, die im Förderverein zusammengeschlossen sind. Krämer kann sich gut vorstellen, dass das Reutlinger Industrie-Museum bis 2014 fertiggestellt werden kann. „Man muss nur wollen“, sagt der Fördervereinsvorsitzende.

Ein Förderverein trägt Reutlinger Maschinen zusammen
Einer der Stars im Reutlinger Industriemagazin: ein Metalltuchwebstuhl für die Papierproduktion der 1849 gegründeten Firma Wangner. Links Anke Bächtiger, daneben Holger Simon und Hans Hubert Krämer (rechts) vom Förderverein für ein Reutlinger Industriemuseum.Archivbild: Haas

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04.08.2012, 12:00 Uhr

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