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Ein Förster an der Spitze
„Der Förster vom Silberwald“: Rudolf Lenz und Anita Gutwell verzauberten einst 28 Millionen Kinozuschauer. Foto: Studiocanal
Kino-Statistik

Ein Förster an der Spitze

„Titanic“, „Avatar“ und „Star Wars“ haben Rekorde gebrochen. Doch tatsächlich sind die erfolgreichsten Filme in Deutschland ganz andere.

16.01.2017
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Ulm. Rund vier Millionen Menschen haben bislang in Deutschland den neuen Star-Wars-Film „Rogue One“ gesehen. Das reicht für den Spitzenplatz der 2016er-Kinocharts. Das sind zwar sehr viele Menschen, aber für einen Kinocharts-Anführer nicht wirklich. Um genau zu sein: Mit vier Millionen Besuchern hatte es in Deutschland noch kein Film geschafft, Jahresbester zu werden.

Vor einem Jahr war „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ mit stattlichen neun Millionen Zuschauern Jahresprimus, im Jahr davor war es „Honig im Kopf“ mit 7,2 Millionen. Das klingt schon besser. Der letzte Film, der in Deutschland mehr als zehn Millionen in die Lichtspielhäuser lockte, war „Avatar“. Sieben Jahre ist das schon her.

„Titanic“ (1999), „Avatar“ (2009) und „Star Wars – das Erwachen der Macht“ (2015), das sind Filme, die Kino-Rekorde aufgestellt haben. „Avatar“ gilt mit einem Einspielergebnis von 2,78 Milliarden Dollar als weltweit erfolgreichster Film aller Zeiten an der Kinokasse. „Titanic“ folgt mit 2,19 Milliarden, „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ mit 2,07 Milliarden.

Berechnet man eine inflationsbereinigte Liste, sieht die Sache natürlich gänzlich anders aus. Ein seriöses weltweites Ranking dieser Art gibt es nicht, aber für die USA kalkuliert, lauten die Top drei dann „Vom Winde verweht“ (1939), „Geburt einer Nation“ (1915) und der erste „Star Wars“ (1977). „Titanic“ liegt da immerhin auf Rang sechs, „Avatar“ nurmehr auf Platz 15.

In Deutschland werden Kino-Charts nicht mit Einspielergebnissen, sondern mit Besucherzahlen geführt. Hier liegt „Titanic“ mit 18,8 Millionen Zuschauern auf Rang zwei, „Avatar“ mit 11,3 Millionen auf Rang zehn, und „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ mit neun Millionen Zuschauern auf Position 21. „Rogue One“ schafft es hier nicht mal unter die Top 100.

Unangefochtener Spitzenreiter dieser Statistik ist – nicht zuletzt dank seiner vielen Wiederaufführungen in den 70ern und 80er Jahren – Disneys Zeichentrickklassiker „Das Dschungelbuch“: Rund 27,4 Millionen Kinobesucher wurden seit 1968 gezählt. Dann folgen „Titanic“, „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1969) mit 13 Millionen, „Doktor Schiwago“ mit 12,75 Millionen und „Harry Potter und der Stein der Weisen“ (2001) mit 12,6 Millionen Besuchern.

Die laut dieser Statistik offiziell erfolgreichste deutsche Produktion ist mit 11,7 Millionen Zuschauern Bully Herbigs „Der Schuh des Manitou“ (2001) auf Platz neun. Das ist aber nicht korrekt. Denn „Otto – Der Film“ (1985) wird in den Listen der deutschen Filmförderanstalt zwar nur mit 8,8 Millionen Besuchern geführt, doch lief der Film auch in der DDR, wo er 5,7 Millionen zum Lachen brachte. Summa summarum macht das 14,5 Millionen und Platz eins.

Nur grobe Schätzungen

Nur: Auch das stimmt nicht. Denn erst seit 1985 werden die Besucherzahlen exakt erfasst, von Mitte der 60er bis Mitte der 80er Jahre basieren sie immerhin auf relativ zuverlässigen Schätzungen. Für die Zeit davor aber existieren lediglich Annäherungswerte. Fest steht, dass gerade in den Nachkriegsjahren, als es noch kein Fernsehen gab, als Heimat- und Musikfilme Ablenkung versprachen, Aber- und Abermillionen in die Kinos gegangen sind – die wahren Rekordlisten also anders aussehen müssten.

Wie gesagt, es gibt nur grobe Schätzungen. Aber demnach kommen der österreichische Film „Der Förster vom Silberwald“ (1954) auf 28 Millionen und „Sissi“ (1955) auf 25 Millionen Besucher; auch die „Sissi“-Fortsetzungen dürften in den Folgejahren jeweils mehr als 20 Millionen Menschen angelockt haben. Weitere Megahits aus dieser Zeit: „Grün ist die Heide“ (1951) mit 19 Millionen, „Winnetou I“ (1963) mit 18 Millionen (inklusive Wiederaufführungen), „Die Trapp Familie“ (1956) mit 18 Millionen (es gibt auch höhere Schätzungen), „Der Schatz im Silbersee“ (1962) mit 17 Millionen und „Das Schwarzwaldmädel“ (1950) mit 16 Millionen. Nochmal zur DDR: Dort fand „Die Geschichte vom kleinen Muck“ (1953) unfassbare 13 Millionen Zuschauer.

Und hier noch die amerikanischen Hits aus der Nachkriegszeit, wiederum liegen nur Schätzungen vor: „Die Brücke am Kwai“ (1957) fand in Deutschland 14,5 Millionen, „Ben Hur“ (1959) 13,5 Millionen und „Vom Winde verweht“ 13,3 Millionen Besucher – dieses Epos stammt zwar aus dem Jahr 1939, lief in Deutschland aber erst 1953 an. Hitler und Goebbels sollen „Vom Winde verweht“ zwar seinerzeit begeistert gesehen haben, sich aber gegen Vorführungen in Deutschland entschieden haben: Die Überlegenheit Hollywoods gegenüber der deutschen Filmindustrie wäre zu offensichtlich gewesen.

Übrigens würden die Charts noch einmal ganz anders ausschauen, wenn man Zahlen aus der Stummfilmzeit, aus der Weimarer Republik, aber auch der Nazi-Zeit hätte. Doch wer mag schon eine Liste, die von Veit Harlans „Die goldene Stadt“ (1942) angeführt wird? Das Blut-und-Boden-Melodram soll von 31 Millionen Menschen gesehen worden sein. Dann doch viel, viel lieber „Das Dschungelbuch“.

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16.01.2017, 06:00 Uhr

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