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1954 nahm der ADAC die „Straßenwacht“ mit Motorrädern und Beiwagen wieder auf

Ein „Gelber Engel“ in Lustnaus Straßen

Tübingen. Keineswegs manipuliert ist dieser „Gelbe Engel“. TAGBLATT-Leser Eberhard Enders hat tief in seine Fotokiste gegriffen und dieses Bild eines der ersten „Gelben Engel“ herausgesucht. 1955 hat er ihn als Neunjähriger mit seiner „Box“ an der Lustnauer „Adlerkreuzung“ (Wilhelmstraße / Bebenhäuser Straße) fotografiert, ein Jahr nachdem die „Straßenwacht“ bundesweit den Dienst am Kraftfahrer samt Motorrad (hier eine BMW) und Beiwagen wieder aufgenommen hatte.

27.02.2014

Von Manfred Hantke

Bis 1963 fuhren die „Engel“ auf 295 BMW, 15 Zündapp und zehn NSU Konsul. Damals war der ADAC nur ein Verein, das Wirtschaftsunternehmen lag noch in weiter Ferne. 1947 in Württemberg-Hohenzollern wiedergegründet, machte der Klub in den folgenden Jahren als Veranstalter von Autorennen in Reutlingen, Tübingen und Dußlingen auf sich aufmerksam, bot auch Ausflüge für Kriegsbeschädigte an.

Die erste württembergische Geschäftsstelle außerhalb Stuttgarts eröffnete er 1959 in der Kirchgasse, zog ein Jahr später in die Wilhelmstraße. Mit „Beleuchtungswochen“, Stoßdämpfertests, Pannenkurse für Frauen, Benzingutscheinen für Italien und Geschicklichkeitsfahren auf sämtlichen Zweirädern sprach der ADAC Fahrer aller Altersgruppen an, mauserte sich zur „Kraftfahrergewerkschaft“, zum härtesten Lobbyisten der motorisierten Gesellschaft.

„Freie Fahrt für freie Bürger“, so das Motto in den 1970er Jahren, bis es einigen dann zu bunt wurde: Auch aus Tübingen und Umgebung kam Protest, allein 300 Kreis-Tübinger forderten 1973 den Rücktritt des bundesweiten „Rennwagenvorstands“, der sich gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h auf Autobahnen aussprach.

In der Tübinger Verkehrspolitik mischte der ADAC unter dem Vereinsvorsitz (1959 – 1985) von Horst Guckes ebenfalls kräftig mit: Den Schlossbergtunnelbau schlug der ADAC vor, er gab ein Gutachten für einen vierspurigen Ausbau der Mühlstraße in Auftrag und drängte auf Straßenausbau und Ampelphasenverkürzung. Als der Benzinpreis 1973 um 5 Pfennige (etwa 2,5 Cent) erhöht wurde, drohte Guckes, den Verkehr lahm zu legen. 2001 wurde die Tübinger ADAC-Geschäftsstelle geschlossen.

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Erstellt:
27. Februar 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Februar 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2014, 12:00 Uhr

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