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Schreibend sehen

Ein Geschichtenbuch von Angelika Overath

Wie aus Momenten Geschichten werden, aufblitzende Erinnerungsbruchstücke zu geteilter Erfahrung: Davon erzählt Angelika Overath in ihrem neuen Buch, aus dem sie heute bei Gastl liest.

14.06.2012

Tübingen. Angelika Overath hatte lange das Attribut „Tübinger Autorin“; hier hat sie studiert und lange mit ihrer Familie gelebt. Vor ein paar Jahren zog sie in ein Bergdorf in der Schweiz. Sie ist jetzt eine Senter Autorin (Sent, so heißt das Unterengadiner Bergdorf), spätestens seit sie über ihr Leben dort ein Buch geschrieben hat.

Wer ihre früheren Bücher kennt, wird in dem neuen, es ist eine Sammlung bereits erschienener Texte, manche Erinnerung daran finden: Autobiographisches aus der Kindheit in den stumpfen Sechziger Jahren; die unabstreifbare Flüchtlings-Identität der Mutter (aus „Nahe Tage“); die Faszination mit Seepferdchen, bei denen die männlichen Tiere die Kinder austragen (aus dem Roman „Flughafenfische“); die Hilfe des Gedichts beim Lernen einer widerspenstigen fremden Sprache („Senter Tagebuch“).

Aber diese Texte, die sich unter dem Zeltdach „Fließendes Land“ versammeln, sind zugleich Reflexionen über das Schreiben. Angelika Overath ist Reporterin, auch wenn sie einen Roman verfasst: Die genaue Beobachtung, die den Gegenstand in allen Details ergründet, um ihn dann in einer überraschenden Wendung ganz neu zu erkennen; Staunen, Beschreiben, Sehen, diese Aneignung durch Sprache ist ihr Metier. Für immer wird man nun den gelben gemalten Stuhl von Van Gogh als diese sinnliche Überrumpelung erleben, wie sie der Autorin in der National Gallery in London widerfuhr.

Die Autorin-Reporterin legt alle mitgebrachten Interpretationsmuster ab und setzt sich den Erfahrungen ohne Schutzhülle aus. Das macht sie empfänglich auch für spröde, unzugängliche Stimmungen wie die unklare gefühlte Aversion bei einem Aufenthalt auf der holländischen Insel Vlieland. Und es klärt den Blick in die Kindheit: Wunderbar passend zum aktuellen Fußball-Fieber ist ein Gedenkblatt der Tochter für den fernen Nachkriegs-Vater, einen Fan des KSC: Die kleine Tochter, zu seinem Leid von Fußball ahnungslos, versteht nur „Kaiserzeh“.

In einem Kapitel erkundet die Autorin explizit, was beim Schreiben passiert und mit ihr selbst passiert. Wie sie schreibend vom distanziert notierenden „Messgerät“ zu einer Erlebenden wird, die mit Wörtern die Dinge neu erschafft.

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Info: Angelika Overath liest am heutigen Donnerstag, 14. Juni, um 20 Uhr in der Tübinger Buchhandlung Gastl, Am Lustnauer Tor 7, aus „Fließendes Land: Geschichten vom Schreiben und Reisen“, Luchterhand-Verlag, München, 2012, 187 Seiten, 16,99 Euro.

Ein Geschichtenbuch von Angelika Overath
Angelika OverathArchivbild: Sommer

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14.06.2012, 12:00 Uhr

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