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Ein Hallelujah auf Leonard Cohen
Leonard Cohen blickt vom Licht in warmes Dunkel. Foto: Sony
Neues Album

Ein Hallelujah auf Leonard Cohen

„You Want It Darker“ von Leonard Cohen ist ein Album, das man gehört haben sollte. Produziert hat es sein Sohn Adam.

24.10.2016
  • UDO EBERL

Berlin. Alterswerke von Großmeistern der populären Musik machen spätestens seit der dunklen letzten Alben-Reihe von Johnny Cash hellhörig. Leonard Cohen ist einer, der mit seiner Lyrik über Jahrzehnte hinweg seine Dämonen im Zaum halten und Wege weisen konnte. Wer den heute 82-Jährigen auf einer seiner letzten Tourneen nach mehr als drei Stunden Live-Musik lächelnd über die Bühne tänzeln sah, wer ihn am frühen Morgen in Stuttgart zwischen standhaften S 21-Gegnern erlebt hat, muss sich jetzt mit einer intensiven Platte anfreunden, die bei aller musikalischen Größe verdammt nach Abschied klingt: „You Want It Darker“ (Sony Music) heißt nicht nur das Album, es ist Programm.

Durch einen Rahmen aus Licht blickt Cohen auf dem Cover mit einer Zigarette in der Hand in ein Schwarz, das man nicht als kalte Dunkelheit empfinden kann. Der Kanadier, der seine Fans jüngst mit Aussagen zur Ordnung des Endes erschreckte, um wenig später alle depressiven Anflüge mit ironischem Lächeln zu brechen, begeistert auch in diesen schwarzgefärbten Liedern mit intellektueller und poetischer Tiefenschärfe, die einen berührt, bisweilen schaudern lässt. „I'm out of the game“ singt Leonard Cohen im Song „Leaving The Table“ und das Bild eines älteren Mannes mit Hut, der winkend im diffusen Nachtlicht eines Bahnsteigs steht, liegt im akustischen Raum. Mit melancholischem Zuckerguss der Violinen und Chöre wird dieses Gefühl noch verstärkt, doch vor allem ist es die Stimme Cohens: noch ein wenig tiefer, brüchiger, suchender.

Im Zwiegespräch mit seinem Gott ist er nicht nur Betender, er fordert und kann auch anklagen. Und wer dürfte das, wenn nicht er, der in der Vergangenheit alles in Frage stellte, von unterschiedlichsten Seiten betrachtete. Einer, der als Poet immer wieder mit Bob Dylan auf derselben Augenhöhe unterwegs war. In der musikalischen Umsetzung seiner Texte hat er verglichen mit den letzten Veröffentlichungen des neuen Nobelpreisträgers längst die Nase weit vorn. „You Want It Darker“, dessen neun Songs sein Sohn Adam produziert hat, sollte man gehört haben. Unbedingt. Udo Eberl

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24.10.2016, 06:00 Uhr

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