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Kommentar

Ein Kiebinger als KSC-Killer

Eine Stunde nach Abpfiff lief Daniel Schachtschneider noch immer im Dress durch den Kabinengang des Kreuzeiche-Stadions. Die Dusche durfte warten, diesen Moment wollten die Kicker des SSV Reutlingen auskosten. 3:1 gegen den Zweitligisten Karlsruhe, drei Strafstöße für den SSV, drei Platzverweise für den KSC – eins dieser Spiele, das keiner vergisst. „Marc, gib uns dein Trikot“, bettelten einige Fans.

10.08.2015

Doch Marc Golinski, der kleine Wusler auf der Außenbahn, wehrte ab: „Das behalt‘ ich, als Erinnerung.“ Kurz zuvor durfte Schachtschneider vor die Kameras, „mein erstes Fernseh-Interview“, sagte der 26-Jährige. Vor wenigen Wochen kickte er mit dem VfL Nagold in der Verbandsliga, gleichzeitig waren die Karlsruher auf dem Sprung in die erste Liga. Doch während HSV-Millionär Pierre Michel Lasogga in der Relegation gegen die KSC-Abwehr keinen Stich machte, war Schachtschneider am Samstag nur durch Fouls zu stoppen. Zwei Elfmeter, zwei rote Karten gingen auf das Konto der Reutlinger Nummer 17. Seit Samstag ist Schachtschneider in Karlsruhe bekannt, ein Kiebinger als KSC-Killer. Auch Giuseppe Ricciardi, der coole Strafstoß-Schütze vom Samstag, ist ein (Kreis-) Tübinger: Seine Karriere begann beim TSV Talheim, Verteidiger Lukas Hartmann stammt vom SV Poltringen.

Welchen SSV-Spieler man am Samstag auch fragte, alle wiederholten diesen Satz: „Der Trainer hat uns super eingestellt.“ Georgi Donkov, früherer bulgarischer Nationalspieler und in der Bundesliga unter anderem beim 1. FC Köln, hat offenbar den Draht gefunden zu dieser Mannschaft der Feierabend-Halbprofis. Das Gros des Teams studiert nebenher oder hat einen Job.

In Karlsruhe zahlen sie zwar keine Millionengehälter, die Kicker verdienen aber pro Jahr im sechsstelligen Bereich – und mussten sich doch den Amateuren geschlagen geben. Dass das im modernen, oft sterilen Fußball noch möglich ist, hat die Fans von den Sitzen gerissen. Kurz zeigte der Fußball auch in dieser rauschenden Pokal-Nacht seine hässliche Seite. Ein Teil der rund 1200 KSC-Fans hatte Bock auf Zoff. „Wir wollen keine Schwaben-Schweine“ hallte es schon nach wenigen Minuten aus ihrer Kurve, und weiter: „Asoziale Schwaben, ihr schlaft unter Brücken oder in der Bahnhofsmission.“ Auf der Haupttribüne reckten daraufhin einige den Stinkefinger, doch es blieb auch nach Abpfiff ruhig. Rund 1000 Polizisten, mit Wasserwerfern und Hubschraubern angerückt, trennten die Lager. Ob die Kosten für diesen Einsatz gerechtfertigt sind, ob dafür nicht irgendwann doch der Verband aufkommen muss – Nebensache an diesem Samstag. Andere Zahlen standen im Vordergrund: 140 000 Euro waren dem SSV schon in der ersten Runde sicher, nun kommen 268 000 Euro garantierte Einnahmen dazu. Rechnet man die Erlöse aus dem Ticket-Verkauf dazu, rund eine halbe Million Euro. Karsten Amann, der SSV-Präsident, sprach von einem „Markstein“ für den Verein.

Dieser Samstag wurde zu einer Steilvorlage für den SSV. Hoffentlich bleibt der Verein so cool wie Ricciardi vom Punkt. Hansjörg Lösel

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10.08.2015, 12:00 Uhr

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