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Ein Kretschmann für Berlin
Blumen für den Wahlsieger: Winfried Kretschmann beim Grünen-Länderrat in Berlin. Foto: dpa
Die Grünen suchen nach der verbindenden Idee für die Wahl 2017

Ein Kretschmann für Berlin

Grundsätze ja, aber flexibel in der Umsetzung: So stellen sich führende Grüne die Zukunft ihrer Partei vor. Es ist das Modell Kretschmann, das im Südwesten triumphal gesiegt hat. Taugt es für den Bund?

11.04.2016
  • TERESA DAPP, DPA

Berlin. Etwa eineinhalb Jahre sind es noch, bis Deutschland einen neuen Bundestag wählt. Ein guter Zeitpunkt für die Grünen, sich zu überlegen, was für eine Partei sie eigentlich sein wollen. Die Partei der Besserwisser und der Steuererhöher? So kamen sie letztes Mal rüber, es ging schief - 8,4 Prozent der Wähler machten bei der Bundestagswahl 2013 ihr Kreuz bei den Grünen. Mit Blick auf Herbst 2017 muss ein neues Rezept her. Viele Grüne hoffen, dass einer es bereits gefunden hat: Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Wie das gelungen ist, erklärt "Kretsch", laut ZDF-"Politbarometer" beliebtester Politiker Deutschlands, am Wochenende den etwa 80 Delegierten auf einem kleinen Bundesparteitag in Berlin. Von Personenkult, vom Charisma des Spitzenkandidaten, spricht er nicht. Das tun genug andere, die verstanden haben, dass Personalisierung wichtig ist - kein einfaches Thema für die Grünen.

Stattdessen hebt der 67-Jährige in seiner unaufgeregten Art auf Pragmatismus ab und Kompromissbereitschaft, auf praktische Lösungen. Fragen, was für das Land gut sei, nicht für die Partei. "Grundsätze ja, Dogmen nein." Ziele ließen sich auch auf Umwegen erreichen: "Bündnisse schmieden, keine Angst vor Kompromissen haben, dann können wir auch politisch wachsen und die Republik auf Dauer prägen."

Angesichts der SPD-Misere ist den Grünen klar, dass sie allein auf Rot-Grün nicht mehr setzen können. Die Zeit der Lagerwahlkämpfe sei vorbei, betont die Führungsriege häufig. Drei Koalitionen werden auf Länderebene verhandelt: Grün-Schwarz im Südwesten, Schwarz-Rot-Grün in Sachsen-Anhalt, Rot-Grün-Gelb in Rheinland-Pfalz. Sieht aus, als könne die Partei mit jedem. Das zeige vor allem eines, sagt Parteichef Cem Özdemir: "Wir sind uns der Verantwortung bewusst, die aus Wahlen folgt." Es komme eben auf Inhalte an, Ziel sei, die große Koalition im Bund zu beenden. So kann man das sehen, bei den Wählern kann das allerdings auch als Beliebigkeit, als "Hauptsache Mitregieren" rüberkommen.

Um konkrete politische Inhalte geht es in Berlin zwar auch, aber sie wirken - noch - nebensächlich. Die tief verwurzelte Spaltung der Grünen in Linke und Realos wird in Berlin sichtbar, wenn etwa Parteichefin Simone Peter (linker Flügel) mit dem "Flüchtlings-Verschiebebahnhof" abrechnet, den das Abkommen der EU mit der Türkei habe entstehen lassen. Und wenn Kretschmann (Realo) anmahnt, man müsse manchmal auch "mäßige" Problemlösungen akzeptieren, wenn man keine besseren Ideen habe.

Die Gräben dürften sich weiter auftun, wenn es im Herbst um Spitzenkandidaten und Wahlprogramm geht. Kein Wunder, dass das Wort "Geschlossenheit" bei diesem Parteitag immer wieder fällt, etwa genau so oft wie "Rückenwind" aus Baden-Württemberg, den man für die Bundestagswahl nutzen will.

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11.04.2016, 06:00 Uhr

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