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Klassisch

Ein Kritiker und Komponist

Ferdinand Pfohl (1862–1949) war einer der führenden deutschen Musikkritiker seiner Zeit. Zudem hat er sich einen Namen als Schriftsteller gemacht.

30.09.2019

Von Burkhard Schäfer

Die Pianistin Jamina Gerl. Foto: Foto:Tobias Vollmer

Ulm. 1911 erschien seine große Richard-Wagner-Biografie, die hohe Auflagen erzielte. Daneben reüssierte Pfohl damals auch als Komponist. In dieser Eigenschaft kennt man ihn heute leider kaum mehr. Um so dankbarer ist man für die Einspielung seiner Klavierwerke, die die Pianistin Jamina Gerl jetzt beim Label Grand Piano (Vertrieb: Naxos) vorgelegt hat. Auf der CD zu hören sind die beiden großen Zyklen „Strandbilder“ (1892) und „Suite élégiaque“ (1894) sowie die zehn Jahre früher entstandene „Nordische Rhapsodie ,Hagbart‘ nach einem Thema von Edvard Grieg“.

Frau Gerl, wie sind Sie auf Ferdinand Pfohls Musik gestoßen?

Jamina Gerl: Durch unsere gemeinsamen sudetendeutschen Wurzeln – ich hatte gerade den Sudetendeutschen Förderpreis für darstellende und ausübende Kunst erhalten – erreichte mich die Anfrage der Pfohl-Woyrsch-Gesellschaft, ob ich Pfohls Klavierwerke einspielen könne. Nach einer ersten Sichtung sagte ich sofort zu. Da sein Enkel über eine umfangreiche Sammlung verfügt, wurde es mir ermöglicht, Einsicht in Pfohls Leben und Schaffen zu erhalten. Das war für mich von unschätzbarem Wert.

Foto: Foto. Naxos

Was zeichnet die „Strandbilder“ aus? In welcher Tradition steht diese Musik?

Diese sechs Charakterstücke hat Pfohl später in seiner – heute leider verschollenen – „Meer-Symphonie“ orchestriert. Programmatische Grundlage sind die Inseln Helgoland und Sylt. Die Musik enthält zahlreiche bildhafte Elemente, die dem dynamischen Naturgeschehen zwar nachempfunden sind, vom Komponisten jedoch in absolute musikalische Formen überführt werden. Der Stil der „Strandbilder“ erinnert bei aller Individualität manchmal an die russisch-skandinavische Nationalromantik.

Was ist das Geheimnis der groß dimensionierten „Suite élégiaque“?

Fast jedes der fünf Stücke beginnt meditativ, reflektierend, harmonisch pendelnd – bis der Pfohlsche Schalk wieder aufblitzt, der auch in seinen satirischen Schriften und Radiosendungen zum Vorschein kommt: eine plötzliche Staccato-Passage, ein tänzerisches Element, ein Scherzo unterbrechen das Ganze. Neben großer Liebe zum Detail im Notentext hat Pfohl uns hier eine Musik hinterlassen, die sich dem Greifbaren oft entzieht, bei unvoreingenommenem und intensivem Nachspüren aber wunderbar zu leben beginnt.

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Erstellt:
30. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
30. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. September 2019, 06:00 Uhr

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