Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ein Leben für die Versöhnung
Im Alter von 87 Jahren gestorben: Hans Koschnick. Foto: epd
Bremen

Ein Leben für die Versöhnung

Kompromissfähigkeit war Teil seiner Biographie: Hans Koschnick, ehemals Regierungschef von Bremen, ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

22.04.2016
  • DIETER SELL, EPD

Mit großen Worten über seine Person konnte Hans Koschnick nie etwas anfangen. "Wenn Reden über mich gehalten werden, kann das später an meinem Grab geschehen. Da muss ich dann nicht zuhören", sagte der SPD-Politiker. Koschnick war 18 Jahre Regierungschef in Bremen. Gestern ist er im Alter von 87 Jahren gestorben - nach einem politischen Leben, das vor allem durch Versöhnung geprägt war.

Der Sohn eines von den Nationalsozialisten inhaftierten Gewerkschaftssekretärs war 1950 in die SPD eingetreten. Mit 34 Jahren wurde er jüngster Innenminister, später jüngster Regierungschef eines Bundeslandes. Wie ein Vermächtnis prägten Worte des Vaters den 15-jährigen Sohn, die Koschnick später oft zitierte: "Sucht das Gemeinsame und nicht das Trennende. Es gibt mehr, die für Freiheit und Solidarität sind, als man gemeinhin glaubt. Und dann sind die kleinen Unterschiede in der Sache nicht mehr so wichtig." Daraus erwuchs eine pazifistische Haltung, von der der evangelische Christ Koschnick später allerdings Abschied nehmen musste. "Wer morden will, dem muss man mit Waffengewalt in den Arm fallen", war seine Lehre aus dem Bürgerkrieg auf dem Balkan.

Wie Baupläne zur Versöhnung praktisch aussehen könnten, das demonstrierte Koschnick im zerstörten herzegowinischen Mostar. Dort brachte er die Versorgung mit Wasser und Elektrizität voran. Zwar gelang ihm nicht die große Aussöhnung zwischen den verfeindeten Serben und Kroaten. "Aber wo man miteinander sprach und gemeinsam arbeitete, da konnte ich auch vermitteln", bilanzierte der Brückenbauer. Bis auf wenige Rückschläge in Bremen galt Koschnick politisch als "Hans im Glück". Außenpolitisch trat er für die Aussöhnung mit Israel und Polen ein. Im Bundestag, dem er von 1987 bis 1994 angehörte, befasste sich Koschnick vor allem mit Sicherheitspolitik. Lange galt er als "wandelnder Vermittlungsausschuss". Koschnick war bis zum Schluss ein politisch denkender Mensch. Mit Verve diskutierte er auch im hohen Alter mit Jugendlichen über lokale und weltpolitische Themen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball