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Ein Meilenstein in der Geschichte des Museums
Die neue Alamannen-Ausstellung im Horber Stadtmuseum zeigt 1500 Jahre alte Grabbeigaben modern aufgearbeitet. Bild: dun
Museum

Ein Meilenstein in der Geschichte des Museums

Die neue Alamannen-Ausstellung im Horber Stadtmuseum wurde am Freitag eröffnet. Das Interesse an den Exponaten reicht weit übers Land hinaus.

18.10.2016
  • Dunja Bernhard

Der sperrige Ausstellungstitel „Röhrenhenkelkrug &Pferdchenfibel, Ostgermanen & Alamannen“ ist zugleich sehr beredet. Er erzählt von Tongefäßen, die vorher noch nie so weit westlich gefunden wurden, von einem Reichtum, den niemand unter dem kleinen Altheim bei Horb vermutet hätte und von einer Zeit, die 1500 Jahre zurückliegt. In vier Worten fasst der Titel die Sensationen des frühmerowingerzeitlichen Gräberfeldes, die selbst die Fachwelt aufmerken ließen, zusammen.

Der Weg der Grabbeigaben aus der Erde auf dem Talberg bis in das Horber Stadtmuseum dauerte 16 Jahre. Für archäologische Funde ist das eine kurze Zeit. 1998 entdeckte Bittelbronner Hobby-Archäologe Bernhard Würger erste Hinweise auf eine frühere Besiedlung in Altheim auf der Fläche für ein geplantes Neubaugebiet. Es blieb nicht, wie zunächst erwartet, bei römischen Mauerresten. Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart nahm sich der Sache an.

Kunstvoller Schmuck, Schwerter, Glas- und Tongefäße sowie Reste von Kleidungsstücken kamen nach 1500 Jahren wieder ans Tageslicht. Die Archäologin Denise Beilharz schrieb über das Gräberfeld ihre Doktorarbeit. „Ihre Entdeckungen treiben Städteplanern den Schweiß auf die Stirn“, sagte Oberbürgermeister Peter Rosenberger beim Festakt zur Eröffnung der Ausstellung.

Für die Planer sei es ein „worst case scenario“ wenn jemand wie Bernhard Würger anfängt, zu buddeln und etwas findet. Für Horb seien die Funde ein Geschenk, dessen Wert jeder erkennen sollte. Horb sei nun nicht mehr 1090 Jahre alt, wie bisher angenommen, sondern 1500 Jahre. Die Siedlung zu den Gräbern haben die Archäologen allerdings noch nicht gefunden. Sie gehen jedoch davon aus, dass diese nicht weit entfernt waren.

Alamannen kehren zurück

Altheim sei von den Menschen anscheinend schon sehr früh als schöner Wohnplatz anerkannt worden, sagte Landrat Klaus Michael Rückert. Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Wenn er bedenke, dass schon damals Pferde mit ins Grab gelegt wurden und heute mit Michael Jung ein Olympiasieger im Vielseitigkeitsreiten aus Altheim komme, müsse es sich um einen genius loci (besonderen Ort) handeln.“

Dies sei ein Tag der Freude für Altheim, Horb und den Landkreis, sagte Altheims Ortsvorsteher Andreas Bronner: „Die Alamannen kehren zurück.“ Nach den Ausgrabungen war zunächst nicht klar, wo die Funde aufbewahrt werden sollten und in welcher Form. Mit dem Horber Stadtmuseum sei ein sehr guter Rahmen gefunden worden, sagte Bronner. Die Ausstellung sei ein großer Beitrag zur Geschichte der Region. Bronner: „Jeder Grundschüler sollte sie gesehen haben.“

Die Ausstellung zeige die Funde und wie sie aufbereitet wurden und bringe sie so zum Sprechen, sagte Günther Wieland von der Archäologischen Denkmalpflege. Das Museum trage nicht nur dazu bei, dass sich die Bevölkerung mit der Geschichte identifiziere, sondern schaffe auch Akzeptanz für die archäologische Denkmalpflege. Darüber hinaus werde die Ausstellung über Baden-Württemberg hinaus die Fachwelt anziehen, prophezeite Wieland.

Dass die Funde zeitnah von einer Doktorantin, die zugleich Grabungsmitarbeiterin war, ausgewertet wurden, seien ideale Bedingungen gewesen, sagte Dorothee Ade von der Rottenburger Bürogemeinschaft Archäo. „Die Ausstellung beruht auf abschließenden Ergebnissen.“ Alle Fundstücke seien restauriert. Archäologische Funde von anderen Orten würden mitunter nur durchleuchtet und als Erdklumpen in Kühltruhen aufbewahrt. So lagern historische Gegenstände zwar bei optimalen Bedingungen, aber die Öffentlichkeit nimmt von ihnen kaum Notiz.

Prächtig ausgestattete Ahnen

Rechtlich gehören die Funde aus Altheim dem Land Baden-Württemberg. „Emotional gehören sie hier her“, sagte Ade. Die Fundort-nahe Ausstellung zeige den Menschen, wie prächtig ausgestattet ihre Vorfahren waren und welches handwerkliche Geschick sie gehabt hatten.

Die gefundene Grabbeigaben wiesen darauf hin, dass die Menschen wohlhabend waren, sagte Museumsleiterin Agnes Maier. „Sie konnten es sich leisten, sich von diesen Dingen zu trennen.“ Außerdem waren ihnen ihre Toten so viel wert, dass sie diese Dinge für ein Leben im Jenseits mitbekamen.

Die Ausstellung zeigt neben den Fundstücken, zwei lebensgroße Alamannen, Filme von den Ausgrabungen und auf einem interaktiven Bildschirm Wissenswertes über weitere Fundorte.

Geöffnet ist die Ausstellung im Horber Stadtmuseum im Bürgerkulturhaus am Marktplatz 4 montags, mittwochs, freitags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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18.10.2016, 01:00 Uhr

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