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„Lumpenbrüder" inszenieren Shakespeares „richard.zwei“

Ein Mensch steigt auf, ein anderer fällt

In ihrer aktuellen Inszenierung setzen sich Lumpenbrüder Productions und das Zimmertheater-Ensemble mit den Unsicherheiten eines Unfehlbaren, seinem Niedergang und dem Verlust der Macht an den politischen Konkurrenten auseinander. Zimmertheater-Dramaturg Michael Hanisch im Gespräch mit Regisseur Laurent Gröflin.

01.06.2012

Michael Hanisch: In den letzten Jahren haben Sie am Zimmertheater selbst entwickelte Abende zur Premiere gebracht. Warum jetzt ein Klassiker?

Laurent Gröflin: Ich sehe die Arbeit an Shakespeares Historie eigentlich als Fortsetzung unserer bisherigen Arbeiten für das Zimmertheater. In bisher drei Stücken haben wir uns mit den Armen, Entrechteten, Außenstehenden befasst. Jetzt wenden wir uns der Gegenseite, den Hochstehenden, zu. Und was wäre da besser, als die Geschichte eines Königs zu erzählen.

Und wenn man von Klassikern sprechen möchte: auch Stoffe wie „Robinson“ oder „Robin Hood“ gehören ja zu den großen Geschichten des Abendlandes. Was allerdings nun bei Shakespeare ein weiterer, entscheidender Aspekt ist, ist der Umgang mit Sprache. Während wir für unsere bisherigen Produktionen die Texte selbst zusammengestellt und erarbeitet haben, können wir jetzt auf das unermessliche Universum der Sprache Shakespeares zurückgreifen. So sprach- und bildgewaltig wie er können nur wenige schreiben. Welcher Regisseur würde sich eine solche Chance entgehen lassen?

Was reizt Sie an diesem Stück?

„Richard II.“, oder wie wir das Stück bezeichnen „richard.zwei“, ist das Stück mit dem die „Rosenkriegsdramen“ Shakespeares beginnen. Es ist der Ausgangspunkt für eine unglaubliche Dramenfolge über den Bürgerkrieg. Aber mehr noch: Es ist eine Studie über Entscheidungen, welche Möglichkeiten ein Mensch hat und wie er mit der Konsequenz einer Fehlentscheidung umzugehen hat. Shakespeare gelingt es, nicht nur anhand der Titelfigur zu zeigen, wie schnell Entscheidungen zum Gegenteil dessen, was man sich gewünscht hat, führen. Der Mensch des Mittelalters und der frühen Neuzeit hat dafür ein schönes Symbol gefunden: Das Rad der Fortuna – ein Mensch steigt auf, während ein anderer fällt. Ein König bietet dafür natürlich eine ungeheuerliche Projektionsfläche, und auch wenn es heute, zumindest bei uns, keine Monarchen mehr gibt, so können wir alle mit dem Fall der Großen unglaublich viel verbinden.

Steckt für Sie noch andere Aussagen fürs Heute dahinter?

Wir alle bewegen uns in Machtverhältnissen, wir haben Macht oder fürchten sie, wir fordern Entscheidungen oder drücken uns davor. Spannend in diesem Zusammenhang ist doch, wie gehe ich mit meiner Macht um, kann ich sie verantworten? Shakespeares Figuren müssen ihre Macht und ihre Entscheidungen bis zur letzten Konsequenz ertragen. Der umstrittene König muss am Ende umgebracht werden, um die Balance im Staat nicht zu gefährden, und Richard ist sich dieser Konsequenz bewusst. Wo finden wir heute noch das Verantwortungsgefühl, eine Entscheidung bis zum Äußersten zu vertreten? Im Gegenteil: Die Macht Entscheidungen zu treffen wird bezahlt. Wer eine Fehlentscheidung zu verantworten hat, tritt ab oder zurück, aber der Lohn, die Pension oder Abfindung wird natürlich weitergezahlt.

Info: „richard.zwei“, Premiere heute um 20 Uhr im Zimmertheater.

Ein Mensch steigt auf, ein anderer fällt
Die Lumpenbrüder Christian Hansen, Jörg Zysik und Laurent Gröflin im Bühnenbild zu „richard.zwei“Bild: Gonschior/ZT

Ein Mensch steigt auf, ein anderer fällt

Der Staat ist bankrott, der Hofstaat korrupt, die Iren aufständisch – Richard II. lässt es sich und seinen Günstlingen am Hofe gut gehen. Um Geld für den unausweichlichen Irlandfeldzug heranzuschaffen, überzieht der schöngeistige Regent das Land mit Steuern, Strafzöllen und Sonderabgaben und macht auch vor den Speichern seiner Herzöge und Earls nicht Halt. Seinen ambitionierten Cousin Henry Bolingbroke verbannt Richard kurzerhand aus England und macht sich, kaum ist der Konkurrent nicht mehr im Lande, über dessen rechtmäßiges Erbe her. Als sich Richard dann jedoch nach Irland in den Krieg begibt, kehrt der Verbannte jedoch aus dem Exil zurück und fordert, unterstützt von einem kleinen Heer, sein Recht.

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01.06.2012, 12:00 Uhr

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