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Tübingen

Ein Mutmacher – Rauch hin oder her

Gestern war der Tag von „Pfauen“-Wirt Uli Neu, der Tag jener Wirte, die eine Einraum- oder Eck-Kneipe betreiben. Denn sie dürfen – so sie keine Speisen zubereiten, weniger als 75 Quadratmeter Fläche haben und die Minderjährigen des Schankraums verweisen – vorübergehend wieder Feuer frei geben. Vor den Richtern des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe konnten Neu und seine Kollegen glaubhaft machen, dass das Nichtrauchergesetz kräftig auf ihre Umsätze und damit ihre Existenz drückt.

31.07.2008
  • Matthias Stelzer

Obwohl die Richter das Recht auf Gesundheit und Leben grundsätzlich höher bewerteten als die unternehmerische Freiheit der Gastronomen, kassierten sie das baden-württembergische Nichtrauchergesetz. Wenn überhaupt Ausnahmen vom Verbot zugelassen werden, haben auch die „getränkegeprägten Kleinbetriebe“ Rücksicht verdient – so der Tenor der Juristen in den roten Roben.

Für Uli Neu war dieses Urteil eine Bestätigung. Die Richter stellten seine Berufsfreiheit wieder her. Und genau das war dem 50-jährigen Tübinger wichtig. Er will selbst handeln und entscheiden können – oder zumindest eine Wahlfreiheit haben. Selbst wenn sich der gestrige Erfolg als Pyrrhussieg und Hintertür für ein striktes Rauchverbot entpuppen sollte, haben die Kleinkneipiers an Spielraum gewonnen – zumindest bis Baden-Württemberg ein neues Gesetz auf den Weg bringt.

Die Zeit will Uli Neu, der sehr wohl weiß, dass das Rauchen alleine langfristig keine Existenzgarantie ist, auch dazu nutzen, sich um die Situation der klassischen Kneipen in der Tübinger Altstadt zu kümmern. Er will zusammen mit Kolleg(inn)en wieder für etwas mehr Schwung sorgen.

Nicht nur das Rauchverbot, auch die hohen Pachten und im Durchschnitt sehr kleinen Flächen machen den Altstadt-Wirten zu schaffen. Probleme, die sich nach Auffassung des „Pfauen“-Wirts nur über eine moderne Konzessions-Politik der Stadt Tübingen ändern lassen.

Er hat Recht. Die Altstadt braucht zusätzlich neue, größere Kneipen und Cafés, muss Verpächter haben, die ihre Quadratmeter-Preise endlich dem immer weiter sinkenden Getränke-Konsum anpassen. Und braucht Gastronomie-Betriebe, die über ihr Profil das studentische Publikum in die Stadt zurückholen.

Oder anders formuliert: Wirte, die in ihren Konzepten aus den 1980er Jahren verharren, haben eben nur ein bestimmtes Publikum. Wer – Rauchen hin oder her – gesunde Umsätze machen will, muss sich an den geänderten Ausgeh- und Trinkgewohnheiten orientieren. Die Tübinger Gastronomen sollten die Zwischenzeit bis zu einem neuen Landesnichtrauchergesetz jetzt als Spielraum nutzen, um ihr Profil für eine rauchselige oder rauchfreie Zukunft zu schärfen. Wenn sie das Urteil als Mutmacher verstehen, ihr unternehmerisches Schicksal wieder in die eigenen Hände zu nehmen, dann hat Uli Neu in Karlsruhe richtig viel bewegt.

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31.07.2008, 12:00 Uhr

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