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Ein Plädoyer für die Hitze

Es ist heiß. Nahezu mörderheiß. Kaum benimmt sich der Sommer mal wie ein Sommer, wird gestöhnt und geächzt. Ein Königreich für ein kühles Lüftchen, einen kräftigen Regenguss.

17.07.2015
  • Christine Laudenbach

Dabei sollte dieses Sahara-Klima nicht unterschätzt werden. Nicht in gesundheitsgefährdender Hinsicht, beziehungsweise das natürlich sowieso. Nein, diese Bullenhitze hat auch Vorteile, und das nicht wenige.

Von hitzefrei für die geplagten Schüler soll hier nicht die Rede sein. Heutzutage wird der Unterrichtsausfall lediglich als Mogelpackung unters Ganztages-Schulvolk gebracht. Kürzlich hatten an einem Tübinger Gymnasium ab 12 Uhr alle frei, die nicht im letzten Block oder am Nachmittag noch eine Klausur schreiben mussten – kurz vor der Notenabgabe waren das nicht wenige. Nein, die Hitze tut sehr viel Gutes: Sie verbindet zum Beispiel. Ganz gleich ob über’n Gartenzaun („moinsch, da kommt heut‘ Nacht no was?“), im Wartezimmer oder im Büro: Alle haben was dazu zu sagen – und tun das auch. Selbst was wer in der Mittagspause runterkriegt, wird diskutiert. Saure Kutteln (ja, auch das wird bei über 30 Grad bestellt) oder lieber ein leichtes Salätle?

Bei der Suche nach einer Ausrede ist das Wetter ohnehin ein heißer Tipp: Zimmer aufräumen? Hausaufgaben? Später! Ein Zahlendreher in der Abrechnung? Kein Problem – bei den Temperaturen kann ja niemand denken. Auch wenn der Drucker streikt oder der Kopierer meckert kann das nur einen Grund haben.

Der Haushalt kocht ohnehin auf Sparflamme. Bei geschlossenen Fensterläden werden Chaos und Staub kaum gesehen. Und auf der Wäscheleine suchen plötzlich wesentlich weniger als die gefühlten 100 gleichen schwarzen Socken ihren Partner.

Für Sportmuffel muss die Hitze ebenfalls herrlich sein. Kein schlechtes Gewissen, weil der seit Tagen verschobene Termin im Fitness-Center oder die Jogging-Runde wieder nicht angepackt wird. Im Grunde ist der Aufschub doch ärztlich verordnet. Bei den hohen Ozonwerten ist ein Besuch im Biergarten wesentlich gesünder.

Auch aus der Fraktion der Hobby-Gärtner sollten keine Klagen kommen: Rosen wandern neuerdings, kaum aufgeblüht, direkt als Trockenblumenstrauß in die Vase. Und halten dort mindestens bis Weihnachten. Und wurde nicht lange öffentlich über Schneckenmorde diskutiert? Das Problem hat sich quasi verflüchtigt. Das war längst nicht in jedem Jahr der Fall. Im vorletzten Sommer klingelte meine Nachbarin, um mir die Ansichtskarte ihrer Schwester vorzulesen. Aus dem verregneten Nordseeurlaub. Sehr viel stand nicht geschrieben. Nur fünf Worte, die alles sagten: „Der Sommer, die blöde Sau!“

Das mit Abstand größte Plus aber sind Tübingens ordentliche Keller. Mindestens die halbe Stadt muss inzwischen wohl sortierte Untergeschosse besitzen. Der Satz: „Ich glaube, ich räum’ morgen einfach mal meinen Keller auf“, fiel selten so oft, wie in den vergangenen heißen Wochen.

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17.07.2015, 12:00 Uhr

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