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Ein Platz mit Potenzial
Noch ist der Schützenplatz im Stuttgarter Kernerviertel verstellt von Autos. Foto: Ferdinando Iannone
Urbanität

Ein Platz mit Potenzial

In Stuttgart gibt es zahlreiche öde Orte. Dazu gehört auch der Schützenplatz. Die Stadtplaner wollen die Leer-Räume mit Leben füllen. Eine Aufgabe, für die sie einen langen Atem brauchen.

18.04.2017
  • RAIMUND WEIBLE

Stuttgart. Kreisrund, drum herum stattliche Gründerzeithäuser, citynah – für Klaus Volkmer ist der Schützenplatz im Stuttgarter Kernerviertel eigentlich ein „wunderbarer Platz“. Aber eben nur eigentlich. Denn der Platz, beklagt der Architekt und Sachgebietsleiter öffentlicher Raum im Rathaus, ist vollgestellt mit Autos. Dadurch hat der Platz seinen Charme verloren, ist eher Straßenkreuzung und Parkplatz als Fläche der Begegnung.

Das soll sich ändern. Wie zahlreiche andere in Stuttgart steht der Schützenplatz auf einer Liste der Plätze, die die Stadt revitalisieren möchte. Bei vielen ist das schon gelungen. Beispiele sind der Marienplatz in Stuttgart-West oder der Gerda-Taro-Platz in Stuttgart-Mitte, der nach einer jüdischen Fotografin benannt ist, die im Spanischen Bürgerkrieg ums Leben kam. Getan hat sich auch einiges am Feuersee im Westen. Dort hat die Stadt das Südufer bereits wohnlicher gestaltet. Terrassen laden mit Blick auf die neugotische Johanneskirche zum Verweilen ein. Viele weitere Plätze harren einer städtebaulicher Aufwertung. „Wir kommen kaum hinterher“, sagt Volkmer.

Am Schützenplatz ist immerhin ein kleiner Anfang gemacht. Studenten des Instituts für Landschaftsplanung an der Universität Stuttgart haben aus zwei Auto-Stellflächen so genannte Parklets gemacht, auf deren Liegen man sich ausruhen kann. Ein Projekt, das von Bürgern aus der Umgebung des Schützenplatzes angestoßen worden ist, denen es an der Aufenthaltsqualität ihres Platzes gelegen ist.

Leben kommt von den Rändern

Die zeitlich befristeten Parklets sind Provisorien. Doch dabei soll es nicht bleiben. Nach den Plänen werden die Autos vom Platz verbannt. Bäume kommen an ihre Stelle, es wird Sitzmöglichkeiten geben, Raum, auf denen Kinder spielen können. Bäume und Sträucher, vielleicht auch Kunstobjekte oder ein Brunnen sollen den Platz verschönern. Das Projekt, das etwa eine halbe Million Euro kostet, sollte schon rasch angepackt werden. Doch beim genaueren Hinsehen stellte sich heraus, dass die Kanalisation im Untergrund marode ist. Jetzt müssen erst die Kanäle saniert werden. „Dann verfolgen wir das Projekt weiter“, sagt Volkmer.

Eine alte Wegverbindung, die von der Höhe ins Tal führt, wird dann reaktiviert: Die Sängerstaffel, die derzeit von den Parkplätzen blockiert wird.

Damit ein Platz wieder zum Ort der Begegnung wird, muss vieles stimmen. „Ohne Funktion und Nutzung kann man einen Platz noch so schön gestalten – er wird nicht angenommen werden“, sagt Volkmer. Das Leben, so weiß er, müsse von den Rändern herkommen.

Eine Erfahrung der Stadtentwickler lautet: Wenn die Erdgeschosse der Häuser um den Platz nicht ausgestaltet sind, findet keine Verzahnung mit dem öffentlichen Leben statt. Außengastronomie hilft da viel. Etwas, was dem Marktplatz vor dem Rathaus fehlt, aber auch dem Südheimer Platz in Heslach. Dort könnte vielleicht ein mobiles Café etwas bringen. Doch stets sollte es, so Volkmer, auch Sitzmöglichkeiten ohne Konsumzwang geben: „Für Leute, die sich den teuren Cappuccino nicht leisten können.“

Planerisch kompliziert entwickelt sich die Umgestaltung des Marktplatzes, der außerhalb von Markttagen öde wirkt. Kompliziert deswegen, weil alle Umgestaltungen kompatibel sein müssen mit der temporären Nutzung. Außer dem Gemüsemarkt nimmt der Marktplatz im September das Weindorf, im Dezember den Weihnachtsmarkt und im Sommer das Festival der Kulturen auf.

Gegen den Vorschlag, den Marktbrunnen aus seiner Ecke ins Zentrum zu versetzen, wendet sich Volkmer. Dort stehe er seit 40 Jahren, dort solle er auch bleiben. Doch Ziel ist, den Marktbrunnen aus der Versenkung zu holen, ihn stärker in die Blick zu rücken.

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18.04.2017, 06:00 Uhr

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