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Wohnbebauung in Gomaringens Ortsmitte: Kinderbauernhof ist gefährdet

Ein Pony-Kompromiss gesucht

Wo sich jetzt noch Pferde, Schweine und Ziegen tummeln, könnten sich in Gomaringens grüner Mitte bald Wohnhäuser erheben. Ob es dann noch einen Kinderbauernhof gibt, hängt von der Kompromissfähigkeit der Nachbarn ab – und wohl auch vom Geld.

14.01.2015
  • mario beisswenger

Gomaringen. Diese Art ländlicher Idylle hat Seltenheitswert. Mitten im Ort weiden Pferde, Schweine wühlen unterm Apfelbaum, Ziegen meckern, Hühner und Hasen gibt es auch. Der Kinderbauernhof in Gomaringen zwischen Lindenstraße und Hechinger Straße hält bis auf Kuh und Schaf die klassischen Nutztiere. Gegessen werden die auch (natürlich nicht die Island-Ponys), aber ihr Hauptzweck liegt in der Pädagogik.

Seit 2010 arbeitet hier Cornelia Schäfer mit Kindern, die kleinere Schwierigkeiten haben. Sie sind vielleicht ein bisschen zu vorlaut oder ganz im Gegenteil zu verschüchtert. Solche Kinder schicken die drei evangelischen Kindergärten gern zu Schäfer.

Der Nutzen ist nicht bestritten. Doch nun kommt der Pädagogik ein Bauprojekt in die Quere. Nachbarn wollen einen guten Teil der Fläche, wo jetzt noch Stall und Auslauf für die Tiere sind, mit Wohnungen überbauen. Auf gut 3500 Quadratmetern sollen zwei Doppelhäuser und drei Einfamilienhäuser entstehen.

Zwei Gegenstimmen im Bau-Ausschuss

Baurechtlich ist der Fall speziell. Die alten Obstwiesen, die sich über die Hechinger Straße hinweg bis nach Hinterweiler ziehen, gelten als Außenbereich. Dort dürfen allenfalls Landwirte bauen. Nur der Gemeinderat kann ein neues Baugebiet für die Allgemeinheit ausweisen. Genau das will er jetzt auf Antrag der Bauinteressierten auch machen.

Dienstagabend nahm dieser kleine Bebauungsplan eine Hürde im Bau-Ausschuss. Mit zwei Enthaltungen und zwei Gegenstimmen von den SPD-Frauen wurde dem Rat empfohlen, das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren weiterzuführen, um zu Bauland zu kommen.

Die Alternative wäre gewesen, das Verfahren zu stoppen. Dann hätten die Wohnbaupläne keine Chance. „Wir sehen aber keinen Grund, die Sache zu stoppen“, sagte FW-Rat Geo Pflumm. „Kinder haben eine Freude an Tieren, ob sich das mit einer Wohnnutzung verträgt, ist eine andere Frage.“

Auf dieses Problem hob Bauamtsleiter Lothar Walker ab. „Es ist auch jetzt nicht garantiert, dass die Einrichtung Bestand hat.“ Jederzeit könnten auch die jetzigen Anwohner gegen den Bauernhof klagen und hätten dann wohl gute Chancen, vor einem Verwaltungsgericht recht zu bekommen, wenn sie wollten, dass die Tiere wegkommen.

„Das kann auch passieren, wenn jemand Neues in die bestehenden Häuser einzieht“, sagte Bürgermeister Steffen Heß. Doch das neue Wohnbauprojekt würde dem Bauernhof auch einfach die Fläche für Stall und Weide entziehen. Aber da sieht Heß noch Verhandlungsmöglichkeiten. „Wenn alle wollen, bekommen wir eine Lösung hin.“

Sponsoren werden sich schon finden

Ein gemeinsames Gespräch ist für Ende Januar angesetzt. Es ginge dabei nur um einen Teil der Fläche fürs Bauprojekt. Schäfer betont, dass sie keinen Streit will. „Ich habe auch keinen Groll.“ Durch die Gründung eines Trägervereins für den Kinderbauernhof bestehe zumindest die Chance, Geld aufzutreiben, um die notwendige Fläche zu kaufen. Wie viel Kapital das sein muss, weiß sie gar nicht. Sponsoren würden sich schon finden.

Aus der Richtwertkarte für den Wert erschlossener unbebauter Grundstücke aus dem Jahr 2012 lässt sich an benachbarten Grundstücken ablesen, dass ein Quadratmeter etwa 170 Euro kostet.

Der Bauernhof genießt Unterstützung vom Förderkreis der Schloss-Schule und natürlich auch von den evangelischen Kindergärten. Für beide Einrichtungen ist die Nähe sehr praktisch. Auch Teile des Gemeinderates signalisierten Zustimmung. Daniel Leibßle (CDU) etwa nannte die Arbeit super. „Niemand hat das Gefühl, dass das nichts bringt“, sagte SPD-Frau Elvira Fischer. FW-Rat Werner Schneider war dagegen skeptischer. Es wolle wohl niemand mehr eine Miste vor dem Haus haben. „Der Gemeinderat müsste sich mal ein Bild von der Geruchsbelästigung machen.“

Doch wenn das Verfahren seinen Lauf nimmt, dann kann der Rat nur noch wenig mitbestimmen. „Wir müssen jetzt entscheiden, aber wir wissen nicht, wie die Bemühungen um einen Kompromiss ausgehen“, erkannte Fischer. Sie stimmte mit Karin Larsen als einzige gegen die Fortsetzung der Genehmigung. Susanne Horn (Grüne Liste) war unentschieden und enthielt sich. „Eigentlich passt die Arrondierung ja“, war ihre Begründung. Die außenflächensparende Innenentwicklung ist auch ein Grund, warum die Verwaltung das Projekt ungern gestoppt sehen würde.

Aus der Vorabfrage bei Behörden und Firmen, die dort etwa Strom- , Wasser- oder Gasleitungen haben, gab es keine Einwände. Vom Landkreis kam der Hinweis, dass wohl Lärmschutzwände zur Hechinger Straße hin gebaut werden müssen.

Ein Pony-Kompromiss gesucht
Raphael, Sohn der Erzieherin Cornelia Schäfer, und sein Freund Paul (auf dem Pferd), zeigen was Kinder so machen auf dem Kinderbauernhof: mit Tieren zusammen sein. Das ist wertvoll als erzieherische Intervention. Bild: Beißwenger

Geplant war der Kinderbauernhof an der Lindenstraße nicht. Er entwickelte sich aus der Tierhaltung von Cornelia Schäfers Eltern, die im Haus nebenan wohnen und schon immer einen Faible für Tiere hatten.

Karl und Elke Wössner hielten sich schon lange Pferde. Die Wiese hinterm Haus wurde ihnen verpachtet.

Schäfer baute die Tierhaltung dann aus. Schweine, eine Ziege, Hasen, Enten und Hühner kamen dazu. Das evangelische Familienzentrum / Netzwerk Leben in Gomaringen beauftragte Schäfer die vergangenen drei Jahre, auf ihrem Bauernhof Kinder mit Entwicklungsblockaden aufzunehmen.

Schäfer hat das nicht nur einen Job gebracht. „Von so einer Aufgabe habe ich lange geträumt.“ Den Betrieb zu verlagern, komme nicht infrage. Die Nähe zu den Kindergärten wäre dann weg, außerdem verbindet sie Tierbetreuung mit Familienarbeit.

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14.01.2015, 12:00 Uhr

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