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Ein Präsident auf Werbetour
US-Präsident Barack Obama bei der Eröffnungsfeier der Hannover Messe. Die USA sind dieses Jahr Partnerland der Messe. Foto: dpa
Barack Obama fordert in Hannover schnellen TTIP-Abschluss - Unterstützung von deutschen Wirtschaftsverbänden

Ein Präsident auf Werbetour

US-Präsident Barack Obama ist nicht nur nach Hannover gekommen, um eine Messe zu eröffnen. Er wirbt für das Handelsabkommen TTIP und schnellere Verhandlungen. Die deutsche Industrie begrüßt das.

25.04.2016
  • MIRIAM KAMMERER

Kurz bevor Barack Obama in seiner Limousine am Congress Centrum in Hannover vorfährt, hört man Hubschrauber. Die Rotoren rattern so laut, dass man erahnen kann, wie nahe sie dem Gebäude sind. Dann ist er da. Beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Hannover lässt der US-Präsident sich Zeit. Typisch Linkshänder hält Obama seine Hand stark gekrümmt über das Blatt - was für Beobachter seltsam aussieht, dient dazu, die Tinte nicht zu verschmieren.

Einige Stunden zuvor, selber Ort: Es riecht nach Hot Dogs, in Kühlschränken warten Cola und andere Getränke auf die geladenen Besucher der Eröffnungsfeier der Hannover Messe. Wer hier angekommen ist, hat schon den ersten Sicherheitscheck an der Messe, eine Busfahrt mit Polizeieskorte durch Hannover und einen zweiten Sicherheitscheck vor Ort hinter sich.

Noch immer dauert es drei Stunden, bis der ersehnte Gast eintrudelt. Die Spannung ist greifbar, eine Frau erzählt einer Freundin am Telefon, dass sie dem Gast aus den USA die Hand schütteln wolle. Unter die Gäste mischen sich Polizisten. Die Sicherheit hat oberste Priorität.

Rund zwei Stunden vor Beginn öffnet sich der Saal für etwa 2500 Auserwählte aus Politik und Wirtschaft. Gleichzeitig befinden sich Angela Merkel und Obama auf dem Weg zur Pressekonferenz, die vor der Eröffnungsfeier stattfindet.

Stille im Kuppelsaal, Kronleuchter hängen von den Decken. Plötzlich brandet lauter Applaus auf. Barack Obama betritt die Bühne. Seine Stimme ist tiefer als es im Fernsehen scheint, seine Art zu reden nimmt die Leute für ihn ein. Rhetorisch versiert steigert er seine Aufzählungen wiederholt dreifach. Zum Beispiel: "Amerika will mehr Handel treiben mit Deutschland, Europa und mit der Welt." Geschickt führt er das Thema TTIP ein. Er wisse um die Emotionen, die das Thema hervorruft. Aber TTIP werde Standards nicht senken, sondern heben und zwar für Arbeiter, Konsumenten und Umwelt. Die USA stünden bereit, TTIP noch dieses Jahr zu Ende zu verhandeln.

Angela Merkel verspricht, das Ihre dafür zu tun, und in der EU zu werben. Immer wieder spricht sie den amerikanischen Präsidenten mit "lieber Barack" an. Das gute Verhältnis der beiden scheint nicht gespielt. Während des Programms tuscheln sie immer wieder vertraut.

Mit Spannung war der Besuch des amerikanischen Präsidenten auf der Hannover Messe erwartet worden. Barack Obama ist der erste amtierende US-Präsident, der eine Messe in Europa eröffnet hat. Darauf ist man in Hannover stolz. Jochen Köckler, Vorstand der Deutschen Messe und verantwortlich für die Hannover Messe, sieht den Besuch auch als Beleg für den Stellenwert der "weltweit wichtigsten Industriemesse". Obama wirkte wie ein Magnet auf die Messe. Die Zahl amerikanischer Aussteller verfünffachte sich im Vergleich zum Vorjahr beinahe auf mehr als 460, und auch die Gesamtzahl der Aussteller kletterte über die 5000er Marke.

Mark Tomkins, Geschäftsführer der Deutschen Außenhandelskammern in Chicago kann dem Besuch des Präsidenten nur Positives abgewinnen. Er sei ein wichtiges Signal für die Industrie und Produktion. Der Amerika-Kenner Josef Braml sagt: "Obama tut was für die amerikanische Wirtschaft." Braml ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und hat jüngst ein neues Buch ("Auf Kosten der Freiheit - Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa") über seine Sicht auf Amerika veröffentlicht.

Auch deutsche Wirtschaftsverbände werten Obamas Besuch als wichtiges Signal. Holger Paul, Sprecher des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) findet Obamas Kommen "großartig". Für fast jeden Maschinenbauer sind die USA der wichtigste Exportmarkt. Auch für die deutsche Industrie waren die USA vergangenes Jahr der wichtigste Handelspartner, sagt Stormy-Annika Mildner, zuständig für Außenwirtschaftspolitik beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

In der deutschen Wirtschaft erhofft man sich deshalb von der Anwesenheit Obamas Schwung für die TTIP-Verhandlungen. "Ein gut ausgehandeltes Abkommen", wünscht sich der VDMA, sagt Sprecher Holger Paul. Was der Verband nicht wolle, sei ein verschlanktes Abkommen durch beschleunigte Verhandlungen: "Inhalt und Qualität stehen im Vordergrund."

Trotzdem ist Deutschland für USA-Kenner Braml der falsche Ort, um für TTIP zu werben. Braml sieht die größeren Probleme in den USA: Obamas Politik wird im Kongress blockiert und Braml sieht kaum eine Chance, die Verhandlungen in Obamas Amtszeit zu beenden. Das liege auch daran, dass die Amerikaner andere Präferenzen haben: "Die transpazifische Partnerschaft ist den Amerikanern wichtiger", sagt Braml.

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25.04.2016, 06:00 Uhr

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