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. . . und Romeo spricht deutsch

Ein Probenbesuch am LTT: Julia spricht russisch . . .

Was heute in einer Woche am LTT Premiere hat, ist ein Novum in der Theatergeschichte nicht nur Tübingens: „Romeo und Julia“, gespielt von einem Ensemble, das sich aus LTT-Schauspielern und Kollegen vom karelischen Nationaltheater Petrosawodsk zusammensetzt.

01.10.2010

Tübingen. Erste Szene. Eine Phalanx von Menschen tritt vor, sie sprechen deutsch, sie sprechen russisch, sie sind freundlich miteinander, aber sie müssen sich schon sehr dazu überwinden, man spürt die Spannung. Aber wo verlaufen die Fornten? Das sieht man erst, als sich die Gruppe teilt, an den gegenüberliegenden Seiten der Bühne postiert. Hier die Capulets. Dort die Montagues. Hier die deutschen Schauspieler. Dort die russischen. Gleich gehen sie aufeinander los. Gelebte Freundschaft als gespielter Streit.

Und das ist gut so, denn heute ist Fechtprobe. Fechtlehrerein Annette Bauer, mit der die Akteure in den letzten Wochen alles einstudiert haben, schaut zu. „Ich brauche einen Übersetzer!“ Regisseur Ralf Siebelt eilt hinzu, er hat in Moskau studiert, ist der Sprache mächtig. Auch die beiden Regieassistentinnen sprechen fließend russisch und einer der Schauspieler ist so gut wie zweisprachig. Aber auf dieser Probe merkt man, dass es auch anders geht. Die Schauspieler aus Petrosawodsk und Tübingen stecken auch abseits der jeweiligen Probenszene die Köpfe zusammen. Da wird gestikuliert oder auf englisch gesprochen.

Und im Stück? Man sagt ja oft „die sprechen eine andere Sprache“, wenn zwei sich nicht verstehen, nicht miteinander können. Die Inszenierung nimmt das wörtlich: Die Capulets sprechen russisch, die Montagues deutsch. Immerhin, Tybalt von den Capulets kann auch einen deutsch Satz: „Du feiges Schwein!“ Manches wiederum wird in beiden Sprachen gesagt. Zusätzlich gibt es die Figur eines Hofberichterstatters, der dem Publikum einiges von dem, was auf Russisch gesprochen wird, zusammenfasst. Dass der Zuschauer genügend, aber nicht alles versteht, ist Kalkül. So wird das Klima der Fremdheit, der Verdächtigung erfahrbar.

Fliegende Hüte auf schwankendem Grund

Weil wieder ein paar Kostüme fertig geworden sind und ihre Probenpremiere erleben, sind auch Gundula Neubauer, die Leiterin der Schneiderei und Kostümbildnerin Irina Pronina bei den Proben dabei. Schauen, ob alles passt. Tut es nicht. Der Schlitz in einem Kleid, stellt sich heraus, ist nicht weit genug hochgeschnitten für die nötigen Tanzschritte. Ein Hut, der geworfen wird, fliegt nicht weit genug. Was kann man ändern? Austattungskoordinatorin Vesna Hiltmann sieht es sich an. Von ihr stammt auch die Hängebühne. Schwankender Grund, hoffentlich werden die Schauspieler bis zum nächsten Freitag nicht seekrank.

Mercutio tot, Probe aus

„Romeo und Julia“ ist nicht nur die erste Spielzeit-Premiere am großen Haus, sondern der vorläufige Abschluss eines über Jahre dauernden, von Bundesgeldern unterstützten Theateraustausches mit Petrosawodsk. Erst inszenierte Sergej Pronin am LTT mit hiesigen Schauspielern das Stück eines russischen Autors („Am Stadtrand“), dann inszenierte Ralf Siebelt in Petrosawodsk mit russischen Akteuren Schillers „Kabale und Liebe“. Nun „Romeo und Julia“. Und der letzte Fechtdurchlauf an diesem Tag. Packend. Mercutio stirbt. Wie im echten Leben. Na ja: Wie im echten Leben auf dem Theater. Peter Ertle

Info: Premiere am Freitag, 8. Oktober um 20 Uhr, weitere Vorstellungen am 9., 10. (16 Uhr), 13., 21., 22., und 23. Oktober um 20 Uhr.

Ein Probenbesuch am LTT: Julia spricht russisch . . .
Von links: Tybalt (Vjacheslav Poljakov), Mercutio (Patrick Schnicke) und Benvolio (Martin Schultz-Coulon).Bild: Faden

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01.10.2010, 12:00 Uhr

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