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Vor 125 Jahren wurde der Turn- und Sportverein Lustnau gegründet

Ein Reck auf der Wiese

Heutzutage wäre es kaum denkbar, dass jemand einen Barren mitten auf die Wiese stellt und damit die Leute begeistert. Im Jahr 1888 ist aber genau das in Lustnau geschehen. Es war der Anfang des Turn- und Sportvereins Lustnau. Am Montag feiert er seinen 125. Geburtstag.

11.05.2013
  • SABINE LOHR

Lustnau. Karl Held muss ein Mann gewesen sein, der nicht lang zauderte, und Ideen, die er für gut befand, einfach in die Tat umsetzte. Der Unterlehrer war begeisterter Turner. Zu seiner Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts, war das nichts Ungewöhnliches: Turnen war damals ein Volkssport.

Karl Held jedenfalls fand es offenbar nicht gut, dass es in Lustnau so gar keine Gelegenheit zum Turnen gab. Am 13. März 1888 verwandelte er deshalb kurzerhand den alten Friedhof bei der Kirche in einen Turnplatz. Er ließ zwei Barren und ein Doppelreck aufstellen. Und weil aus der alten Kirche noch viel Holz übrig war, ließ er aus einem dicken Eichenbalken ein Turnpferd zimmern. 55 turnbegeisterte Jugendliche kamen und probierten das neue Angebot aus. Am Abend dann lud Karl Held in den „Ochsen“ ein. Der wurde ziemlich voll: 77 Gäste kamen und gründeten den „Turnverein Lustnau“.

Der Verein wuchs rasch, richtete nach neun Jahren schon das erste Gauturnfest aus und schloss sich dem Deutschen Turnerbund an. 1914 jedoch war es mit der Einigkeit vorbei. Einigen Turnern passte das zunehmend militaristische und nationalistische Gebaren der anderen nicht mehr. Die sozialdemokratisch gesinnten und gegen den Krieg eingestellten Mitglieder wollten mit dem Turnerbund nichts mehr zu tun haben und gründeten die „Freie Turnerschaft“. Die wiederum war Mitglied im Arbeiter-, Turn- und Sportbund ATUS, den Arbeiter 1892 in Gera gegründet hatten – als Reaktion auf das Verbot sozialdemokratischer und sozialistischer Organisationen.

Von den Nazis gleichgeschaltet

In Lustnau verstanden sich die Mitglieder der beiden Turnvereine offenbar gut. So jedenfalls ist es in der Chronik nachzulesen, die jetzt zum 125. Bestehen zusammengestellt wurde. Dennoch kam es nach dem Ersten Weltkrieg zu keinem Zusammenschluss.

1933 wurde der Turnverein von den Nazis wie alle Organisationen gleichgeschaltet: Die Vorsitzenden wurden abgesetzt und durch einen „Vereinsführer“ ersetzt, der auch die Mitarbeiter ernannte. Die Freie Turnerschaft wurde verboten.

Sport jedoch war den Nazis wichtig, und so bestand der Verein die ganze Naziherrschaft hindurch, sogar eine Leichtathletik- und eine Handballabteilung wurden gegründet. Auch Schwimmen und Fußball gab es, und einige Mitglieder nahmen 1938 beim Turnfest in Breslau teil.

Nach dem Krieg war es zunächst vorbei mit dem Turnen: Es wurde schlicht verboten. 1946 gründeten einige der Sportbegeisterten Lustnauer aber einen neuen Verein, den „Sportverein Lustnau“, in dem vor allem gekickt wurde. Noch im selben Jahr entstand, wieder im „Ochsen“, der „Turn- und Sportverein Lustnau“, eine Wiedergründung des alten Turnvereins.

Einen richtigen Sportplatz hatten die Lustnauer jedoch nicht. Ganz zu Anfang, als Karl Held den Verein gegründet hatte, turnten die Lustnauer auf dem Platz vor der Kirche, später dann in den Garagen des Brauereibesitzers Heinrich, im Gemeindehaus an der Pfrondorfer Straße, in einer Scheuer im Bebenhäuser Tal und im Kohleschuppen der Firma Riekert. Die Freien Turner übten in der Möckschen Fabrik, später in der Säge. Schon seit 1926 gab es Pläne für eine Turnhalle, 1934 wurde sie schließlich gebaut – sie ist bis heute die Übungshalle aller TSV-Abteilungen.

Ein erster Sportplatz vor der Egeria

Etliche Jahre später bekam der Verein dann endlich auch einen Sportplatz. Zwischen der Frottierweberei Egeria und dem Neckar planierten Vereinsmitglieder einen Platz, später begannen sie dort auch mit dem Bau eines Vereinsheims. Doch 1957 verkaufte die Stadt das Gelände an die Egeria, die anbauen wollte. Ein Jahr später begann die Stadt dafür mit dem Bau des Stadions und des Sportheims. 1960 und 1961 waren beide fertig.

Ein Reck auf der Wiese
Der TSV Lustnau feierte 1952 seinen neuen Sportplatz vor der Egeria (im Hintergrund). Wenige Jahre später war der Platz wieder weg. Bild: TSV Lustnau

Auf den Tag genau 125 Jahre nach der Vereinsgründung durch Karl Held feiert der TSV seinen Geburtstag, am Montag, 13. Mai, von 18 Uhr an in der Lustnauer Turn- und Festhalle. Grußworte gibt es vom Vorsitzenden Albert Füger, von OB Boris Palmer und den Sportfachverbänden. Die Festrede hält Rainer Brechtken, der Vorsitzende des Deutschen Turner-Bundes. Der „gesellige Abschluss“ wird von einer Power-Point-Show begleitet. Viele Bilder sind auch in der über 120 Seiten dicken Festschrift enthalten, die an diesem Abend zu haben ist. Darin gibt es auch einen ausführlichen Rückblick auf die Vereinsgeschichte.

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11.05.2013, 12:00 Uhr

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