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Dokumentation

Ein Retter namens Clover

Das ZDF dreht mit der Rettungshundestaffel Ulm eine Doku über Flächen- und Trümmersuchhunde. Die Ausstrahlung ist für Pfingstmontag 2017 geplant.

21.10.2016
  • HELGA MÄCKLE

Alb-Donau-Kreis. Lässig klettert Clover in das Rettungsboot der Feuerwehr Rottenacker. Kameramann Thomas Bresinsky folgt der weißen Schäferhündin und ihrer Führerin Amrei Groß, bis sich Clover auf die kleine Plattform des Boots setzt, das auf dem See bei Rottenacker (Alb-Donau-Kreis) schaukelt. „Das machen wir nochmal“, sagt Bresinsky, die Kamera auf der Schulter. Beim zweiten Mal sind er und Regisseurin Daniela Agostini zufrieden. Die zehn Monate alte Clover und Amrei Groß von der Rettungshundestaffel Ulm sind zwei von vier Hauptakteuren eines Films über die Ausbildung zum Rettungshund. Das ZDF dreht die 45-minütige Dokumentation derzeit in der Region, die am Pfingsmontag 2017 ausgestrahlt wird. Auf dem See soll gezeigt werden, wie der junge Hund die Ortung eines Menschen im oder am Wasser lernt. Ebenfalls dabei sind Nina Neuburger und ihr Hund Baccardi. Der fünf Jahre alte Golden Retriever führt vor der Kamera all das vor, was Clover noch lernen soll. „Bac“ wie seine Führerin ihn ruft, ist ein erfahrener Rettungshund mit vielen Einsätzen.

Schon am Morgen hat das Film-Team Clover und ihr Frauchen beim Gassi-Gehen in Altheim/Alb gefilmt, wo Amrei Groß wohnt. Wieder und wieder mussten sie den Feldweg entlang laufen. „Und ich musste meinen Hund auch beim 15. Mal noch genauso euphorisch loben wie beim ersten Mal“, erzählt die 28-Jährige und lacht. Nach drei Drehtagen gehen Hund und Mensch ganz entspannt mit den Wiederholungen, Perspektivwechseln und Pausen für technische Umrüstungen um.

Der Kontakt mit dem ZDF-Team kam Anfang des Jahres zustande. Damals drehte Daniela Agostini „Das geheime Leben unserer Hunde II – Profis auf vier Pfoten“: Darin wurden ein Hütehund, ein Blindenhund und ein Rettungshund bei ihren Aufgaben gezeigt (der Film ist in der ZDF-Mediathek abrufbar). Amrei Groß und Nina Neuburger waren dafür im März 2016 mit Anouk – Groß' ausgebildetem Rettungshund – und Baccardi zu Dreharbeiten in Hamburg. Clover war auch dabei – damals zehn Wochen alt.

Von Natur aus fernsehtauglich

Clover sei „von Natur aus fernsehtauglich“, findet Daniela Agostini, die nach eigenen Worten beeindruckt war, wie der drollige Welpe im Hamburger Studio durch einen Feuertunnel lief. „Auch wenn sie noch nicht ruhig sitzen konnte.“ Die Regisseurin aus München drehte damals ein paar Szenen mit Clover, einige davon werde sie in dem neuen Film wohl verwenden. Damals entstand die Idee zu zeigen, „wie ein Hund lernt, einen Menschen zu suchen“. Agositini, selbstredend bekennender Hundefan, findet es faszinierend, was Hunde alles lernen und leisten. Daher filmt sie Clover und ihre Fortschritte über ein halbes Jahr lang. Unter anderem einen Tag im Büro von Groß an der Uni Augsburg und zwei Tage in Österreich, denn Clover wird auch zum Lawinensuchhund ausgebildet.

Doch zunächst die „Wasserortung“ am Rottenacker See. Angesichts von Temperaturen um die zehn Grad und Ostwind bekommt man glatt Mitleid mit den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Rottenacker: Drei von ihnen warten in knallroten Neoprenanzügen auf ihren Einsatz als zu suchende Person. Ein zweites Boot fährt den vermeintlichen Vermissten an die andere Seeseite, wo er sich bis zur Brust im Wasser stehend zwischen Weiden und Gestrüpp versteckt. „Naja, geht schon“, sagt Philipp Schweikert, der sich im Anschluss an seinen Wassereinsatz gleich in Jacke, Mütze und Handschuhe mummelt. Sei der Neoprenanzug erstmal mit Wasser geflutet, halte ihn die Körperwärme warm.

Nachdem das „Opfer“ versteckt ist, steigen zunächst Nina und Baccardi samt Kameramann in das eine Boot, Regisseurin Agostini und die Tontechniker Dirk Diedrich und Florian Hoff ins zweite. Dann wird gedreht, wie sich Baccardi während der Fahrt aus dem Boot beugt, die Nase über dem Wasser. Auf der anderen Seeseite angekommen, bekommt Baccardi Witterung des „Vermissten“, und scharrt daraufhin – wie er es gelernt hat – mit den Pfoten.

Es braucht Babypuder

Kann der Hund überhaupt die Witterung aufnehmen, aus welcher Richtung weht der Wind? „Deshalb haben wir immer Babypuder dabei“, erklärt Amrei Groß. Im Anschluss wird die Szene mit Clover gedreht. Frauchen steckt dafür Schinkenwurst-Würfel in die Tasche, zudem hat der „Vermisste“ auf der anderen Seeseite Rindsgulasch bei sich. „Wenn Clover ihn findet, dann muss schon eine ganz besondere Belohnung auf sie warten“, erklärt Groß. Dann geht es rauf aufs Boot und rüber an die andere Seeseite, immer gefolgt vom Boot mit Tontechnikern und Regisseurin. Während das Boot langsam am Ufer entlang gleitet, tippelt Clover nervös, winselt und jault vor Aufregung. Dann bellt sie laut auf, wedelt mit dem Schwanz. Tatsächlich. Auch sie hat den „Vermissten“ gefunden. Der junge Hund freut sich riesig. Erst recht, als er auf dem Gulasch kaut. Die Szene würde Clover wirklich gerne wiederholen.

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21.10.2016, 06:00 Uhr

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