Der Fischer Issa (Salim Daw) versucht die Damenschneiderin Siham (Hiam Abbass) dazu zu bringen, ihm eine Hose zu ändern.Bild: Alamode




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23.07.2021

Von Dorothee Hermann

Vor der behelfsmäßigen Bushaltestelle wirken Issa (Salim Daw) und Siham (Hiam Abbass), als wären sie aus einem anderen, besseren Leben dort ausgesetzt worden. Der ältere Fischer und die verwitwete Schneiderin kennen sich flüchtig von dem Markt, wo beide ihre Erzeugnisse verkaufen. Nicht nur in der Szene am Straßenrand überstrahlt ihre Würde die armseligen Verhältnisse und speziell die Figuren in den schwarz-weiß gefleckten Uniformen, die mit ihren Checkpoints allgegenwärtig scheinen.

Nachdem Issa statt der üblichen silbrigen Fische die antike Statue eines Liebesgotts aus dem Meer gezogen hat, mit erigiertem Penis ein Manifest der Liebe, geraten die Verhältnisse in Bewegung. So etwas darf nicht offen gezeigt werden. Und obwohl das dem Fischer sehr bewusst ist, gerät er ins Visier der Ordnungskräfte, während zugleich seine eigenen Sehnsüchte stärker werden: Issa ist heimlich in Siham verliebt und probiert erst noch aus, wie aus der Bewunderung aus der Distanz vielleicht mehr werden könnte.

Das palästinensische Regie-Duo Tarzan und Arab Nasser zeigt die festgefahrene Situation im Gazastreifen mit viel Humor und der Symbolkraft kleiner Gesten. Kameramann Christophe Graillot fängt das Leben im trüben Licht der Stromausfälle in schattigen Blau- und Grautönen zugleich ironisch und atmosphärisch ein. Der Film hatte beim Arabischen Filmfestival Tübingen-Premiere.

Die Schneiderin und der Fischer gehören zu einer Generation, für die Auswandern keine Option ist. Ganz anders sieht das für Sihams urbane Tochter Leila (Maisa Abd Elhadi) und Issas jüngeren Kumpel Samir (George Iskandar) aus. Doch die Fünf-Länder-Koproduktion (Palästinensergebiete, Frankreich, Deutschland, Portugal, Katar) feiert die Macht des Träumens und den Widerstand durch Genuss: Issa hält auf sich und fordert in der überfüllten Polizeizelle die Möglichkeit ein, sich zu waschen. Nebenbei entlarvt er auf diese Weise, wie sehr die Herrschenden nicht einmal menschliche Grundbedürfnisse anerkennen. Er brät sich Fische (ein Mann, der kochen kann), und er schafft es, sich trotz aller widrigen Umstände sogar neu zu verlieben. (Ab 12; Museum)

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Erstellt:
23. Juli 2021, 20:07 Uhr
Aktualisiert:
23. Juli 2021, 20:07 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2021, 20:07 Uhr

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