Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ganz unten

Ein Sonntagsausflug auf Umwegen

Warum in die Ferne schweifen? Wieder mal die Solitude – zunächst knapp verfehlt. „Je ne suis jamais seul avec ma solitude“, fällt mir dabei immer ein. Moustaki, der griechisch-französische Chansonnier, nie allein mit seiner Einsamkeit.

15.12.2014
  • Ernst Bauer

Also wir, zu zweit, neulich sonntags: einfach mal losgefahren. Und direkt vor den Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen gelandet.

Das kam so: Wir fuhren direkt von Heslach, wo die „Lift“-Tochter jetzt wohnt, hinauf durchs Kaltental. Aber da kam dann plötzlich nichts mehr. Nur ein Amerikaner, der mit seinem Hund spazieren ging. No, er spreche nicht deutsch. Aber so viel verstand ich noch: Die Solitude, die sei nicht hier – sondern irgendwo da hinten, weit hinter dieser Siedlung, den Kasernen, wo drei GIs am Tor kontrollierten und für uns Sonntagsausflügler aus dem Süden alle Wege erst einmal endeten. Das Eucom, das europäische Kommando der US-Streitkräfte, las ich später im Netz, befindet sich genau hier. Und die NSA hat ihr Europahauptquartier ebenfalls in diesen Barracks.

Weiter östlich, inzwischen den Navi angeworfen, auf der Autobahn kilometerweit Richtung Pforzheim gefahren, das kann doch gar nicht sein, irgendwo sind wir falsch hier; abrupt nach Leonberg abgebogen, über die Schillerhöhe, Bosch-Zentrale, Gerlingen, schließlich doch noch auf Schloss Solitude angekommen. Da gibt es sogar eine Busverbindung vom Hauptbahnhof aus.

Auf den schnurgeraden Alleen und Wegen durch den Wald pflegen sogar Verkehrsminister spazieren zu gehen, wie ich beobachten konnte. Schillers Vater hatte sie einst angelegt, samt wundersamer, leider verschwundener Irrgärten für die Feste des Herzogs.

Von wegen Solitude. Viel Volk unterwegs. Und manche kurven um die Ecke, als gäbe es hier noch die legendäre Rennstrecke – den Solitudering, auf dem Anfang der 1960er tatsächlich noch Formel-1-Rennen stattfanden. Dan Gurney, Joakim Bonnier, Graf Berghe von Trips hießen die Heroen jener Jahre. In einem der pittoresken Kavaliershäuschen wohnte John Cranko. Im Künstlerhäuschen von Fritz von Graevenitz entdecke ich mein geliebtes Inselbad-Walross aus Untertürkheimer Kindertagen. War doch noch ein ganz netter Ausflug.

Kurz zuvor sind wir bei ähnlicher Gelegenheit – als auf den Fildern schon alles verstopft, die B27 dicht war – den schnurgeraden Spazierweg am Ende der Landebahn entlang gewandert, Via avia, gesäumt von Krautköpfen. Warum immer den direkten Weg nehmen? Warum nicht mal über Strümpfelbach, wo die Werke des Bildhauers Fritz Nuss die Weinbergwege zieren und ein „Sonnenbesen“ lockt? Der Umweg ist das Ziel. Es soll Leute geben, die verfransen sich schon zwischen Derendingen und Lustnau. Wir sind jedenfalls wieder glücklich zu Hause im Steinlachtal angekommen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

15.12.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball