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Italien

Ein Stern namens Luigi Di Maio

Der Spitzenkandidat der „Grillini“ für das Amt des Ministerpräsidenten stemmt sich gegen Politikverdrossenheit. Er steigt gegen Berlusconi in den Ring.

02.03.2018
  • BETTINA GABBE

Rom. Der Anzug sitzt. Luigi Di Maio, 31 Jahre, kurzes Haar, blütenweiße Hemden, einladendes Lächeln, macht in italienischen Talkshows derzeit eine gute Figur. Er ist smart, antwortet besonnen, gestikuliert unauffällig, fast schüchtern. Ein Schwiegermutterliebling, ausgerechnet als Spitzenkandidat für die Fünf-Sterne-Bewegung. Für ihn ist das kein Widerspruch. „Ich möchte betonen, dass die Fünf Sterne nichts mit irgendwelchen populistischen Parteien in Europa zu tun haben“, sagt er.

Das kommt an. In einem fast inhaltsleeren Wahlkampf hat Luigi Di Maio es geschafft, als einsamer Stern am Himmel der politikmüden Italiener zu leuchten. Der von Beppe Grillo gegründeten Partei „Fünf Sterne“ trauen Umfragen bis zu 28 Prozent der Wählerstimmen zu. Damit dürfte sie noch vor den Demokraten stärkste Kraft im Parlament werden. Kurz vor der Parlamentswahl sieht es damit so aus, als ob Di Maio nach zwei Studienabbrüchen und einem Job als Platzanweiser im Stadion nun beste Chancen hat, italienischer Ministerpräsident zu werden.

Sein Hauptkonkurrent ist derzeit der 81-jährige Silvio Berlusconi, den Beppe Grillo mal als „Psychozwerg“ bezeichnete. Der ehemalige Ministerpräsident darf zwar als verurteilter Steuerhinterzieher selbst nicht mehr für das Amt kandidieren, möchte aber seine Partei Forza Italia mit Hilfe einer rechten Koalition zum Sieg führen. Das Duell um das höchste Amt in Italien fechten ein Totgeglaubter und ein Politik-Anfänger aus. „Die Politikverdrossenheit wächst“, sagt der Politikwissenschaftler Roberto D'Alimonte von der römischen Uni LUISS. Beppo Grillo setzte mit seinem Feldzug gegen das Establishment vor acht Jahren genau da an. Heute hat die daraus entstandene Fünf-Sterne-Bewegung rund 500 000 Mitglieder und steht weder rechts noch links. Sie ist „eine postideologische Bewegung“, sagt Di Maio. Sie ist populistisch, sagen andere. Flexibel wie keine andere Partei punkten die „Grillini“ bei jungen Italienern ebenso wie bei enttäuschten Rentnern und einer von Zukunftsängsten geplagten Mittelschicht.

Tatsächlich verspricht die Partei ihren Wählern das Blaue vom Himmel: einen Einreisestopp für Mittelmeerflüchtlinge, höhere Renten, ein Grundeinkommen. Um die Finanzierung macht sich niemand ernsthaft Gedanken. Die Beobachtungsstelle für öffentliche Finanzen rechnet vor, dass weniger als die Hälfte der 105 Milliarden Euro, die die Grillo-Partei ausgeben möchte, gedeckt sind.

Um die Versprechen von Berlusconi steht es kaum besser. Für seine Einheitssteuer, die Verdoppelung der Mindestrenten auf 1000 Euro und die Abschaffung der KfZ-Steuern fehlen 55 der nötigen 140 Milliarden Euro.

Fragt man Di Maio, ist die Wahl bereits gelaufen. Er verweist gerne auf den ebenfalls 31-jährigen Bundeskanzler Österreichs und inszeniert sich als sicherer künftiger Ministerpräsident. Per E-Mail ließ er Staatspräsident Sergio Mattarella bereits seine Kabinettsliste zukommen. Ministerpräsident Paolo Gentiloni kommentierte diesen Schachzug als „surreales Festival“.

Dabei hat Italien Probleme genug, die man angehen könnte. Zum Beispiel die Rekordverschuldung des Landes, die sich auf sage und schreibe 132 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beläuft. Doch weder die Verschuldung noch die hohe Arbeitslosigkeit spielten im Wahlkampf eine nennenswerte Rolle.

Großer Verlierer in diesem Spiel der leeren Versprechen dürfte wohl Matteo Renzi werden. Der Ex-Ministerpräsident wollte nach der Niederlage bei der Volksbefragung über seine umfassende Verfassungsreform wieder die Regierung stellen. Doch aus dem allseits beliebten „Verschrotter“ der alten Eliten ist inzwischen der meistgehasste Politiker Italiens geworden.

Falls das Bündnis um Berlusconis Forza Italia die 40-Prozent-Marke zur Regierungsbildung verfehlen sollte, könnte Renzi als Juniorpartner in einer großen Koalition ins Spiel kommen.

Oder seine Demokraten bilden mit der Fünf-Sterne-Bewegung eine Allianz gegen die Rechtsparteien – wenn die „Grillini“ nicht selbst mit der Forza Italia koalieren möchten. Als „postideologischer“ Bewegung stehen ihnen ja alle Bündnisse offen.

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02.03.2018, 06:00 Uhr

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