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Stadtarchiv erinnerte an die erste Grieshaber-Ausstellung

Ein Trumbscheit Natur

Reutlingen. 1909 wurde HAP Grieshaber geboren. 1959 zeigte die Stadt Reutlingen im Spendhaus erstmals eine Auswahl seiner Werke. Mit einer Ausstellung erinnerte das Stadtarchiv 50 Jahre später an jene Jahre, die der Archivar Gerald Kronberger im nachfolgenden Text beschreibt.

26.02.2009
  • Gerald Kronberger, Stadtarchiv Reutlingen

Eine gedrängte Auswahl aus dem damals bereits beachtlichen Œuvre des 50-jährigen Künstlers konnte vom 22. Februar bis zum 15. März 2009 im Dachgeschoss des Spendhauses im Herzen der Altstadt bewundert werden. Das Spendhaus war zu jener Zeit noch zusätzlich Domizil von Stadtbücherei und Naturkundemuseum.

Die zweite Hälfte der 1950er Jahre war jene Phase, in der sich Grieshaber als bedeutender Künstler der Moderne durchsetzen konnte. Eine Professur an der Kunstakademie in Karlsruhe von 1955 bis 1960, der Oberschwäbische Kunstpreis 1957, aber auch Ausstellungen in Amsterdam 1958 oder Venedig 1959 machten ihn zu einem Kunstschaffenden von internationalem Format.

Gelebt hat der Holzschneider denkbar bescheiden in seinem Gartenhaus am Abhang der Achalm (auf Eninger Markung), das er sich in den entbehrungsreichen Jahren der Nachkriegszeit zur dauerhaften Wohn- und Schaffensstätte ausgebaut hatte. Von hier aus konnte er nach Reutlingen auf die – wie er sie gelegentlich nannte – „Pfeffersäcke im Tal“ oder die „Wilhelmstraßenkrämer“ herunter blicken.

Die Reutlinger entwickelten zunächst mehrheitlich Unverständnis für solch ungewohnte Wohn-, Lebens- und Kunstformen. Noch als sich 1958 der Tübinger Professor und Picasso-Kenner Wilhelm Boeck sich um einen Zuschuss für eine in Deutsch, Englisch und Französisch erscheinende Grieshaber-Monographie bei der Stadt bemühte, lehnte dies der zuständige Gemeinderatsausschuss fast unisono ab. Allein Oberbürgermeister Oskar Kalbfell, der selbst mit Vorliebe Landschaften aquarellierte, hatte für eine städtische Beteiligung plädiert: „HAP Grieshaber habe sich mit zunehmenden Alter geläutert und seine Kunst sei nicht mehr so sehr abstrakt wie sie früher gewesen sei.“

Auch bei der schließlich zustande gekommenen Jubiläumsausstellung 1959 lief nicht alles reibungslos. Ursprünglich hatte Grieshaber seinen Geburtstag, den 15. Februar, als Eröffnungstermin zugesagt. In einem recht eigenmächtig formulierten Brief an Kalbfell vom 21. Dezember 1958 verschob er diesen um rund eine Woche, betonte abschließend, keine weiteren Wünsche zu haben und hakte wegen der Beförderung der Kunstwerke nach: „Welche Transportmittel für das Konvolut soll man nehmen? Ihre Überschau, verehrter Herr Oberbürgermeister, möchte eine Hilfe sein.“

In einer Wandvitrine vor seinen Diensträumen im Rathaus-Erdgeschoss präsentierte das Stadtarchiv Briefe HAP Grieshabers aus den Jahren 1958 bis 1962 an Reutlingens langjährigen Nachkriegsoberbürgermeister.

In einer weiteren Vitrine waren ausgewählte Dokumente zum „Sturmbock“ im 1966 eingeweihten Reutlinger Rathaus ausgestellt. Mit dem 12 Meter langen Holzstamm und seinen Motiven der (Stadt-)Geschichte war Grieshaber endgültig ins Zentrum von Reutlingen vorgestoßen. Er selbst hatte es so formuliert, dass das neue Rathaus mit seiner „kühnen Architektur aus Beton und Glas geradezu nach so einem Trumbscheit Natur schrie“.

Grieshaber jedenfalls hat dem markanten Verwaltungsneubau seinen Stempel mit aufgedrückt und war in den Folgejahren – bis zur Einrichtung des Spendhauses als reines Kunstmuseum 1989 – hier rund ein halbes Dutzend Mal mit eigenen Ausstellungen vertreten. Die kleine Archivalienschau mit dem Titel „HAP Grieshaber (1909-1981) – Fotografien und Briefe“ wurde ergänzt durch zwei weitere Vitrinen, in denen ausgewählte Aufnahmen der 1950er und 1960er Jahre aus der Fotosammlung des Stadtarchivs zu sehen waren: nicht zuletzt Porträts des Reutlinger Fotografen Carl Näher.

Ein Trumbscheit Natur
Im November 1965 wurde der von HAP Grieshaber geschaffene „Sturmbock“ von der Firma Danzer zum Reutlinger Rathaus transportiert und dort von einem Spezialkran in den Neubau gehoben.

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26.02.2009, 12:00 Uhr

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