Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Ein Unikat

Bob Marley ließ sich mit ihr begraben, Paul McCartney und Jimmy Hendrix spielten sie mit links, Pete Townshend zerschmetterte sie auf der Bühne und B.B.King gab ihr den zärtlichen Spitznamen „Schwarze Lucille“. Von wem hier die Rede ist? Von des Musikers wohl leidenschaftlichster Geliebten: Der Elektro-Gitarre. In Hamburg gibt es einen, der mit ähnlicher Leidenschaft diesem Instrument verfallen ist: Alex Fink, der Gitarren und Bässe baut.

12.07.2012
  • Bettina Puth

Im Rampenlicht steht er nicht gern. Wenn es um den Auftritt auf der Bühne geht, lässt Alex Fink lieber anderen den Vortritt: den Gitarren und Bässen, die er seit vielen Jahren mit viel Leidenschaft baut. Der gebürtige Schwabe aus Kirchentellinsfurt lebt heute in Hamburg. Hier befindet sich auch seine Werkstatt, ganz in der Nähe des Bahnhofs Altona in einem ganz normalen Wohnviertel, wie es sie in jeder Großstadt gibt. Ein kleines Emailleschild an der Tür weist den Weg. „Guitar Crazy Custom Guitars“ steht darauf: verrückte Gitarren – das klingt vielversprechend. Im oberen Stockwerk der Werkstatt hängen einige Gitarren an der Wand. Hier kann der Kunde ausprobieren, welches Instrument ihm liegt. Das eigentliche Herzstück, die Werkstatt selbst, liegt ebenerdig.

Seit seinem 14. Lebensjahr bastelt und schraubt Alex Fink an Gitarren herum, um, wie er sagt, „mehr über ihr Innenleben zu erfahren.“ An den Auslöser seiner bis heute andauernden Passion für Bässe und Gitarren kann er sich genau erinnern. „Als ich Alice Cooper mit seinem Song ‚School’s out‘ hörte, war für mich sofort klar, so eine Elektrosäge brauche ich“, erzählt Fink.

Klar war, was das für eine „Säge“ sein sollte: die von Sweet-Gitarrist Andy Scott. Doch wer konnte den Wunsch erfüllen? Mit einem Bild bewappnet, ging der Enkel zu seiner Oma, die ihm diesen Herzenswunsch erfüllen sollte. Doch als sie im Fachhandel erfuhr, was das gute Stück kostet, stolze 3 500 Mark, entschied sich die alte Dame – ganz Schwäbin – für eine kostengünstigere Variante.

Damals versucht Fink, das Beste „aus dieser blöden Schrammel“ zu machen. Leider mit wenig Erfolg. Doch der junge Musiker ließ sich von diesem Rückschlag nicht beeindrucken. Schon bald spielte er mit einer anderen Gitarre und seiner Band „Fuck life“ zum ersten Mal vor Publikum. Ort des Geschehens war ein Festival auf der Uhlandhöhe in Reutlingen. Reutlingen besitzt für ihn heute noch eine große Bedeutung. Hier befindet sich laut Fink nach wie vor das „Mekka für Musiker“: Der Musikladen von Max Herfert. „Herferts Laden war und ist ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben“, so Alex Fink.


Vom Tischler zum Meister des Tons

Nach der Schulzeit machte Alex Fink eine Tischlerlehre, die er 1979 abschloss. Ein wichtiges Ereignis hielt ihn davon ab, eine Ausbildung als Gitarrenbauer in der Schweiz zu beginnen: Die Geburt seiner Tochter Isa. Der junge Papa blieb in Deutschland und tourte mit unterschiedlichen Bands durch die Lande. Zuerst als Bühnenhelfer, später als Licht- und Tontechniker. „Irgendwann einmal durfte ich dann auch die Gitarren der Musiker in die Hände nehmen und reparieren“, erinnert sich Fink.

Er begleitete in dieser Zeit Rock-Bands wie „Schwoißfuas“ und „Grachmusikoff“. Durch Europa ging es unter anderem mit „Saga“, der „Kleinen Tierschau“ und „New Model Army“. Fink meint über diese Zeit: „Das waren tolle und interessante Jahre“. Nach der Geburt seines Sohnes Max, entschloss er sich, mit dem Touren aufzuhören und verlagerte sein Schaffen nach Stuttgart. In den ganzen Jahren galt seine Leidenschaft neben der Musik nach wie vor dem Bauen und Reparieren von Gitarren.

Vor ungefähr zwölf Jahren suchte Alex Fink neue Wege, um sich persönlich weiterzuentwickeln. Er absolvierte eine Shiatsu-Ausbildung und vertiefte sein Wissen über „Visionäre Craniosacrale Arbeit“ in diversen Lehrgängen in der Schweiz, Österreich und Italien. Unter visionärer Craniosacralarbeit ist eine beruhigende und sanfte Heilbehandlung mit den Händen zu verstehen. Wer glaubt, diese Ausbildung hätte nichts mit seinem vorherigen Schaffen zu tun, der irrt. „Mit der Ausbildung eng verknüpft ist das Fühlen und Verstehen von Schwingungen eng verknüpft. Auch eine Gitarre schwingt.“

Ein weiteres Fortbildungsseminar in der Schweiz ist noch in diesem Jahr geplant. In einem der Kurse lernte Alex Fink seine heutige Lebenspartnerin kennen. Vor vier Jahren zog er zu ihr nach Hamburg. In seiner ersten Zeit in der Hansestadt reparierte er in einer kleinen Garage, wie sollte es auch anders sein, Gitarren von Freunden und Kollegen. Der Umzug in die jetzigen Werkstatt-Räume brachte den dringend benötigten Platz.

Wie eine gute Ehe

Nach den wichtigsten Pfeilern beim Gitarrenbau gefragt, erklärt Fink: „Maßgeblich für Klang und Qualität ist natürlich das verwendete Holz. Eine wichtige Rolle spielen weiterhin die eingebauten mechatronischen Bauteile, also Bauteile aus Elektronik, Informationstechnik und Mechanik sowie der Lack. Das Holz für die Instrumente stammt zum Teil aus dem Holzhandel. Doch der andere Teil des Holzes ist von Bäumen, die ich kenne“, sagt der Wahl-Hamburger und fügt schmunzelnd hinzu »persönlich kenne.“ Schließlich besitzt er ein Grundstück, auf dem es einen kleinen Baumbestand gibt. Zu den geeigneten heimische Sorten zählen Ahorn, Fichte, Esche und Erle. Importierte Holzarten sind Honduras Mahagoni, Palisander oder Sumpfesche.

Ist das passende Holz ausgewählt, geht es zum Sägewerk. Hier werden die Bäume nach Anleitung von Fink zugeschnitten. Dann muss das Holz noch fünf bis sechs Jahre lagern. „Nach der Lagerzeit gilt es, die Stücke zusammenzusuchen, die miteinander am besten harmonieren – eben wie in einer guten Ehe“, so Fink.

Ist diese Entscheidung gefallen, steht der Korpus. Für die Tonabnehmer (pickups), hat Alex Fink einen guten Partner gefunden: „Andreas Kloppmann ist einfach eine Koryphäe, wenn es um Pickups geht“. Nach der Weiterbearbeitung geht es in die eigene Lackiererei, die sich in einem separaten Raum befindet. Je nach Kundenwunsch lässt sich die Optik derart gestalten, als ob das gute Stück schon einige Jahre auf dem Buckel hat. „Aging“ nennt der Fachmann das. Oft kann Alex Fink es gar nicht abwarten, bis der Lack endlich getrocknet ist und er sein Werk vollenden kann. Auf ein solches Meisterstück muss der Kunde ungefähr vier Monate warten.

Der kleine Unterschied

Was unterscheidet Alex Fink von anderen? „Ich mache meinen Beruf vielleicht etwas anders als andere“, erklärt er. „Meine Instrumente sind bewusst subjektiv und nach eigenem Geschmack gebaut“. Fink ist von seinem Können überzeugt. Er weiß: „Ich baue Gitarren, die zum jeweiligen Typ passen. Ich treffe den Nerv.“

Die Gitarren aus „Guitar Crazy Custom Guitars“ besitzen optisch klassische Formen, doch alles andere ist hochmodern. „Wir leben heute in 2012. Es gibt neue Materialien und andere Verbindungstechniken. So bieten sich einfach viel mehr Möglichkeiten, als noch vor 40 Jahren“, sagt Fink, der momentan an eigenen Modellen arbeitet.

Auf die Frage nach berühmter Kundschaft gibt sich der sympathische Ex-Schwabe eher bescheiden: „Alex Auer von Xavier Naidoo und Jürgen Scholz von der Klaus Lage Band. Mehr Namen braucht es nicht“. Auch hat er keinen Wunschkandidaten, für den er unbedingt einmal eine Gitarre bauen möchte. Fink ist es lieber, ein Musiker kommt zu ihm und lässt sich beraten. „Wenn die Chemie stimmt, man sich gegenseitig akzeptiert, dann setzen wir uns zusammen und erarbeiten die passende Gitarre“, so Fink. „Das Entstehen und Fertigen einer Gitarre, ist beinahe wie die Geburt eines Kindes. Die Eltern, in diesem Falle der Kunde und ich, sind danach glücklich und strahlen.“

Ein Unikat
Alex Fink, versunken in seine Arbeit. Er restauriert auch ältere Modelle und erneuert mechatronische Elemente. Die Gitarre dankt es ihm mit neuem Sound.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.07.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball