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Tübingen: Germany’s next Topcity?

Ein Vorschlag zum Tourismus-Konzept

Bei allen Bemühungen, Tübingen touristisch voranzubringen, bei allen Überlegungen, wie die Unistadt am besten Germany’s next Topcity und Weltkulturerbe werden könnte, irritiert es doch, wie wenig der begehbaren Marmormöse dabei irgendeine Rolle zugedacht wird. Seit elf Jahren steht sie dort oben, vor dem Eingang des Instituts der Mikrobiologen und Virologen, geschaffen von dem renommierten Künstler Fernando de la Jara.

01.08.2012
  • Peter Ertle

Sie ist weder obszön, frivol oder schlüpfrig, noch ein medizinisch-wissenschaftliches Ungetüm im Dienste der Aufklärung und Vorsorge, wie das manchmal, an Medizintagen, bei aufgestellten begehbaren Mastdärmen oder Herzen der Fall ist, nein, es handelt sich eindeutig um ein Kunstwerk. Ein 120.000 Euro teures, denn so viel kostete die Skulptur.

Als sie aufgestellt wurde, sorgte sie kurz für Irritation, seitdem spricht niemand mehr über sie. Das ist schade. De la Jara, der große Achtung vor Frauen hat, dachte sich die Vulva als Tor zur Welt. Die Skulptur trägt den offiziellen Namen „Chacàn“. In der Sprache der peruanischen Indios heißt das „Liebe machen“. De la Jaras „Chacàn“ ist quasi Hölderlins „Diotima“, das müsste man nur werbestrategisch miteinander verbinden.

In keiner anderen Stadt der Welt steht eine Marmormöse, nur in Tübingen, die Stadt hat in dieser Hinsicht ein Alleinstellungsmerkmal. Doch ist sie in keiner Broschüre zu finden. Touristen werden nach Bebenhausen gelotst, in den Hölderlinturm, in den Karzer, sie besuchen die Kunsthalle, vielleicht sogar das Französische Viertel. Die Marmormöse? Fehlanzeige.

Ist die angeblich weltoffene Stadt doch provinziell und prüde? Während auf dem Theater Vaginamonologe gespielt werden, wird eine Marmorvagina verschämt verschwiegen. Marmorvagina klingt natürlich nicht so gut, bleiben wir lieber bei Marmormöse oder Marmormuschi, wegen der schönen Alliteration Mamomö oder Mamomu.

Man sollte sie stolz herzeigen, am besten umbetten und weithin sichtbar auf den höchsten Hügel stellen, auf dem gegenüberliegenden Hügel einen hoch aufragenden Phallus dazu gesellen, keinen Marmorphallus, sondern, um die Alliteration zu wahren, vielleicht einen phosphoreszierenden Phallus, einen Phopha. Oder, falls man ein bisschen antikisieren will, einen Pan-Penis. Wer’s mit Regionalkolorit will: Einen Siebenschwabenschwanz.

Das weibliche und das männliche Geschlecht als Fruchtbarkeitssymbol. In der Stadt des Geistes. Das wäre einzigartig und schlagartig in allen Medien. Das brächte Touristen! Die Frage wäre, ob man einen Phallus mit oder ohne Vorhaut dort hinstellt. Daran, so ist zu befürchten, könnte derzeit alles scheitern.

Ein Vorschlag zum Tourismus-Konzept

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01.08.2012, 12:00 Uhr

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