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Von der Rampe zum Bahnsteig

Ein alter Plan von 1992 zeigt, wie die Kiebinger künftig zum Zug kommen sollen

Die Verlegung des Kiebinger Bahnsteigs auf die Dorfseite steht wieder in den Sternen. Sie soll erst mit dem Ausbau der Neckartalstrecke für die Regionalstadtbahn erfolgen. Um einen Zugang zum Bahnsteig zu schaffen, ist jetzt wieder ein Plan von 1992 aktuell: Der Weg verläuft über die Rampe auf die Brücke, die künftig über die neue B 28 führt.

05.11.2015
  • Hete Henning

Kiebingen. Die Kiebinger sprechen im Zusammenhang mit dieser Brücke gern vom „Murksbauwerk“, das sie gerne durch eine Tieferlegung der neuen B 28 hinterm Kiebinger Bahndamm verhindert hätten, aber nicht verhindern konnten. Wer von Kiebingen aus ins Neckartal will, muss künftig direkt hinter der Bahnunterführung nach rechts auf eine Rampe abbiegen, diese knapp 100 Meter bergauf laufen oder fahren und dann nach links abbiegen, um in der Höhe die neue Bundesstraße zu überqueren. Genau in dieser Linkskurve sieht ein Plan aus dem Jahr 1992 eine kleine Abzweigung nach rechts zur bestehenden Fußgängerrampe zur Kiebinger Bahnhaltestelle vor.

Dieses Verbindungsstück meinte Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher, als er bei der Ortsbegehung am Montag von einer „Brücke“ sprach, die zum Bahnsteig führen werde. Eine tatsächliche Brücke, und schon gar nicht von der Dorfseite her über den Bahndamm hinweg zum Bahnsteig, war nicht gemeint.

Wie Baubürgermeister Thomas Weigel gestern auf unsere Anfrage erklärte, ist der 23 Jahre alte Plan im Wesentlichen der, der jetzt für die Überbrückung der neuen B 28 bei Kiebingen in der Planfeststellung ist. Weil die Brücke knapp einen Meter niedriger werde, als 1992 vorgesehen, falle die Rampe entsprechend flacher aus: Die Steigung habe nicht mehr sieben, sondern nur noch sechs Prozent. Damit entspricht sie den Bedingungen, die für barrierefreies Bauen im öffentlichen Raum gelten. Rollstuhlfahrer können so eine Steigung aus eigener Kraft meistern.

Dass der alte Plan mit dem Abzweig zum Bahnsteig neue Aktualität gewonnen hat, liegt daran, dass es mit der seit über 20 Jahren geforderten und mehr oder weniger intensiv geplanten Verlegung des Kiebinger Bahnsteigs auf die Dorfseite nun erstmal nichts wird. Vor knapp drei Jahren hieß es noch optimistisch, der Bahnsteig könne bis 2014 auf die andere Seite des Gleises verlegt werden. Seither, sagt Weigel, habe die Stadt rund 240 000 Euro in die Planung gesteckt. Die Kosten für die Verlegung des Bahnsteigs seien von anfänglich 400 000 Euro auf 1,3 Millionen gestiegen.

Große Überraschung für die Stadt

Vor drei Wochen sei die Stadt dann „vollkommen überrascht“ worden, als die Bahn ihr eröffnete, dass das Landratsamt im Zusammenhang mit dem Ausbau der Neckartalstrecke für die Regionalstadtbahn eine Parallelplanung in Auftrag gegeben habe. Der Hintergrund ist laut Weigel der, dass der Kiebinger Bahnsteig für die Regionalstadtbahn ohnehin neu gebaut werden muss, damit die Zustiegshöhen stimmen.

Um eine unsinnige Doppelplanung zu verhindern, werde die Stadt jetzt eine Planungsvereinbarung mit Landkreis und Bahn treffen, dass die Kiebinger Bahnsteigverlegung weiter verfolgt wird, aber eben nicht mehr als städtisches Projekt. Das Feststellungsverfahren solle möglichst schnell abgeschlossen werden, so Weigel. Wann die Stadtbahn und damit der Bahnsteig auf der Dorfseite mit dem sogenannten Ausbaumodul 2 nach Kiebingen kommt, sei jedoch völlig ungewiss.

Kiebingens Ortsvorsteherin Elisabeth Schröder-Kappus findet das „bitter“, denn es sei fraglich, „ob wir das noch erleben“. Die Planer im Rathaus hätten in den vergangenen Jahren zwar ihre Hausaufgaben gemacht und „permanent mit der Bahn verhandelt“. Insgesamt betrachtet habe die Bahnsteigverlegung aber vielleicht klappen können, wenn man sich von Anfang an „mit Hochdruck dahinter geklemmt hätte“, meint die Ortsvorsteherin.

Schröder-Kappus erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass ein Zugang zum Bahnsteig von der Dorfseite her vor allem jenen Kiebingern, die im Osten des Dorfs wohnen, lange Umwege ersparen würde. Viele gingen einfach auf Höhe des Bahnwärterhäuschens über die Schienen. Zum Glück sei da noch nichts passiert.

Dass die künftige Rampe jenseits des Bahndamms weniger steil und deshalb besser ist als die jetzige Rampe zu den Zügen, sei gut, so Schröder-Kappus. Eine ebene Stelle, an der sich Rollstuhlfahrer ausruhen können, fehle aber.

Ein alter Plan von 1992 zeigt, wie die Kiebinger künftig zum Zug kommen sollen
Das ist der Plan für die Überquerung der neuen B28 bei Kiebingen: Die Bahnlinie ist hellviolett eingezeichnet. Gleich nach deren Unterquerung im Zuge der Neckarstraße geht es rechts auf die Rampe zur Brücke über die Bundesstraße. In der Linkskurve (hier zur Verdeutlichung vergrößert) zweigt nach rechts eine gelb eingezeichnete Verbindung zu dem Fußweg ab, der jetzt schon schräg den Bahndamm hinauf zum Bahnsteig führt. Originalplan: Ingenieurbüro Germey/Bearbeitung: Uhland2

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05.11.2015, 12:00 Uhr

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