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Ein bisschen venezianische Magie im Theater Hammerschmiede
Ein märchenhaftes Spiel mit venezianischen Masken haben „Die Setzlinge“ im Theater Hammerschmiede inszeniert. Eine Szene aus dem „Herr der Diebe“ nach Cornelia Funke mit dem Jugendensemble. Bild: Haymann
Kindertheater

Ein bisschen venezianische Magie im Theater Hammerschmiede

Die Jugendgruppe „Setzlinge“ inszenierte Cornelia Funkes „Herr der Diebe“. Gestern war Premiere, am Freitag und Samstag sind weitere Aufführungen.

24.11.2016
  • Ulrich Eisele

Es ist eine märchenhafte Geschichte, ein bisschen wie „Emil und die Detektive“, ein bisschen „Aladin und die Wunderlampe“. Mit ihrem Jugendroman „Herr der Diebe“ gelang der deutschen Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke der internationale Durchbruch, mehrfach wurde sie dafür ausgezeichnet. 2005 erschien der Film zum Buch und auch die Bühnenbearbeitung von Wolfgang Adenberg. Ein Erfolgsstück, das schon viele Male von Schultheatern gespielt wurde.

Und jetzt also von den „Setzlingen“, dem Jugendtheater der Hammerschmiede. Zwölf Mädchen im Alter von elf bis 14 Jahren, manche schon seit Jahren dabei. Nicht zum ersten Mal auf der Bühne. Kein einfaches Stück, viel Text zum Auswendiglernen. Sabine Niethammer und Angela von Gündell haben die Vorlage noch ein wenig gekürzt, und doch: Eineinhalb Stunden lang agieren die zwölf jugendlichen Darstellerinnen auf der Bühne in rasantem Tempo. Bei der Premiere gestern Abend musste die Souffleuse nur ganz selten einflüstern. Schon allein das ist eine große Leistung.

„Der Herr der Diebe“ spielt in Venedig, der Stadt der Paläste, Kirchen, Kanäle, verborgenen Gassen und dunklen Gestalten. Die Stadt der Touristen, Diebe und (Selbst-)Mörder. Dorthin sind die beiden Waisenjungen Prosper (clever gespielt von Luise Herrmann) und Bo (Viviana Scheiper) geflohen, um ihrer hartherzigen Adoptiv-Tante Esther zu entkommen. Sie werden von einer Straßenkinder-Bande aufgenommen, die vom Stehlen lebt und in einem verlassenen Kino haust.

Es würde zu weit führen, die Handlung zu erzählen. Nur so viel: Prosper und Bo haben bald einen Privatdetektiv an den Fersen, Victor, der von Tante Esther und ihrem Mann Max aus Hamburg beauftragt wurde. Victor bringt Spannung in die Handlung, die zusätzlich durch ein märchenhaftes Element gesteigert wird: der Suche nach einem magischen Karrussell, das die darauf Mitreisenden jünger oder älter machen kann.

Das ist Cornelia Funkes eigentliches Thema: das Älterwerden, das manche Kinder kaum abwarten können, weil sie erwachsen sein, endlich tun und lassen können, was sie wollen, und manche Älteren gerne aufhalten würden.

Den „Setzlingen“ gelingt es gut, diesen Roten Faden des Stücks herauszuarbeiten. Sie agieren mit Lust und Begabung, zeigen Sinn für Situationskomik. Sehr überzeugend agiert Anna Niethammer als Privatdetektiv mit Herz, der im Laufe der Geschichte die Seiten wechselt: Erst hilft er/sie der unsympathischen Adoptivtante (komisch gespielt von Savanna Raidt), dann der Kinderbande, sich vor dem Zugriff der Erwachsenen in Sicherheit zu bringen. Mit viel Selbstbewusstsein verkörpert auch Eyline Mutlu den großspurigen Scipio, dessen durchweg erfundene „Herr-der-Diebe“-Fassade von den ihn zuerst hingebungsvoll anhimmelnden Straßenkindern im Laufe des Stücks durchschaut wird.

Dabei agiert die Theatergruppe mit sparsamen Mitteln: In dunkle Mäntel gehüllte Gastalten mit venezianischen Masken rufen bei den den Zuschauern – gestern Abend waren es rund 40 – Erinnerungen an Bilder und Filme von der Lagunenstadt wach. Zwei Reihen Kinosessel hinter einem Paravent verwandeln die Bühne in ein altes Kino. Ein Tisch wird zum Boot und wieder zum Tisch.

Seinen eigentlichen Zauber entfaltet das Stück aus den Dialogen, an denen die beiden Regisseurinnen offenbar lange gefeilt haben. Ein rasantes Stück, bei dem einen die eineinhalb Stunden nicht lang werden.

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24.11.2016, 01:00 Uhr

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