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Wachendorfs Pumpbrunnen sieht nur alt aus

Ein eiserner Geselle

Gerade weil man ihn zunächst leicht übersieht, sieht der Pumpbrunnen gegenüber vom Wachendorfer Schloss auf den zweiten Blick so aus, als müsse er an dieser Stelle unbedingt so aussehen; ja, als habe er an dieser Stelle in dieser Form immer so gestanden. Doch das ist nur zum Teil richtig. Wahr ist wohl, dass neben dem Gasthaus „Zum Adler“ seit Menschengedenken schon immer ein Brunnen sprudelte. Er mag einer jener sechs Pump- oder Ziehbrunnen gewesen sein, die (neben zwei Waschhäusern und einer Wette) fürs Jahr 1865 urkundlich verbürgt sind.

20.10.2000
  • Willibald Ruscheinski

In einer bäuerlichen Gemeinde, die auf der eher trockenen Gäu-Hochfläche lag, war Wasser enorm wichtig: Ehe Wachendorf 1907 an die Starzel-Wasserversorgung drunten im gleichnamigen Tal angeschlossen wurde, wurde an den öffentlichen Zapfstellen nicht nur gewaschen und das Vieh getränkt. Auch das Trinkwasser bezogen die Einwohner bis dahin aus Brunnen.

Robert Probst vom Wanderverein und zwei weitere Senioren, die mit ihm im Dorf ehrenamtlich nach dem Rechten sehen, erinnern sich beim Plausch im Obergeschoss des alten Milchhäuslers an noch mehr: Im Brunnen wurde auch der „Aoschderdaof“ (Ostertauf) geschöpft. Wasser, das man am Osterfest in der Kirche weihen ließ und dann auf den Feldern ausbrachte. Sie sollte es samt der Frucht vor Blitz und Hagelschlag und anderen bösen Wettern schützen.

Übrigens wäre auch der Most früher nicht so leicht verträglich gewesen, wenn man zu seiner Bereitung nicht reichlich Wasser eingesetzt hätte. Weil die Altvorderen nicht über die modernen Pressen von heute verfügten, aber auch nichts verkommen lassen wollten, wässerten sie den Trester nach der ersten Runde und drückten ihn dann noch ein zweites Mal aus.

Den drei Herren im besten Alter fallen auch spontan einige der früheren Brunnen im Dorf ein. Beispielsweise der gleich beim Abzweig der Bieringer Straße: Als „Plotzer“ gab er dem ganzen Platz dort einst den Übernamen. Denn „Plotzen“ heißt im Schwäbischen so viel wie Stoßen oder Schlagen und bezieht sich auf die Bewegung, die der Durstige mit dem Schwengel des Pumpbrunnens vollzieht. Den „Plotzer“ speiste der Überschuss eines weiteren Brunnens etwas weiter oberhalb, am Abzweig Sonnenweg.

Weitere Wasserspender befanden sich in der Trillfinger Straße oder draußen in den Krautländern, dem heutigen Ferienhausgebiet zu. Dort bekam einst jeder verheiratete Einwohner ein Stück Gemeindeland zugewiesen. Und gegossen wurden diese Gemüsefelder mit Wasser aus einem gusseisernen Brunnen mit Pumphebel.

Einem, so Robert Probst, „eisernen Gesellen“ wie jenem, der allein von ihnen nun beim „Adler“ übrig geblieben ist. Es stand dort zwar ein ähnlicher Brunnen wie heute, erinnert sich der ehemalige Starzacher Bauhof-Kapo Hermann Steinmetz, aber es war früher doch ein anderer. Außerdem hätte dem Wasserspender die 1955/57 verlegte Kanalisation fast das Aus gebracht. Als sie fertig war, war auch der Wasserspiegel auf runde zehn Meter Tiefe abgesackt, so dass das „Plotzen“ fast zur vergeblichen Liebesmüh' wurde.

Als Anfang der achtziger Jahre die Schlossstraße samt ihren Wasserleitungen gerichtet wurde, schaffte die Gemeinde für die markante Stelle einen nagelneuen „gusseisernen Gesellen“ im historischen Look an. Und ließ auch bei der mühsam gewordenen Wasserförderung moderne Abhilfe schaffen: Der malerisch ausladende Pumpenschwengel ist seither nur noch Zierrat, nach oben drückt das Wasser eine elektrische Pumpe. Und die stellt ihren Betrieb just dann automa-tisch ein, wenn in Wachendorf die Straßenbeleuchtung angeht.

Ein eiserner Geselle
Außen nostalgisch, innen elektrisch: der Pumpbrunnen an der Schlossstraße in Wachendorf.

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20.10.2000, 12:00 Uhr

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