Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Dario Fo

Ein großer Clown ist tot

Der Autor, Akteur und Aktivist nahm kein Blatt vor den Mund – zum Leid der Mächtigen. 1997 erhielt er den Nobelpreis.

14.10.2016

Von DPA

Dario Fo im Dezember 2015. Gestern starb er 90-jährig. Foto: afp

Mailand. Er bezeichnete sich selbst als Clown – und gewann den Literaturnobelpreis. „Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst“, sagte Dario Fo, als er 1997 die höchste literarische Auszeichnung erhielt. Mit seinem Sprachwitz, als Possenreißer, als Satiriker, als Pantomime wurde Fo weltberühmt. Er war der Ansicht, jede Macht fürchte nichts mehr als Lachen und Spott. Satire sei das schlechte Gewissen der Mächtigen.

Im Alter von 90 Jahren ist der italienische Autor, Komiker, Sänger, Theaterdirektor, Bühnenbildner und politische Aktivist, der bis ins hohe Alter auch malte und zeichnete, am Donnerstag in einem Mailänder Krankenhaus gestorben. Dort war er wegen Lungenproblemen behandelt worden.

„Wir sind Flegel“

Geboren am 24. März 1926 im norditalienischen Sangiano nahe dem Lago Maggiore, wuchs Fo zwischen Fischern, Schmugglern und Geschichtenerzählern auf. Später am Theater verkörperte er lüsterne Päpste, skurrile Politiker und sprachgewaltige Trunkenbolde.

„Wir sind Flegel, und wie allen Flegeln dieser Welt gefällt es uns zu lachen und zu spotten, grotesk, vulgär und manchmal auch possenhaft zu sein“, sagte er. Die Stockholmer Jury würdigte sein hervorragendes Talent als Schriftsteller, „der in Nachfolge der mittelalterlichen Gaukler die Macht geißelt und die Würde der Schwachen und Gedemütigten wieder aufrichtet“, ebenso seine politische und soziale Theaterarbeit. Wegen Beleidigung und Verhöhnung der Mächtigen wurde er aber auch 40-mal vor Gericht geladen, mehrfach gar gleich von der Bühne abgeführt.

Mehr als 70 Stücke hat er mit seiner 2013 gestorbenen Frau Franca Rame geschrieben, mit der er seit Ende der 60er ein eingespieltes Team bildete, auch auf der Bühne. Gut 30 der von der Commedia dell' Arte inspirierten Werke wurden ins Deutsche übersetzt, darunter „Mistero Buffo“ (1969), „Die offene Zweierbeziehung“ (1983) und „Der Teufel mit den Titten“ (1997). Vor drei Wochen brachte Fo noch einen illustrierten Essay über Charles Darwin heraus. dpa

Zum Artikel

Erstellt:
14. Oktober 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Oktober 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2016, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen