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Jubiläum

Ein halbes Jahrhundert im öffentlichen Dienst

Der Empfinger Bürgermeister Albert Schindler war am 1. Dezember seit 30 Jahren kommunalpolitischer Kopf seiner Heimatgemeinde. Und im Dezember 1966 – vor 50 Jahren – startete er als erster „Stift“ des Rathauses seine Karriere.

23.12.2016
  • Reinhard Seidel

Für Albert Schindler ist dieses halbe Jahrhundert im Dienst, das sich heute vollendet, ein noch wichtigeres Jubiläum als seine 30-jährige Amtszeit als Bürgermeister.

Blättern wir zurück: Die Chance, irgendwann in den gehobenen, nichttechnischen Dienst aufgenommen zu werden, erwarb sich Albert Schindler nach dem Besuch der Volksschule in seinem Heimatort durch den Wechsel auf die höhere Handelsschule nach Sulz. Zwei seiner Klassenkameraden waren übrigens Alwin Steimle und Helene Reich, die später bei der Kreissparkasse Karriere machten.

Schindler gehört nach seinen Worten zum einzigen Empfinger Jahrgang, der in allen drei Empfinger Schulgebäuden unterrichtet wurde: Im heutigen Rathaus, im Vereinsheim (Musiker- und Sängerheim) am Weiherplatz (7. Klasse) und im 1963 eröffneten Schulhaus an der Weillindestraße (8. Klasse).

Wie die Jungfrau zum Kind…

Schindler gibt zu, dass er „wie die Jungfrau zum Kind“ zu seinem späteren Beruf in der Verwaltung gekommen ist. Er habe nämlich lange nicht gewusst, was er machen wolle. Ein Kumpel zeigte ihm dann Unterlagen für den gehobenen Verwaltungsdienst. Schindlers Interesse war geweckt.

Er machte im November die nötige Zulassungsprüfung beim Regierungspräsidium (RP) in Tübingen. Schindler bestand und erkundigte sich auf dem Empfinger Rathaus, ob es einen Ausbildungsplatz gäbe.

Der erste Fachbeamte der Gemeinde – es war Bürgermeister Reinhold Köhler, der nach seiner Wahl am 1. September 1966 gestartet war–, fragte seinen Gemeinderat und der sagte „ja“. So wurde der junge Albert Schindler am 1. Dezember 1966 der erste Auszubildende in der Geschichte der Empfinger Gemeindeverwaltung (siehe unten die Erläuterung zum „krummen“ Jubiläumstag). Am 1. April 1967 wurde Wilhelm Stimmler Kämmerer in Empfingen und Schindlers Ausbildungsleiter.

Schindler wird Kämmerer

Von der Pike auf lernte Schindler drei Jahre und vier Monate in Empfingen sein „Handwerk“, ein dreiviertel Jahr war er in dieser Zeit in Ehingen an der Donau. Hinzu kamen Praktika bei der Kreissparkasse und der AOK in Horb.

Anschließend besuchte Schindler von Januar bis 8. Dezember 1971 die Verwaltungsschule in Haigerloch und wurde als Gemeindeinspektor z. A. (zur Anstellung) am 1. Januar 1972 als Nachfolger von Stimmler als neuer Kämmerer von Empfingen angestellt. Eigentlich hatte Schindler eine Zusage vom Horber Rathaus in der Tasche, er tauschte aber mit Stimmler, der aus Ahldorf stammt, nach Horb wechselte und dort bis zu seiner Pensionierung blieb.

Wie war‘s vor 50 Jahren?

Ende 1966 waren auf dem Empfinger Rathaus, so Schindler, fünf Vollbeschäftigte für knapp 2000 Bürger zuständig, im Jahr darauf kam mit Stimmler ein sechster hinzu. Heute agieren neun Vollzeitkräfte auf dem Rathaus, Die Zahl der Einwohner beträgt aktuell gut 4000 Bürgerinnen und Bürger. Die wöchentliche Arbeitszeit lag bei 45 Stunden, heute liegt sie bei 39 Stunden.

Der größte Unterschied, so Schindler, ist aber die fortschreitende Technisierung. Vor einem halben Jahrhundert erledigten die Rathausmitarbeiter alles ohne Computer – manuell, also von Hand. „Stift“ Albert Schindler „durfte“ damals einen ganzen Monat lang Grundsteuerbescheide schreiben. Heute erhält die Gemeinde die Bescheide vom Rechenzentrum komplett ausgearbeitet und sogar schon in Kuverts verpackt. Nur dank der neuen Technik, so Schindler, konnte die Zahl der Mitarbeiter – trotz Verdoppelung der Einwohner – niedrig gehalten werden.

Außerdem, so Schindler „dreht sich das Rad heute einfach schneller“. Früher gab es am Ort eine Baustelle mit einem Volumen von vielleicht 100000 Mark. War sie vollendet, wurde ein Festle gefeiert, das so genannte Wasserfest“. Heute laufen zwei, drei Baustellen mit einem Volumen von einer halben Million Euro parallel. Als Beispiel führt der Schultes die Erschließung der Neubaugebiete „Jörgenbrunnen“ und „Fischinger Weg/Stunga“ ins Feld.

Ungewöhnlich lange Arbeitszeit

Dass eine Person 50 Jahre im gehobenen Verwaltungsdienst arbeitet ist, so Schindler „ungewöhnlich“. Nur „weil es das Schicksal so gewollt hat“, sei er der einzige unter den 84 Männern, die 1971 die Verwaltungsschule in Haigerloch besucht haben, die dies geschafft haben. Von diesen 84 seien 14 gestorben und von den übrig gebliebenen 70 Personen arbeiteten gerade mal noch zwei.

Als so genannter „Laufbahnbeamer“ würde Schindler heute nicht mehr arbeiten, er hätte das Jubiläum nicht erreicht. Dass er es doch geschafft hat, sei dem Umstand geschuldet, dass er als Wahlbeamter bis zum Alter von 68 Jahren im Dienst bleibt. Am Ende des kommenden Jahres kann er sogar die 51 Dienstjahre voll machen. „Wenn’s normal läuft“, sprich, die Gesundheit Schindler keinen Strich durch die Rechnung macht.

Warum ist das Jubiläum heute am 23. Dezember?

Bürgermeister Albert Schindler startete am 1. Dezember 1966 auf dem Empfinger Rathaus als Auszubildender. Da er aber seine Staatsprüfung am 8. Dezember 1971 bestanden hatte und als Kämmerer erst am 1. Januar 1972 begann, war er rein rechnerisch vom 9. bis 31. Dezember 1971 arbeitslos. Diese Fehltage führen nun dazu, dass Schindler offiziell am heutigen 23. Dezember sein 50-jähriges Dienstjubiläum feiern kann.

Seine Amtszeit läuft am 31. Dezember 2017 definitiv aus, also nach mehr als 51. Jahren im öffentlichen Dienst. Er erreicht die Altersgrenze an seinem Geburtstag, dem 16 Dezember. Aufhören muss er am Ende des Geburtstagsmonats, also am 31. Dezember. Wäre er bei seiner Wiederwahl jünger gewesen, dann hätte die Wahlperiode noch weitere elf Monate betragen, also bis am 30. November 2018. Schindler ist neben dem Loßburger Bürgermeister Walter Schmid, der einzige, der wegen des Erreichens der Altersgrenze aufhören muss. Nach neuem Recht könnte Schindler bis zum Alter von 72 Jahren weitermachen.

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23.12.2016, 01:00 Uhr

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